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27.05.2014 - 12:56 Uhr


Stendera: "Fußball 100 Prozent leben"

Marc Stendera (r.) gab in der Saison 2012/13 im Spiel gegen den FC Bayern sein Bundesliga-Debüt. Damals war der Frankfurter 17 Jahre, drei Monate und 27 Tage alt (© Imago)

Schicksalsschlag: Im Sommer 2013 zog sich der Mittelfeldspieler in der Saisonvorbereitung bei einem Testspiel gegen den VfR Aalen einen Kreuzbandriss im rechten Knie zu (© Imago)

Stendera verdankt dem scheidenden Eintracht-Coach Armin Veh eine Menge: "Der Trainer hat mir das Vertrauen gegeben und mich dadurch stark gemacht"

Franlfurt/Main - Bundesligaprofi zu werden, ist für viele junge Fußballer ein Traumberuf. Einer, der genau das vor kurzer Zeit geschafft hat, ist Marc Stendera von Eintracht Frankfurt. Im Interview mit bundesliga.de erklärt der 18-jährige Standard-Spezialist, worauf er dabei verzichten musste, wie er mit Rückschlägen umgegangen ist und welche Ziele er hat.

bundesliga.de: Herr Stendera, im Sommer 2013 hat Sie ein Kreuzbandriss zurückgeworfen. Bei der 0:2-Pleite gegen Bayer Leverkusen am 33. Spieltag standen Sie kürzlich zum ersten Mal seit einem Jahr wieder in der Startelf. Wie hat sich das angefühlt?

Marc Stendera: Es war natürlich schön für mich, dass ich nach meiner schweren Verletzung wieder langsam in Fahrt komme. Allerdings hätte ich mir natürlich ein besseres Ergebnis für uns und für unseren Trainer Armin Veh gewünscht.

bundesliga.de: Armin Veh verlässt den Verein zur kommenden Saison in Richtung VfB Stuttgart und wird durch Thomas Schaaf ersetzt. Welche Rolle hat er für Ihre Entwicklung gespielt?

Stendera: Er hat mich zu den Profis geholt und mir von Anfang an Vertrauen gegeben. Das hat mir bei meinem Einstieg sehr geholfen. Ohne die Unterstützung des Trainers funktioniert das nicht.

bundesliga.de: Gehen wir zurück zu den Anfängen. Wie sind Sie denn eigentlich zum Fußball gekommen?

Stendera: Ich komme aus einer Fußballer-Familie. Mein Vater hat Hessen-Liga gespielt und ich habe mit vier Jahren beim TSV Heiligenrode angefangen, gegen den Ball zu treten. Mit 13 Jahren habe ich in der hessischen Landesauswahl U15 gespielt. Dort bin ich Scouts aufgefallen und es kamen die ersten Anrufe.

bundesliga.de: War es für Sie denn damals schon klar, dass Sie Fußballprofi werden wollen?

Stendera: Das kann man so nicht sagen, da der Wunsch alleine ja noch nicht reicht. Dazu gehört dann eine erste Bestätigung, dass es möglich ist. Es war aber auf jeden Fall mein Traumberuf und ich wollte das unbedingt schaffen.

bundesliga.de: Sie sind dann ins Nachwuchsleistungszentrum von Eintracht Frankfurt gekommen. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Stendera: Ich hatte damals schon mehrere Angebote, aber die Frankfurter haben sich sehr um mich bemüht und es ist nicht so weit entfernt von meiner Heimat Kassel. So war es für meine Familie einfacher, zu meinen Spielen zu kommen und wir konnten besser Kontakt halten. Das hat mir am Anfang sehr geholfen.

bundesliga.de: Mit 14 Jahren von zu Hause auszuziehen, ist eine große Herausforderung. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Stendera: Es war alles andere als einfach. Ich musste viel schneller erwachsen werden als andere in meinem Alter. Durch den Umzug in das Leistungszentrum war von mir schon viel Selbstständigkeit gefordert. Daran muss man sich erst mal gewöhnen. Alles dreht sich nur noch um Schule und Fußball, das war sehr anstrengend.

bundesliga.de: Worauf kommt es in so einer schwierigen Phase an?

Stendera: Man muss die Bereitschaft haben, auf Freizeit zu verzichten. Es ist nicht möglich, die Freiheiten von gleichaltrigen zu haben und gleichzeitig seinen Traum zu leben. Es kommt darauf an, alles dem Ziel Fußballprofi zu werden unterzuordnen. Ich hatte noch dazu das Glück, dass ich in Frankfurt in eine funktionierende Gemeinschaft reingefunden habe. Es haben sich Freundschaften entwickelt, die wichtig sind.

bundesliga.de: Aber der Kontakt in die Heimat ist trotzdem erhalten geblieben?

