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22.01.2014 - 14:16 Uhr


"Favre war Gladbachs wichtigster Transfer"

Stefan Effenberg tippt auf ein 1:1-Unentschieden zwischen seinen beiden Ex-Clubs

Bei Borussia Mönchengladbach begann Effenberg seine Bundesliga-Karriere

Mit dem FC Bayern gewann er drei Mal die deutsche Meisterschaft und wurde 2001 Champions-League-Sieger

Hamburg - Er war Mittelfeldspieler und Leitwolf. Und das sowohl bei Borussia Mönchengladbach als auch dem FC Bayern. 351 Mal lief Stefan Effenberg für die beiden ewigen Rivalen in der Bundesliga auf. Heute analysiert der 45-Jährige bei Sky als Experte das nationale und internationale Fußballgeschehen.

Im Interview mit bundesliga.de bewertet Effenberg die Ausgangslage vor dem Auftakt-Kracher am Freitagabend (ab 20 Uhr im Live-Ticker).

bundesliga.de: Herr Effenberg, hätten Sie erwartet, dass die Partie zum Rückrundenauftakt zwischen Ihren beiden Ex-Clubs Borussia Mönchengladbach und dem FC Bayern ein echtes Spitzenspiel werden würde?

Stefan Effenberg: Auf jeden Fall. Gladbach stand im Hinspiel schon kurz davor, einen Punkt aus München mitzunehmen. Und in der Vergangenheit haben sie den Bayern das Leben auch immer schwer gemacht. Mich wundert der Erfolg der Borussia überhaupt nicht. Sie haben sich verstärkt, sie haben sich gefunden und präsentieren sich als echte Einheit.

bundesliga.de: Welchen Anteil am Erfolg hat Trainer Lucien Favre?

Effenberg: Ich habe es schon mehrfach gesagt: Der wichtigste Transfer in Gladbach in den vergangenen Jahren war die Verpflichtung von Lucien Favre. Seine Handschrift sieht man extrem. Dank Favre spielt Gladbach sehr, sehr diszipliniert. Das ist wichtig, um erfolgreich zu sein.

bundesliga.de: Wird sich die Borussia in der Zukunft dauerhaft in der Spitzengruppe etablieren?

Effenberg: Das wünsche ich mir sehr. Aber das Problem in der Vergangenheit war, dass die Spitzenspieler wie zum Beispiel Dante, Marco Reus oder nun Marc-Andre ter Stegen einfach nicht zu halten sind, wenn die großen Vereine anklopfen. Das könnte Gladbach schwächen, auch wenn Borussia das im Fall Reus gut kompensieren konnte. Für ganz oben wird es vielleicht in nächster Zeit nicht reichen, aber hinter den Clubs aus München, Dortmund, Leverkusen und Wolfsburg sehe ich schon die Gladbacher.

bundesliga.de: Was muss passieren, damit die Rückrunde mit einem Heimsieg beginnt. Reicht ein guter Tag der Borussia aus?

Effenberg: Nein, da muss schon ein bisschen mehr zusammenkommen. Die Bayern müssen dazu einen nicht ganz so guten Tag erwischen. Aber Gladbach muss sich andererseits auch nicht klein machen. Mit Reus war das System auf ein schnelles Umschaltspiel ausgelegt. Mittlerweile hat Gladbach mit Arango, Herrmann, Kruse und Raffael eine enorme Offensivkraft, die sie auch ausspielen. Da müssen die Bayern aufpassen. Ein Selbstläufer wird es für sie bestimmt nicht.

bundesliga.de: Ist dem FC Bayern in der Rückrunde der Titel überhaupt noch streitig zu machen? Könnte die große Konkurrenz-Situation im Kader vielleicht für Unruhe sorgen?

