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30.10.2013 - 12:32 Uhr


Der steinige Aufstieg des Andre Hahn

Andre Hahn (M.) erzielt in Leverkusen sein zweites Bundesliga-Tor, ist beim FC Augsburg kaum noch wegzudenken

Seine steinige Karriere beginnt der gebürtige Niedersachse (l.) 2008 in der zweiten Mannschaft des Hamburger SV, nach zwei Jahren ist jedoch Schluss (© Imago)

Hahn (l.) wechselt, mit einer Zwischenstation bei TuS Koblenz, zu den Kickers Offenbach. Macht dort auf sich aufmerksam

Augsburg schnappt sich den Flügelflitzer (l., im Zweikampf mit Kevin Volland) in der Winterpause 2012/13. Seit dem 2:1-Heimerfolg am 23. Spieltag der vergangenen Spielzeit ist er saisonübergreifend unangefochtener Stammspieler

München - Sein Tor gehörte zu den spektakulärsten des 10.Spieltags. Es lief die 24.Spielminute zwischen Bayer 04 Leverkusen und dem FC Augsburg. Nach einer Maßflanke von Tobias Werner wählte Flügelflitzer Andre Hahn die direkte Variante und schloss unhaltbar per Volley zur 1:0-Führung ab (in der Wahl zum Tor des 10.Spieltags). So direkt wie sein zweites Bundesligator verlief sein Weg in die deutsche Eliteklasse nicht, ganz im Gegenteil.
Geboren im niedersächsischen Otterndorf wuchs Hahn an der rauen Nordsee auf und ist Gegenwind gewohnt, was ihm für seine spätere Profi-Karriere enorm weiterhelfen sollte. Nach mehreren Stationen in der Jugend kam er erst mit 17 Jahren zu einem Profi-Club.

Große Defizite in der Ausbildung



Der Hamburger SV verpflichtete ihn 2008 für sein Reserveteam, dort kickte er unter anderem mit Maximilian Beister, Sidney Sam, Eric Maxim Choupo-Moting, Änis Ben-Hatira und Marcel Ndjeng zusammen. Der Umstieg in ein professionelleres Fahrwasser fiel ihm dabei sehr schwer. "Ich hatte zuvor ja nur auf dem Land gespielt, da war nur hoch und weit nach vorne angesagt. Es gab keine Taktik oder Techniktraining. Das fehlt mir jetzt immer noch ein wenig. Ich habe versucht aufzuholen, aber man hat gemerkt, dass mir in der C- und B-Jugend diese Ausbildung auf diesem Niveau fehlte", gestand er gegenüber der "Augsburger Allgemeine".

Nach zwei Jahren war dann das Abenteuer Hamburg beendet, Hahn wurde aussortiert, schloss zur Sicherheit eine Ausbildung zum Autolackierer ab. Fortan kickte beim FC Oberneuland in der Regionalliga. Dort überzeugte er durch gute Leistungen, heuerte nach der Winterpause beim damaligen Drittligisten TuS Koblenz an. Die Rückrunde lief gut. Der Erfolg war jedoch erneut nicht von großer Dauer. Auf Grund finanzieller Probleme zog sich Koblenz aus der 3.Liga zurück, Hahn glaubte nicht mehr an die große Karriere: "Eigentlich wollte ich im Versicherungsbüro meines Vaters eine Ausbildung anfangen." Doch es kam alles anders.

Von der 3.Liga in die Eliteklasse



Der Niedersachse wechselte zu Kickers Offenbach, wurde rasch zum Stammspieler. Die Folgespielzeit 2012/13 brachte den endgültigen Durchbruch. Während der Winterpause klingelte Hahns Mobiltelefon, in der Leitung ein unerwarteter Gesprächspartner: Augsburgs Manager Stefan Reuter. "Als mich Herr Reuter anrief, saß ich gerade im Auto und war gefühlte fünf Minuten sprachlos", so Hahn. Wenige Wochen nach dem Gespräch fand sich der Jung-Profi in der Bundesliga wieder. Hahn akklimatisierte sich erstaunlich schnell in der höchsten deutschen Profi-Liga. Seit seiner Verpflichtung war er in 26 der 27 Bundesliga-Spiele im Einsatz, ist im rechten Mittelfeld absolut gesetzt.

In der aktuellen Spielzeit machte der 23-Jährige vor allem durch seine Top-Werte auf sich aufmerksam. Er zog beispielsweise ligaweit den schnellsten Sprint an (Höchstgeschwindigkeit 35,4 km/h) und hängte damit sogar Dortmunds Düsenjäger Pierre-Emerick Aubameyang ab. Coach Markus Weinzierl lobt seinen Zögling über den grünen Klee: "Seine Entwicklung ist sensationell. Vor neun Monaten hat er noch in der dritten Liga gespielt und jetzt ist er Stammspieler in einer der europäischen Top-Ligen". Hahn lebt seinen Traum und kann es selbst kaum fassen: "Früher habe ich mir am Samstagabend oft auf der Couch die Zusammenfassung der Bundesliga angesehen und gedacht: da würde ich gerne spielen. Jetzt sehe ich mich selber rumrennen. Das ist schon Wahnsinn. Ich spiele erste Liga." Dieser Traum ist nun zum Alltag geworden.

Yannik Schmidt
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