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14.11.2013 - 21:59 Uhr


Deutsch-englische Partnerschaft in Indien

Marco Walter und Peter Quast nahmen für Bayer Leverkusen am ersten Modul der

Marco Walter und Peter Quast nahmen für Bayer Leverkusen am ersten Modul der "Young Coaches"-Ausbildung in Indien teil.

München - Die Champions League 2013/14 steht ganz im Zeichen der Duelle zwischen Bundesliga und englischer Premier League. Alle vier deutschen Vertreter haben es in der Gruppenphase mit einem Team von der Insel zu tun. Für Bayer Leverkusen steht in diesem Jahr aber nicht nur der sportliche Wettkampf mit Gruppengegner Manchester United im Vordergrund – die Rheinländer verbindet ein soziales Projekt mit einem englischen Profi-Club. Gemeinsam mit den Queens Park Rangers engagiert sich Bayer in Indien und hilft, die Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen zu verbessern. Organisiert wird die Initiative von der schweizer Scort-Stiftung, deren "Football Club Social Alliance" Leverkusen angehört.
Es ist ein ungewöhnlicher Anblick auf dem Sportplatz der Don Bosco High School in Mumbai: 33 junge Inderinnen und Inder tummeln sich auf dem Ascheplatz der Schule. Gekleidet sind sie in Trikots von Bayer Leverkusen und dem englischen Zweitligisten Queens Park Rangers. Mittendrin auch zwei deutsche Jugendtrainer. Marco Walter betreut die U11 der Werkself, Peter Quast ist für die Leverkusener U13 verantwortlich. In Indien helfen die beiden Übungsleiter, die 33 Teilnehmer - darunter 13 Frauen - zu zertifizierten "Young Coaches" auszubilden. Neben dem Vermitteln von fußballspezifischem Wissen gehören auch Life und Social Skills zu den Lehrinhalten der einjährigen Ausbildung. Fußballerische Techniken werden ebenso vermittelt wie Erste Hilfe, Fragen der Wasserhygiene oder Workshops über die Rolle der Frau in der indischen Gesellschaft.

U11-Trainer Walter war schon bei Projekten in Palästina und Uganda



Insgesamt vier Mal werden die Teilnehmer, die aus verschiedenen Bereichen des Landes stammen und alle ehrenamtlich oder beruflich mit unterprivilegierten Kindern arbeiten, bis Oktober 2014 zu unterschiedlichen Modulen zusammenkommen. U11-Trainer Marco Walter studiert in Köln Deutsch und Geschichte auf Lehramt und war schon bei ähnlichen Projekten in Palästina und zuletzt in Uganda dabei (bundesliga.de berichtete). Nach 24-stündiger Anreise und nur zwei Stunden Schlaf traf der junge Mann zum ersten Mal auf die angehenden "Young Coaches". "Zunächst einmal geht es uns darum, die Gruppe kennenzulernen und festzustellen, welches Wissen bereits vorhanden ist. Danach entscheiden wir, wo wir zunächst ansetzen."

Bevor sich die Gruppe um die zwei Leverkusener sowie zwei Londoner Jugendtrainer auf dem Fußballfeld an die Arbeit mit dem Ball macht, steht zunächst einmal Theorie auf dem Plan. Wie wird eine Trainingseinheit geplant, was sind altersgerechte Übungs- und Spielformen und wie schaffe ich es, dass für die Kinder trotz großer Trainingsbeteiligung kaum Leerlauf entsteht? Alle diese Fragen werden im Klassenzimmer beantwortet, bevor es hinaus auf den Platz geht. An den ersten beiden Tagen des viertägigen Workshops leiten die europäischen Trainer die vier Stunden - aufgeteilt in zwei Einheiten - auf dem Fußballfeld und beantworten dabei alle Fragen, die die angehenden Young Coaches an sie stellen.

"Fußball-Festival" für insgesamt 100 Kinder



An den Tagen drei und vier können die jungen Inder dann das Gelernte schon in die Praxis umsetzen. Nur beratend von den professionellen Jugendtrainern unterstützt, organisieren die Young Coaches in spe ein "Fußball Festival" für insgesamt etwa 100 Kinder. Planung, Organisation und Umsetzung des Stationstrainings lagen allein bei den Teilnehmern. Die Lernwilligkeit beeindruckte Walter: "Alle waren hoch konzentriert bei der Sache und haben Tipps und Anweisungen wissbegierig aufgesaugt", zeigte sich Walter von der Einstellung der Teilnehmer begeistert. "Es ist das Ziel dieses Projektes, junge Menschen so zu stärken, dass sie raus gehen und sagen: Mit dem, was ich hier jetzt gelernt habe, kann ich in meinem Land anderen jungen Menschen etwas weiter vermitteln", erklärt Bayer Coach Peter Quast die Beweggründe des Leverkusener Engagements

Eine der zukünftigen Young Coaches ist Pujari Parvati, die aus eigener Erfahrung weiß, wie wichtig Sport gerade in der Entwicklung junger indischer Mädchen sein kann. "Meine Schwester wurde als Kind verheiratet. Ich hatte das Glück, schon als Kind durch Hilfsorganisationen an Sportaktivitäten teilzunehmen, obwohl anfangs Sport für Mädchen nicht akzeptiert war. Ich habe dadurch das Selbstbewusstsein bekommen, meine Zukunft selbst zu gestalten", betont die junge Frau. Deshalb nimmt sie nun mit großem Eifer an der Ausbildung teil. An deren Ende soll ein Ergebnis stehen, das weit über den sportlichen Aspekt hinausgeht, wie Dr. Steve Tharakan, der verantwortliche Projektmanager der Scort-Foundation, erklärt: "Dank der engen Zusammenarbeit zwischen Club-Instruktoren und Mitarbeitern lokaler Hilfsorganisationen werden die Young Coaches am Ende des Programmes nicht nur ausgebildete Kinderfußballtrainer, sondern auch Sozialarbeiter sein."

Wiedersehen im Februar 2014



Bis sich die Teilnehmer im Februar 2014 wiedersehen, haben die 33 jungen Inder nun die Möglichkeit, ihre erlernten Fähigkeiten im Alltag anzuwenden. Dazu haben sie ein Workbook an die Hand bekommen, in dem sie alle Lerninhalte noch einmal nachlesen sowie ihre Erfahrungen mit einzelnen Übungen notieren können. Der Start in der 20-Millionen Metropole Mumbai verlief äußerst vielversprechend.

Noch weiß Walter nicht genau, ob er auch bei den nächsten Modulen vor Ort sein wird. Falls es seine Zeit zulässt, wäre er gerne wieder dabei, denn die Menschen haben ihn beeindruckt: "Es ist enorm, welche Lebensfreude die Menschen hier trotz widriger Lebensumstände ausstrahlen." Die von Bayer Leverkusen und den Queens Park Rangers ausgebildeten Young Coaches werden in Zukunft daran arbeiten, die Lebensbedingungen vieler Kinder zu verbessern. Auf dem Fußballplatz - aber auch abseits des Sports.

Florian Reinecke
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