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09.05.2014 - 21:26 Uhr


"Ich bete für den HSV"

Neun Jahre spielte David Jarolim (l., neben dem damaligen Trainer Thorsten Fink) für den Hamburger SV

Der 35-Jährige verfolgt die Entwicklungen in Hamburg mit Besorgnis: "Ich bete für die Mannschaft, der HSV ist mein Verein", sagt Jarolim (2.v.l.)

Für den Tschechen sind HSV-Coach Mirko Slomka (l.) und Youngster Hakan Calhanoglu die Hoffnungsträger im Abstiegskampf

Köln - Neun Jahre spielte David Jarolim für den Hamburger SV, drei Jahre für den 1. FC Nürnberg. Auch beim FC Bayern stand der knapp 35-Jährige früher einmal unter Vertrag. 318 Mal lief der Tscheche in der Bundesliga auf, bis er sich vor zwei Jahren aus Hamburg verabschiedete. Nun lässt er seine Karriere in seiner Heimat äußerst erfolgreich ausklingen. Mit dem FK Mlada Boleslav qualifizierte er sich für die Europa League.

Obwohl Jarolim nicht mehr in der Bundesliga spielt, verfolgt er die Entwicklungen in Hamburg - mit großer Sorge, wie er im Interview mit bundesliga.de verrät. Die Hoffnungen des Mittelfeldspielers ruhen vor allem auf Mirko Slomka und Youngster Hakan Calhanoglu.

bundesliga.de: David Jarolim, wie sehr sorgen Sie sich derzeit um Ihren Ex-Verein, den Hamburger SV?

David Jarolim: Ich mache mir große Sorgen. Keiner wünscht sich, in so einer Situation zu sein. Aber es besteht noch die Chance, in die Relegation zu kommen - das ist positiv. Vor ein paar Jahren wäre der HSV jetzt schon abgestiegen.

bundesliga.de: Wenn Sie aus der Entfernung beurteilen sollen: Welchen Eindruck macht die Mannschaft auf Sie? Ist sie nur stark verunsichert oder fehlt auch einfach die Qualität?

Jarolim: Ich bin in Prag und lese jeden Tag vor dem Training die Zeitungen und informiere mich im Internet. Die Mannschaft des HSV ist verunsichert, das ist ja auch ganz normal in einer solchen Situation. Das Selbstvertrauen ist nicht so da, als wenn man um die Meisterschaft spielt. Der Druck ist ganz anders, wenn es für den ganzen Verein ums Überleben geht. Dass der HSV noch nie abgestiegen ist, kommt auch noch dazu. Auf der anderen Seite hat die Mannschaft auch Dortmund und Leverkusen zuhause geschlagen und in diesen Spielen eine sehr gute Leistung gezeigt. Es kann eigentlich nicht an der fehlenden Qualität liegen. Jetzt spielt sich alles im Kopf ab, es ist eine mentale Frage. Der HSV hat noch genügend erfahrene Spieler, die jetzt auf dem Platz vorangehen müssen. Mir gefällt, wie Hakan Calhanoglu, der jüngste Spieler auf dem Platz, marschiert.

bundesliga.de: Immerhin wird Stürmer Pierre-Michel Lasogga wohl in Mainz wieder zur Verfügung stehen. Wie wichtig ist er für den HSV?

Jarolim: Es ist wichtig für den HSV, dass Pierre-Michel Lasogga wieder in die Mannschaft zurückkehrt. Ich hoffe auch auf Rafael van der Vaart, der in der jetzigen Situation das Heft in die Hand nehmen muss. Es geht nur über den Kampf. Die Mannschaft muss erst einmal sicher stehen und dann versuchen, ein Tor zu erzielen. Das haben sie in den letzten Wochen aber nicht hinbekommen. Wenn das Selbstvertrauen fehlt und die Form nicht da ist, muss man wenigstens defensiv gut stehen.

bundesliga.de: Hamburg steht immer noch auf Platz 16 und hat es in der eigenen Hand. Am Samstag geht es gegen Mainz, das im Kampf um Europa auch noch Punkte braucht. Wie sollte der HSV die Partie taktisch angehen? (Live-Ticker Countdown zum Abstiegskampf-Finale)

Jarolim: Der HSV muss in Mainz brutal auf Konter spielen. Alle Spieler müssen hinter dem Ball stehen. Das ist die normale Vorgehensweise. Ich hoffe auf Mirko Slomka. Er ist in meinen Augen der absolut richtige Trainer für den HSV, denn er kennt die Situation. Ich bin überzeugt, dass er es mit der Mannschaft schafft und in die Relegation kommt. Ich bete für die Mannschaft, der HSV ist mein Verein.

bundesliga.de: Wie bewerten Sie die Ausgangslage Ihres anderen Ex-Vereins, der 1. FC Nürnberg?

Jarolim: Nürnberg spielt jetzt auf Schalke (Samstag, ab 15 Uhr im Live-Ticker). Aber ehrlich gesagt ist der HSV mein Verein Nummer eins in Deutschland. Ich drücke ihm die Daumen. Dem "Club" hätte ich es auch gewünscht, aber leider kann es nur einer schaffen. Beim HSV habe ich neun super Jahre erlebt. Aber im Fußball kann alles passieren. Man darf auch Braunschweig nicht vergessen. Die Eintracht ist eine total unangenehme Mannschaft, die mit Leidenschaft und schnell nach vorne spielt, wenn sie den Raum hat. Ich habe das Spiel der Eintracht in Berlin vor zwei Wochen gesehen. Da hatten sie beim Stand von 0:0 klare Chancen. Auch Braunschweig ist noch nicht abgestiegen. Dieser letzte Spieltag wird der Hammer. Ich hoffe auf ein gutes Ende für den HSV.

bundesliga.de: Wie zu lesen war, haben Sie mit Ihrem Verein FK Mlada Boleslav in Tschechien eine gute Saison gespielt.

Jarolim: Das stimmt. Wir haben uns für die Europa League qualifiziert. Mein Vater ist hier Trainer. Wir waren bis zur Winterpause nicht so gut in der Tabelle gestanden, haben danach aber viele Punkte aufgeholt. Das ist ein Riesenerfolg für den Verein. Ich wollte eigentlich zum Saisonende aufhören. Aber jetzt kribbelt es nochmal. Es wäre ein Traum, noch einmal gegen einen Bundesligisten zu spielen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski

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