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04.07.2013 - 17:07 Uhr


Experimente mit Guardiola: Der Schnupperkurs geht weiter

Pep Guardiola will den Bayern-Fans offensiven Fußball bieten und experimentiert auch gerade deshalb mit Taktiken und Positionen herum. Ribery auf der "Zehn" ist das aktuell prominenteste Beispiel dafür

"Er ist ein top-top-top Spieler, er ist ein Geschenk für mich," sagt Guardiola über Arjen Robben. Der Holländer wird das gerne hören und scheint voerst nicht um seinen Platz in der Mannschaft bangen zu müssen

Stürmer Mario Gomez (l.) und Trainer Pep Guardiola werden sich eventuell noch häufiger unterhalten dürfen. Mit ihm, Mario Mandzukic und Claudio Pizarro könnten gleich drei Spieler um eine nicht vorhandene Position kämpfen

Riva del Garda - Das Hotel Lido Palace ist der pure Luxus, selbstverständlich. Ein aufwändig renovierter Jugendstil-Bau, sehr malerisch gelegen am Nordufer des Gardasees. Die nur 42 Zimmer und Suiten sind zwischen 35 und 55 Quadratmeter groß, die Küche glänzt mit einem Michelin-Stern, im Garten lockt ein 30 Meter langer Pool. Der FC Bayern hat das gesamte Hotel bis zum Freitag kommender Woche in Beschlag genommen, und das kommt Pep Guardiola sehr gelegen: "Es ist gut, dass wir alle zusammen sind", sagt er.
Knapp 30 Spieler sind mit Guardiola ins Trentino geflogen, es sind Spieler dabei, die sonst eher in die Regionalliga-Mannschaft der Münchner verortet werden müssen. "Die jungen Spieler sind hier, weil sie gute Qualitäten haben", betonte Guardiola. Allerdings: Die jungen Spieler sollten sich auch nicht allzu viele Hoffnungen machen, denn der Baske erklärt auch: "Während der Saison habe ich nicht so gerne einen breiten Kader, aber außerhalb der Saison kann man es machen." Es ist ein Schnupperkurs - und Zeit für Experimente.

"Kein Ort für Nicht-Gewinner"



Guardiola macht deutlich, worum es ihm geht in seinem ersten Trainingslager: Das gegenseitige Beschnuppern steht nach wie vor klar im Vordergrund. Der 42 Jahre alte Katalane will, dass ihn die Spieler besser kennenlernen, vor allem aber will er, dass sie seine Ideen verstehen und annehmen. "Ich mag es nicht", erklärt Guardiola, "wenn die gegenerische Mannschaft den Ball hat, ich mag es, wenn wir den Ball haben. Und ich habe großen Repekt vor den Zuschauern in der ganzen Welt, vor den Zuschauern, die eine Eintrittskarte kaufen."

Übersetzt heißt das: Guardiola will offensiven Fußball spielen lassen, der das zahlende Publikum gut unterhält. Aus diesem Grund experimentiert er auch herum. Er hat in den ersten Test-Kicks eine Dreier-Abwehr ausprobiert und Franck Ribery auf der Zehn. "Ich will sehen, wie die Spieler auf anderen Positionen spielen. Ich brauche diese Informationen so bald wie möglich." Denn wenn es erst einmal ernst wird, "ist es schwierig, das rauszufinden". Guardiola hofft außerdem, "dass wir viele Fehler machen. Nur so können wir lernen."

Über allem steht am Ende der Erfolg, das weiß Guardiola nur zu gut. Sportvorstand Matthias Sammer hat kurz vor der Abreise an den Gardasee versucht, den Erwartungsdruck zu dämpfen, aber der Trainer lehnt dankend ab: "Ich schätze seine Worte. Aber in einem großen Verein hast du keine Zeit. Du musst von Anfang an gut arbeiten. Der FC Bayern ist nicht der beste Ort für Nicht-Gewinnen", sagt er. Und betont zugleich auch: "Ich will hier lange, lange Zeit bleiben." Er habe deswegen ja auch seine Familie nach München mitgenommen.

Robben hat einen Stein im Brett



Ob und wie lange Mario Gomez bleibt, ist unklar: Nachdem der AC Florenz zuerst Interesse am Nationalstürmer bekundet hatte, machten die Italiener am Donnerstag einen Rückzieher. Kein Problem, versichert Guardiola und klopft mit der Faust auf seine Brust: "Er ist mein Spieler, und ich muss schauen, dass ich das Beste für ihn mache." Das hieße auch, dass neben Mario Mandzukic und Claudio Pizarro, der um ein Jahr bis 2014 verlängert hat und den Guardiola mit geradezu leuchtenden Augen als "super, super Spieler bezeichnet", drei Stürmer um einen Platz kämpfen müssten, den es vielleicht nicht mal gibt.

"Matthias, Uli, Kalle und auch Jupp", also die Herren Sammer, Hoeneß, Rummenigge sowie Heynckes, "sie haben mir eine wunderbare Mannschaft gegeben", sagt Guardiola und das wiederum bedeute, dass er verschiedene Systeme spielen lassen könne. "Wir können mit einem echten Stürmer spielen - und wir können mit einem falschen Stürmer spielen. Das ist wunderbar für mich", sagt Guardiola. Arjen Robben übrigens hat wohl einen Stein im Brett beim neuen Trainer: "Er ist ein top-top-top Spieler, er ist ein Geschenk für mich."

Robben wird das gerne hören. Irgendwann aber wird Guardiola dem einen oder anderen wehtun müssen. Bei aller Wertschätzung.
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