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26.01.2014 - 12:01 Uhr


Comeback nach Maß

Neuzugang Dong-Won Ji (l., neben Andre Hahn) traf prompt in seinem ersten Spiel für den FC Augsburg (© Imago)

Der Südkoreaner (r.) war ausgerechnet gegen seinen zukünftigen Arbeitgeber Borussia Dortmund erfolgreich

Ji war in der Winterpause vom AFC Sunderland zum FCA gewechselt

Dortmund - Stefan Reuter musste immer wieder mit dem Kopf schütteln - und dabei schelmisch grinsen.  "Es ist verrückt, aber solche Geschichten schreibt nur der Fußball“, stellte Augsburgs Sport-Geschäftsführer nicht ohne Stolz fest. Gerade erst hatte er Dong-Won Ji für ein halbes Jahr zum FCA gelotst, da traf der Südkoreaner zum 2:2-Endstand in Dortmund - ausgerechnet gegen seinen künftigen Arbeitgeber.

Während der Held des Tages allem Rummel um seine Person entging und erstmal gar nichts sagte, bekamen sich seine Mitspieler gar nicht mehr ein. "Dong-Won Ji hat nicht einmal bei uns zu hundert Prozent mittrainiert, wird eingewechselt und macht so ein geniales Tor - was soll man dazu noch sagen“, zuckte Tobias Werner lachend mit den Schultern. Und Marvin Hitz konnte nur staunen: "Unglaublich. Ich habe ihn nur einmal im Training gesehen und kann noch gar nicht einschätzen, was er für ein Spielertyp ist. Und da hat er schon sein erstes Tor gemacht.“

Schwierigkeiten in der Premier League

Vor zehn Tagen erst hatte Stefan Reuter den Coup perfekt gemacht und Dong-Won Ji aus der Premier League vom AFC Sunderland zurückgeholt nach Augsburg. Seine Saisonbilanz in England hatte dazu eigentlich nur wenig Anlass gegeben: Sieben Kurzeinsätze in allen Wettbewerben, kein Treffer, kein einziger Scorerpunkt - das war ausgesprochen überschaubar.

Doch beim FCA erinnert man sich nur allzu gut an die Qualitäten des 1,87 Meter großen Offensivspielers aus Südkorea. In der letzten Rückrunde war er schon einmal da und hatte mit starken Spielen und fünf Toren maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt der Fuggerstädter. "Da hat er uns viel Freude bereitet“, denkt auch Markus Weinzierl gern an diese Episode zurück. Ein robuster Stürmer mit gutem Schuss, in der Offensive vielseitig einsetzbar, dazu ein unkomplizierter Charakter - für Augsburg gab es gute Gründe, den 22-Jährigen jetzt wieder zurückzuholen.

"Da er in der letzten Saison eine erfolgreiche Zeit beim FCA hatte, kennt er die Mannschaft, das Trainerteam und das Umfeld. Es gibt für ihn also keine Eingewöhnungszeit“, hatte auch Stefan Reuter vermutet, als er Dong-Won Ji wieder in Augsburg begrüßen konnte. Dass der Neuzugang sein Comeback allerdings so schnell mit einem Treffer krönen würde, hatte auch der Manager nicht zu hoffen gewagt. Und eigentlich hatte es in den letzten Tagen auch gar nicht danach ausgesehen, als ob der Angreifer gegen den BVB überhaupt auflaufen könnte.

Reuter: "Es ist Wahnsinn"

Mit den Folgen einer Oberschenkelprellung und einem dicken Bluterguss hatte sich Ji herumgeplagt und nur eine Einheit mit der Mannschaft trainieren können. "Es ist Wahnsinn! Wenn sich Mölders im Abschlusstraining nicht verletzt hätte, hätte Ji wahrscheinlich gar nicht im Kader gestanden“, konnte auch Reuter das Augsburger Glück gar nicht so recht fassen.

Denn auch im Spiel selbst musste Kollege Zufall helfen. "Eigentlich wollte ich ihn gar nicht einwechseln“, gestand Markus Weinzierl nach der Partie. Doch dann musste Halil Altintop mit dem Verdacht auf Gehirnerschütterung verletzt raus, der Trainer brachte Ji in der 70. Minute als offensive Option. Und der knipste zwei Minuten nach seiner Einwechslung direkt mit seinem ersten Ballkontakt per Kopf zum 2:2-Endstand. "Er geht gut auf den ersten Pfosten, das war ein traumhaftes Tor“, lobte Stefan Reuter.

Dass der 22-Jährige damit ausgerechnet seinem künftigen Arbeitgeber den Start in die Rückrunde vermasselte, ist die zusätzliche Ironie der Geschichte. Im Sommer wird Augsburg Dong-Won Ji erneut ziehen lassen müssen, denn ab Juli hat er einen Vierjahrsvertrag bei Borussia Dormund unterschrieben.

Die WM im Blick

So aber findet die Liaison zwischen dem FCA und Ji eine offenbar ertragreiche Fortsetzung, an die auch der Südkoreaner große Hoffnungen knüpft. "Ich wollte im Winter unbedingt den Verein wechseln, um mehr Spielpraxis zu bekommen und mich dadurch für die WM in Brasilien zu empfehlen“, hatte der Stürmer seinen Wechsel zurück nach Augsburg begründet. 26 Mal ist er bislang für Südkorea aufgelaufen. Sein Tor gegen Dortmund dürfte auch Nationaltrainer Hong Myung-bo aufmerksam registriert haben.

Der FC Augsburg wiederum setzt dank des Jokertores von Dong-Won Ji seine Erfolgsserie in der Liga auch in der Rückrunde fort. Sechs Spiele in Serie haben die Fuggerstädter jetzt nicht verloren, "da ist das Selbstvertrauen auf jeden Fall da“, konstatierte Marwin Hitz zufrieden. Eine tolle Moral bescheinigte Markus Weinzierl seiner Mannschaft, die mit dem 2:2 in Dortmund noch einmal eine Portion Selbstbewusstsein zugelegt hat. "Wir haben die Ruhe bewahrt, fußballerische Akzente gesetzt und sind zweimal nach einem Rückstand zurückgekommen. Das ist schon sensationell“, meinte Tobias Werner.

Dass Goalgetter Ji beim nächsten Aufeinandertreffen gegen den BVB dann auf der anderen Seite auflaufen wird, interessiert den Mittelfeldspieler zurzeit zumindest rein gar nicht: "Wir freuen uns, dass er jetzt noch ein paar Tore für uns schießt!“

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte

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