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Bundesliga

01.04.2014 - 17:04 Uhr


Minuten des Glücks, Minuten des Horrors

München - Champions-League-reif nach dem Anpfiff, ein klarer Absteiger vor dem Abpfiff. So lässt sich beschreiben, was der VfB Stuttgart in dieser Saison immer wieder erlebt. Auch gegen Dortmund führten die Schwaben früh und standen am Ende mit leeren Händen da. Dieses Phänomen lässt sich statistisch belegen: Stuttgart liegt in der "Tabelle der ersten 15 Spielminuten" der aktuellen Saison auf Rang 2 hinter den Bayern.

Ganze 41 Punkte hätte der VfB auf dem Konto, würde jedes Spiel nach 15 Minuten abgepfiffen. Die obige Tabelle zeigt, welche Teams im Vergleich zu ihren sonstigen Leistungen besonders gut oder schlecht aus den Startlöchern kommen (hohe Punktanzahlen sind grün hinterlegt, niedrige rot). Neben dem VfB gehört Hoffenheim dazu, genauso wie Dortmund und Mainz. Kein Wunder ist es indes, dass die Bayern auch hier ganz vorne liegen, wenn auch der Abstand zu Rang 2 deutlich geringer ausfällt. Der FCB gewinnt zwar fast jedes Spiel, aber die Münchner zeichnet eher eine nie zuvor dagewesene Konstanz aus, als dass sie in einer der Spielphasen besonders dominant auftreten.

Schlechte Starter sind dagegen beispielsweise Schalke (Rang 11 im Vergleich zu Platz 3 in der Realität) und Werder Bremen (Rang 18 im Vergleich zu Platz 12). Zum Glück für Werder und zum Bedauern von Abstiegskonkurrent Stuttgart sieht das Klassement noch einmal ganz anders aus, wenn man nur auf die Schlussviertelstunde blickt:

In der "Tabelle der Schlussviertelstunde" steht der VfB ganz unten, niemand graut mehr vor der Phase nach der 75. Minute als Stuttgart, das in dieser Phase fast ausschließlich Punkte abgab. Schalke dagegen drehte zum Schluss meist ebenso auf wie - kaum überraschend - die Bayern. Stuttgart kann ein Lied davon singen. Auch das dritte Topteam aus Dortmund scheint zu wissen, dass zum Schluss die Punkte vergeben werden und so grüßen FCB, BVB und S04 auch in diesem fiktiven Klassement von oben.

Im Vergleich zu ihrer sonstigen Ausbeute halten sich die Kellerkinder Hannover, Braunschweig, Hamburg und auch Bremen in den finalen Sequenzen der Spiele gut. Gladbach (Rang 14) hingegen musste zum Schluss bereits einige Punkte abgeben - die Borussen sind in der Hinsicht ein Leidensgenosse der Stuttgarter.

Das zeigt sich auch in der Übersicht der Tabellenplätze der 15-minütigen Spielabschnitte. Hier sieht man, auf welchem Rang die Clubs stehen würden, würde nur eine dieser Phasen gewertet: Der VfB (Rang 16) gibt hierbei das Extrembeispiel, bei keinem anderen Club schwanken die Platzierungen so drastisch: Stuttgart ist Vizemeister der Anfangsviertelstunde und Letzter der Schlussviertelstunde.

Während Stuttgart schwankt, glänzt Bayern wenig überraschend auch in diesem Tableau mit Konstanz. Egal, welches Spielintervall nun zählen würde - die Münchner stünden ganz oben. Eine interessante Leistungskurve lässt sich bei Hoffenheim beobachten: 1899 spielt am Anfang und am Ende europareif (wie auf den beiden oberen Tabellen ersichtlich), lässt dazwischen aber die Punkte liegen. Auch gegen Bayern kassierten die Kraichgaer alle drei Gegentreffer in der Spielmitte. Wie schlimm für Wolfsburg der Spielabschnitt zur Mitte der ersten Hälfte ist, wird hier überdeutlich: In allen anderen Phasen agiert der VfL wie ein Spitzenteam, zwischen Minute 16 und 30 wie ein direkter Absteiger. Nur Braunschweig ist inj dieser Phase noch erfolgloser.

A propos BTSV: Eintracht-Coach Torsten Lieberknecht darf sich in seinen Pausenansprachen bestätigt fühlen. Würden nur die 15 Minuten nach der Halbzeit zählen, würde sein Team einen direkten Champions-League-Platz erreichen. Bremens Trainer Robin Dutt hat da noch Nachholbedarf, seine Truppe ist sowohl nach Anpfiff als auch nach Wiederanpfiff das erfolgloseste der Liga. Stuttgart dagegen hielte, egal welche Phase zählt, immer souverän die Klasse - einzig am Ende versagt der VfB. Bloß warum nur?

An den erzielten Toren liegt es jedenfalls nicht, wie in der Übersicht der Tor-Verteilung nach Phasen zu sehen ist. Sechs Treffer in der Schlussviertelstunde ist zwar kein Top-Wert des VfB, doch liegt er im Rahmen, wenn ihn mit denen der Konkurrenz vergleicht.

Obenstehende Tabelle ist nach der Gesamtanzahl an Toren (siehe Spalte links) geordnet, die rechts auf die sechs Phasen aufgesplittet sind. Generell treffen die Teams lieber am Ende als zu Beginn, wie man an den Grünschattierungen ablesen kann. Natürlich zählt zur Schlussviertelstunde noch die Nachspielzeit, weswegen hier bei fast jedem Club der teameigene Höchstwert erreicht wird. Tabellenführer FC Bayern hat sich mit 19 (!) Treffern in dieser Phase einmal mehr einen ligaweiten Spitzenwert gesichert.

Nur ein Team hat in einem Spielabschnitt noch gar nie getroffen: Braunschweigs erster Treffer datiert aus der 18. Minute (am 25. März gegen Mainz durch Domi Kumbela), die Eintracht ist zu Beginn also noch torlos. Den Top-Wert der Liga mit elf Toren zum Spielstart teilen sich Bayern, Hoffenheim - und natürlich Stuttgart. Denn am Anfang läuft es bekanntlich beim VfB ...

So ist auch der Wert von sechs Gegentoren in den ersten 15 Minuten ein durchaus ordentlicher Wert. Tiefrot hingegen leuchtet die Stuttgarter Schlussphase in der "Übersicht der Gegentor-Verteilung nach 15-Minuten-Phasen": 17 kassierte Treffer (!) sind mit Abstand der höchste Gegentorwert. Den Stuttgartern flattern am Ende mächtig die Nerven.

Auch diese Tabelle ist nach der Gesamtanzahl der Tore der Vereine sortiert, in diesem Fall Gegentore, weswegen Hoffenheim ganz oben thront. Eine bestimmte "schlimme Phase" gibt es bei 1899 aber nicht - die Kraichgauer liefern so konstant Spektakel wie die Bayern Dominanz. Am turbulentesten geht es in den Schlussphasen mit Mainzer Beteiligung zu: in den letzten 15 Minuten fielen insgesamt in FSV-Spielen 24 Tore (für und gegen die Nullfünfer). In VfB-Spielen waren es 23, allerdings eben 17 für den Gegner. Soll es also noch etwas werden mit dem Klassenerhalt, muss das Credo lauten: Konzentration bis zum Schluss! Oder eben doch nach 15 Minuten abpfeifen.

Christoph Gschoßmann

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