Stendera: Natürlich. Familie und die Freunde zu Hause sind ganz wichtige Stützen. Mit der Familie bleibt man ja eh verbunden, aber auch die anderen sozialen Kontakte sollte man pflegen und sich darum kümmern. Es ist ganz wichtig, zwischendurch in einer anderen Umgebung zu sein, damit der Druck auch mal raus kommt.

bundesliga.de: Wie groß ist denn der Druck schon in den Jugendmannschaften und wie sind Sie damit umgegangen?

Stendera: Fußball ist ein Mannschaftssport, aber um sich durchzusetzen, muss man einer der Besten sein und immer seine Leistung zeigen. Dadurch entwickelt sich ein immenser Druck, der auch eine hohe mentale Stärke fordert. An jedem Tag muss man alles geben, sonst fällt man schnell ab.

bundesliga.de: Sie wurden dann schon recht früh in das Training der Profis eingeladen. Wie kam es dazu?

Stendera: Ich war mit der U17 in der Vorbereitung, als ich in das Trainingslager der Profis geholt wurde. Das konnte ich im ersten Moment gar nicht glauben und ich bin davon überzeugt, dass jeder junge Spieler am Anfang auch etwas Angst davor hat. Wie soll ich mich verhalten? Was passiert hier? Die körperlichen Anforderungen waren nicht zu vergleichen. Das ist noch mal eine andere Welt.

bundesliga.de: Wie haben Sie es geschafft, sich in dieser neuen Welt zurechtzufinden?

Stendera: Bei mir war es so, dass ich sofort von den anderen Spielern integriert wurde. Sie haben mich super aufgenommen und der Vorteil war, dass auch noch andere junge Spieler in der Mannschaft waren. Außerdem hat mir der Trainer Vertrauen gegeben und mich dadurch stark gemacht.

bundesliga.de: Der erste Bundesligaeinsatz war dann gleich gegen die Bayern...

Stendera: Ja, auch das konnte ich erst gar nicht glauben. Meine Premiere in einem Heimspiel gegen den FC Bayern München. Ein tolles Erlebnis, auch wenn wir 0:1 verloren haben. Ich hatte den Schritt zum Profifußballer gemacht und es hatte sich gut angefühlt.

bundesliga.de: Es ging gut weiter: Mit dem ersten Einsatz in der Startelf im nächsten Heimspiel gegen Schalke 04, Sie standen gleich im Mittelpunkt.

Stendera: Für mich war es wichtig, in dieser Phase in jedem Training alles zu geben, damit ich weiterhin meine Chancen bekam. Das hat sich ausgezahlt. Es war natürlich schön, dass ich das entscheidende Tor zum 1:0 vorbereitet habe, aber das Gefühl des Sieges mit der Mannschaft in einem ausverkauften Stadion vor unseren Fans hat mir noch mehr gegeben.

bundesliga.de: Wie sind Sie mit der plötzlichen Aufmerksamkeit umgegangen? Sie gelten seitdem als junger Hoffnungsträger bei Eintracht Frankfurt?

Stendera: Das ist natürlich eine extreme Situation, in der es darauf ankommt, die Ruhe zu bewahren. Ich wusste das schon richtig einzuordnen und nicht zu hoch zu hängen. Es ist wichtig, auf dem Boden zu bleiben. Dabei haben mir auch die Mannschaft und der Verein geholfen.

bundesliga.de: Dann ein schwerer Rückschlag: In der Vorbereitung zur abgelaufenen Saison erlitten Sie einen Kreuzbandriss. Wie sind Sie damit umgegangen?

Stendera: So eine Verletzung verändert alles. Es gab einige nachdenkliche Tage, wie es mit mir weitergeht. Aber auch in dieser Zeit habe ich viel Unterstützung aus der Mannschaft bekommen. Sie haben sich bei mir gemeldet und mich aufgemuntert. Das hat mich motiviert und ich war schnell wieder dabei alles für eine Genesung zu geben.

bundesliga.de: Hat die Verletzung auch ihre guten Seiten gehabt?

Stendera: Naja, so würde ich das nicht sagen, aber ich bin dadurch mental noch stärker geworden. Ich habe viel gearbeitet und diese schwierige Situation erfolgreich überstanden. So hat das im Rückblick vielleicht auch etwas Gutes, doch ich muss das nicht noch mal erleben.

bundesliga.de: Welche Ziele haben Sie für das nächste Spieljahr?

Stendera: Mein Ziel ist es, wieder richtig reinzukommen, eine vollständige Vorbereitung zu absolvieren und im nächsten Jahr möglichst viel Spielzeit zu bekommen. Alles Weitere ergibt sich dann automatisch.

bundesliga.de: Zusammengefasst: Worauf kommt es aus Ihrer Sicht an, um sich den Traum vom Profifußball auch wirklich zu erfüllen?

Stendera: Es geht darum, alles für den Fußball zu geben, Fußball zu 100 Prozent zu leben. Immer Gas geben, diszipliniert sein und hart zu arbeiten. Dafür braucht man einen starken Willen.

Das Gespräch führte Alexander Dionisius

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