Effenberg: Nein, das glaube ich nicht. Die Spieler sind professionell genug, um zu wissen, dass sie bei der hohen Belastung in der Rückrunde die eine oder andere Pause benötigen und bekommen. So ein Kader ist die große Stärke eines Spitzenteams, um zu jeder Zeit Rückschläge zu kompensieren.

bundesliga.de: Zeichnet das auch die Klasse von Pep Guardiola aus, der ja für viel Rotation bekannt ist?

Effenberg: Das ist das A und O, wenn man solche Teams trainiert. Ein Top-Trainer muss so etwas hinbekommen. Und Guardiola schafft das. Am Ende steht dann zwangsläufig der Erfolg. Beim FC Bayern war es schon immer wichtig, dass im Umfeld Ruhe herrscht. Das war in der vergangenen Saison der Fall und ist, Stand jetzt, ebenso der Fall.

bundesliga.de: Wenn eine Mannschaft so dominant auftritt wie der FC Bayern, kann dann in der Winterpause noch großartig etwas verändert und neu trainiert werden?

Effenberg: Sicherlich gab es in der Hinrunde ein paar Situationen, in denen die Bayern ein paar Probleme hatten. Ich erinnere mich an die Spiele gegen Wolfsburg und Hertha BSC. Aber letztlich haben sie einen richtig guten Fußball gespielt. Von daher wird in der Winterpause nur noch an ein paar Schrauben zur Feinjustierung gedreht.

bundesliga.de: Sehen Sie im Kader des FC Bayern noch Handlungsbedarf?

Effenberg: Da nicht absehbar ist, wie schnell Holger Badstuber nach seiner Verletzung wieder das nötige Niveau erreicht, sehe ich möglicherweise im defensiven Bereich Bedarf, um sich in der Weltspitze weiter keine Blöße zu geben. Aber wenn, dann muss ein Spieler von absoluter internationaler Klasse geholt werden. Alles andere hilft nicht weiter. In der Offensive sind die Bayern nach der Verpflichtung von Robert Lewandowski ohnehin überragend besetzt.

bundesliga.de: Stehen alle Spieler bei Bayern nach der Saison auf dem Prüfstand?

Effenberg: Ja, und das muss immer so sein. Das ist doch vollkommen klar. Es wird immer ein paar Spieler geben, die gesetzt sind. Aber ansonsten muss sich jeder bei den Bayern immer wieder neu beweisen. Da die Münchner immer die Gejagten sind, muss zu jeder Zeit die Konzentration hochgehalten werden. Im Umfeld sorgen die Verantwortlichen wie Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und vor allem Matthias Sammer dafür, dass das nie in Vergessenheit gerät. Insbesondere nicht vor so wichtigen Spielen wie jetzt gegen Mönchengladbach.

bundesliga.de: Was spricht am Freitag für einen Erfolg der Fohlen?

Effenberg: Die ersten zwei, drei Spiele sind für die Spitzenclubs immer ein wenig unangenehm. Die Vorbereitung verlief vielleicht ganz gut, aber so richtig weiß keiner, wo man im Vergleich steht. Das ist der Vorteil für die vermeintlichen Außenseiter. Das kann ich aus Erfahrung bestätigen. Wir mussten zu meiner Zeit beim FC Bayern auch nach der Winterpause erst wieder unseren Rhythmus finden.

bundesliga.de: Wie lautet Ihre Prognose für die Partie im Borussia-Park?

Effenberg: Die Gladbacher werden sich nicht hinten reinstellen. Sie wissen, dass sie richtig gut geworden sind und sich den nötigen Respekt der anderen Vereine verschafft haben. Bayern bleibt der Favorit und wird sicherlich mehr Ballbesitz haben. Und es wird auch schwierig werden, sie zu stoppen, wenn sie erst einmal ins Rollen kommen. Aber die Borussia ist dennoch zu jeder Zeit in der Lage, ein Tor zu erzielen. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Spiel unentschieden ausgeht. Vielleicht 1:1.

Das Gespräch führte Michael Reis

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