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14.02.2014 - 14:02 Uhr


Der General bittet zum Tanz

"Augsburg Calling" beim Heimspiel gegen den SV Werder Bremen. Vorne rechts mit Hut: Initiator Gerhard "General" Seckler

Gerhard Seckler (l.) mit Werders Fanbeauftragten Jermaine Greene. Der "General" schickt die Einladung für "Augsburg Calling" jeweils an die Fanbetreuung des Gästeclubs

Bei der gemeinsamen Stadtführung lernen sich die Fans beider Lager besser kennen und erfahren eine Menge über die 2000-jährige Geschichte Augsburgs

Bei der abendlichen Fanparty unter dem Motto "Von Fans für Fans" lässt es auch Gerhard Seckler krachen

Köln - Der FC Augsburg kehrte 2006 nach 23 Jahren Amateurfußball in die 2. Bundesliga zurück. Der Start verlief für die Fuggerstädter äußerst bescheiden. In den ersten drei Partien gelang der Mannschaft von Trainer Rainer Hörgl kein einziger Treffer. Zwei Mal ging der FCA als Verlierer vom Feld. Am vierten Spieltag feierten die Augsburger den ersten Sieg. Mamadou Diabang erzielte beim 1:0-Erfolg bei der SpVgg Unterhaching das goldene Tor.

Es war der Startschuss für eine beachtliche Saison des Aufsteigers. Am Saisonende belegten die bayrischen Schwaben Platz 7 und ließen prominente Teams wie den 1. FC Köln oder 1860 München hinter sich. Doch nicht nur der stete Aufstieg des FC Augsburg zu einer etablierten Kraft in der Bundesliga nahm im Generali-Sportpark in Unterhaching seinen Anfang, auch eine ganz besondere Faninitiative wäre ohne diesen Auswärtssieg vielleicht nicht entstanden.

Gitarre, Cowboyhut und Fußball

Im Zentrum dieser Initiative steht Gerhard Seckler, dessen Leben zwei große Leidenschaften prägen. Das ist zum einen der Fußball und zum anderen die Musik. Seit Kindesbeinen drückt der Gitarrist mit dem charakteristischen Cowboyhut dem FC Augsburg die Daumen. Sein Vater nahm ihn mit ins Rosenaustadion, als der große Helmut Haller seine Karriere in seiner Heimatstadt ausklingen ließ und internationalen Glanz versprühte. Auch in sportlich schwierigeren Zeiten hielt Seckler seinem FCA immer die Treue.

Der "General", wie Seckler meistens nur genannt wird, war auch in Unterhaching im Stadion und unterstützte seinen Club. In die Freude über den wichtigen Dreier mischte sich aber auch Ärger über einen Teil der mitgereisten Augsburger Fans, die die sowieso schon geknickten Hachinger Fans mit Schmähgesängen bedachten. "Gegen diese Stimmung müssen wir etwas tun", dachte Seckler damals. Seine Grundidee war eigentlich ganz einfach: Die Fans beider Lager sollten respektvoll miteinander umgehen. Gäste sollten sich bei einem Fußballspiel auch wie Gäste fühlen.

Aus diesem Gedanken heraus entwickelte sich das Projekt "Augsburg Calling", das vor jedem Heimspiel des FCA ein kulturelles Rahmenprogramm für Gästefans, aber auch für Augsburger Anhänger organisiert. Bei einer gemeinsamen Stadtführung können sich die Fans beider Clubs beschnuppern und lernen nebenbei eine Menge über die 2000-jährige Universitätsstadt im Südwesten Bayerns. Neben der Stadtführung können sich die Fans auch beim Frühshoppen austauschen oder eine Kunstausstellung besuchen, bevor es gemeinsam zum Stadion geht.

Augsburgs Fans werden zum "Recall" geladen

Nach ausgewählten Partien geht es auf einer großen Fanparty mit guter Stimmung weiter. Egal, wie das Spiel ausgegangen ist. Jeweils eine lokale und eine Band aus der Stadt des Gästeteams heizen den Anhängern bis in die frühen Morgenstunden ein. "Es hat eine Zeit gebraucht, bis sich Augsburg Calling etabliert hat, aber mittlerweile ist die Resonanz ausgesprochen gut", beschreibt Seckler die Entwicklung der letzten acht Jahre. Einige Clubs waren von Augsburg Calling so begeistert, dass alle FCA-Fans beim nächsten Gastspiel zu einem "Recall" eingeladen wurden. Borussia Dortmund, Werder Bremen, Borussia Mönchengladbach und Union Berlin boten in enger Abstimmung mit Seckler in ihren Städten ein ähnliches Programm an.

Union Berlin zeichnete den FC Augsburg darüber hinaus mit dem "JWD"- Pokal 2012 aus, mit dem die "Eisernen" jährlich den fanfreundlichsten Gastgeberverein ehren. "JWD" steht dabei für „Jut war’t, danke!“. Eine tolle Bestätigung für die Arbeit von Seckler, der jede Menge Herzblut in Augsburg Calling investiert und einen großen Traum hat: "Ich wünsche mir so ein Projekt in jeder Bundesliga-Stadt." Egal, wie viele Clubs dem Augsburger Beispiel folgen: Gerhard Seckler wird auch in Zukunft alle Gästefans in seiner Heimatstadt herzlich willkommen heißen. Ein echter "General" marschiert eben vorneweg.

Florian Reinecke

Auf der Facebook-Seite von Augsburg Calling wird immer über das aktuelle Programm informiert.

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