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11.04.2014 - 16:19 Uhr


"96 braucht Typen, die voran gehen"

Dieter Schatzschneider arbeitet als Scout für Hannover 96 (© imago)

Der 55-Jährige zählt zu den Vertrauten von 96-Präsident Martin Kind (l.)

In der Bundesliga war Schatzschneider (r.) neben Hannover auch noch für den Hamburger SV und Schalke 04 am Ball (© imago)

Köln - Am Samstag treffen im Nordderby Hannover 96 und der Hamburger SV (Vorbericht) aufeinander. Beide Clubs befinden sich in akuter Abstiegsgefahr. Für beide Vereine spielte in den Achtziger Jahren Dieter Schatzschneider. In 96 Bundesliga-Spielen für Hannover, den Hamburger SV und auch Schalke 04 traf der heute 55-Jährige 28 Mal. Weitaus erfolgreicher trumpfte Schatzschneider in der 2. Bundesliga auf, deren bester Torjäger er mit 154 Treffern bis heute ist.

Im Gespräch mit bundesliga.de analysiert der Vertraute von 96-Präsident Martin Kind die aktuelle Lage der Traditionsvereine.

bundesliga.de: Herr Schatzschneider, am Samstag steht das Derby zwischen Ihren beiden Ex-Vereinen Hannover 96 und dem Hamburger SV an. Wie beurteilen Sie die Situation?

Dieter Schatzschneider: Für beide Vereine ist die Situation im Abstiegskampf sehr gefährlich. Für Hannover 96 vielleicht sogar ein bisschen mehr, weil Unruhe aufgekommen ist. Die anderen Vereine haben ihre Situation schon etwas mehr verinnerlicht und bewahren absolute Ruhe. In Hannover sind wir nun aber auch dabei, für Ruhe zu sorgen.

bundesliga.de: Haben Sie erwartet, dass Hannover noch einmal so tief in den Abstiegskampf rutschen könnte?

Schatzschneider: Nein. Ich bin bei jedem Spiel dabei. Nach dem 3:0-Sieg bei Hertha BSC haben die Spieler etwas nachgelassen. Es fing mit einer schlechten Halbzeit beim Dortmund-Spiel an und setzte sich gegen Hoffenheim, Bremen und Braunschweig fort. Wir sind jetzt in einer Spirale drin, die Leistung stimmt nicht. Dann hat man Probleme, Spiele zu gewinnen.

bundesliga.de: Wie durchbricht man nun am besten diese Abwärtsspirale?

Schatzschneider: Es ist wichtig, Ruhe zu bewahren. Daran müssen sich alle halten, vor allem auch die Fans. Aber mein Gerede bringt jetzt nichts. Der Trainer muss auf dem Platz elf Mann haben, die für den Verein alles geben. Dann kann man im Abstiegskampf loslegen. Ein Steven Cherundolo, der in dieser Saison leider seine Karriere beenden musste, würde uns jetzt gut tun. Oder ein Altin Lala. Typen, die voran gehen.

bundesliga.de: Kommen wir auf den HSV zu sprechen. Unter dem heutigen Coach Mirko Slomka hat sich die Mannschaft wieder stabilisiert und in den Heimspielen ordentlich gepunktet. Dennoch steht der HSV immer noch auf Platz 16. Befürchten Sie, dass es Hamburg in dieser Saison erwischen könnte?

Schatzschneider: Es kann jeden erwischen, uns, den HSV. Ich hoffe es nicht, weil ich diese Derbys liebe. In diesen Spielen kommen die ganzen Emotionen, die den Fußball so richtig schön machen, raus.

bundesliga.de: Beim HSV ruhen die Hoffnungen im Endspurt auf Pierre-Michel Lasogga, auch wenn er jetzt am Samstag ausfällt. Sie waren früher selbst Stürmer. Wie gefällt er Ihnen?

Schatzschneider: Das ist ein Spieler, den seine Durchsetzungsstärke auszeichnet. Er geht mit seinen 22 Jahren schon vorweg und zeigt anderen die Richtung an. Es ist unangenehm, gegen ihn zu spielen, weil er weiß, wo das Tor steht. Er geht dahin, wo es weh tut. Solche Spieler sind für jede Mannschaft wichtig. Bei uns fallen ja leider mit Artur Sobiech und Mame Diouf auch zwei Stürmer aus. Die fehlen uns an allen Ecken und Enden.

bundesliga.de: Wie verteilen sich Ihre Sympathien beim Derby Hannover gegen den HSV?

Schatzschneider: Sie gehören zu 100 Prozent Hannover 96. Ich kann keine Prozente abgeben. Hannover ist mein Verein, ich bin gerne bei 96. Es besteht eine enge Bindung. Ich habe hier in den letzten Jahren alles mitgemacht: Aufstieg, Europa. Ich weiß, wo ich hingehöre.

bundesliga.de: Wie beurteilen Sie die Aussichten der anderen vier derzeit am stärksten gefährdeten Vereine, also Freiburg, Stuttgart, Nürnberg und Braunschweig? Welcher Verein rettet sich?

Schatzschneider: Freiburg bringt das mit, was ich fordere. Absolute Ruhe im Umfeld. Der Trainer ist der Star der Mannschaft. Er gibt die Richtung vor und hat alles im Griff. Die Mannschaft macht das, was im Abstiegskampf gefordert ist. Laufen und Kämpfen und 100 Prozent geben. Dann kommt alles von alleine. Die Freiburger wissen wie es geht, und sie sind erfahren.

bundesliga.de: Und der VfB Stuttgart?

Schatzschneider: Für die wird es genauso schwer wie für den HSV. Die nenne ich in einem Atemzug auch mit Hannover 96, Hamburg und Nürnberg. Einen der vier wird es treffen. Braunschweig hat die Qualität zuhause, aber ich bezweifle, dass das reicht.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski

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