offizielle Webseite

Liveticker

Bundesliga

29.11.2013 - 11:05 Uhr


David gegen Goliath - Teil 1

München - Der FC Bayern ist derzeit unbestritten eine der besten Mannschaften der Welt, wenn nicht sogar die beste. Die Münchner sind amtierender Triple-Sieger, haben - gefühlt seit der Steinzeit - kein Spiel mehr in der Bundesliga verloren und nehmen selbst mit Weltstars gespickte Teams wie Manchester City in der Champions League regelrecht auseinander. Am Samstag hat der Rekordmeister Tabellenschlusslicht und Aufsteiger Eintracht Braunschweig zu Gast. Auf dem Papier gibt es keine klarere Angelegenheit. Alles andere als ein Sieg der Guardiola-Elf wäre eine faustdicke Überraschung. Doch die Geschichte der Liga zeigt, dass so manche Außenseiter die großen Favoriten mächtig geärgert haben...
teaser-image

1. FC Köln - 1. FC Saarbrücken 1:3 (11. Januar 1964)

In der Premieren-Saison gab es zwei Ausnahme-Mannschaften. Die Kölner, die mit vier Punkten Vorsprung Herbstmeister wurden und in der Vorrunde nur ein Spiel verloren. Und die völlig überforderten Saarbrücker, die zum Rückrundenstart nur vier Punkte auf dem Konto hatten. Für Toto-Tipper gab es keine sichere Bank als dieses Spiel. Und doch kam alles anders: Das Schlusslicht feierte beim kommenden Meister einen großen Triumph. Zur Kölner Überheblichkeit trug die frühe Führung durch Christian Müller (14.) bei. Niemand rechnete mit Saarbrückens Aufbäumen, aber Rainer Schönwalders Doppelschlag (27., 32.) belehrte die 10.000 frierenden Zuschauer eines Besseren. Als der genervte Jung-Star Wolfgang Overath meckerte, gab Schiedsrichter Handwerker einen indirekten Freistoß, den Karl Meng ins Kölner Tor drosch (38.). Der Pausenstand von 1:3 war auch der Endstand, denn der gefrorene Boden war Gift für die spielerisch besseren Kölner. "Natürlich war auch etwas Überheblichkeit dabei, wie kann so ein Spiel noch aus der Hand geben?", fragte Trainer Georg Knöpfle in die Presse-Runde. Für den FC war es ein Dämpfer zur rechten Zeit, er wurde ohne eine weitere Niederlage Meister - und Saarbrücken war trotzdem nicht mehr zu retten. Aber ihr Rekord bleibt: Bis heute hat kein Letzter mehr beim Ersten gewonnen.

teaser-image

Borussia Mönchengladbach - Arminia Bielefeld 0:2 (13. Februar 1971)

Aufsteiger Arminia kaufte in der Rückrunde 1970/71 bekanntlich einige Siege, andere taten es auch in der Skandal-Saison. Dieses Spiel freilich gehört nicht dazu, Meister Borussia wäre auch kaum zu bestechen gewesen. Schließlich wollte das Star-Ensemble um Günter Netzer und Jupp Heynckes den Titel verteidigen. Von den punktgleichen Bayern gejagt, durften sie sich gegen den Tabellensechzehnten keinen Ausrutscher leisten. Aber bis zur Pause fielen keine Tore, die Überlegenheit der Borussia spiegelte sich nicht auf der Anzeigetafel wider. Dann wurde es noch schlimmer: Nach Wiederanpfiff glückte Arminias Dieter Brei das überraschende 0:1 (46.). Zwölf Minuten später bot sich Klaus-Peter Sieloff die Ausgleichschance, doch sein Elfmeter landete am Pfosten und der Abpraller leitete den Konter ein. Noch mal schlug das Pech zu. Die Gefahr war nach einer unpräzisen Flanke eigentlich vorüber, da köpfte Heinz Wittmann den Ball am verblüfften Wolfgang Kleff vorbei ins eigene Tor (58.). Das 0:2 rettete Arminia über die Zeit. Es war der erste Auswärtssieg ihrer Bundesliga-Historie, Meister-Trainer Hennes Weisweiler analysierte: "Unsere Niederlage führe ich darauf zurück, dass wir den Gegner trotz aller Warnungen unterschätzt haben."

teaser-image

Kickers Offenbach - FC Bayern 6:0 (24. August 1974)

Im Sommer 1974 fühlten sich die Stars des FC Bayern wohl genauso wie die von heute. Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Katsche Schwarzenbeck, Uli Hoeneß, Gerd Müller und Jupp Kapellmann hatten das etwas andere Triple gewonnen: Meister, Europacup-Sieger und Weltmeister. Meister waren sie schon zum dritten Mal in Folge geworden und manch einer fürchtete, diese Bayern seien satt. Dieser Eindruck verstärkte sich nach dem ersten Spieltag der Saison 1974/75, an dem die Bayern ihre bis dahin höchste Bundesliga-Niederlage überhaupt einstecken mussten. In Frankfurt zwar, aber gegen Kickers Offenbach. Der OFC bekam einen neuen Rasen am Bieberer Berg, man musste ausweichen in "Feindesland". Und doch stand das Gros der 35.000 Zuschauer im längst nicht ausverkauften Wald-Stadion hinter ihnen. Und die Neutralen zogen die Kickers, die in ihre fünfte Bundesliga-Saison gingen, mit einer furiosen Leistung auf ihre Seite. Die völlig überspielten Bayern, die in der Sommerpause ihre Welt-Stars in internationalen Testspielen präsentieren und damit Einnahmen generierten, waren nur ein Spielball für den vom jungen Otto Rehhagel gecoachten OFC. Zur Pause führte er 2:0, Winfried Schäfer und Dieter Schwemmle überwanden den wackeren Sepp Maier. Nach der Pause brillierten und trafen die OFC-Stürmer Erwin Kostedde (49., 70.) und Siggi Held (57.), der mit Kapellmann machte, was er wollte. Joker Egon Bihn nutzte seine Neun-Minuten für das 6:0 (89.), das auch Rekord für einen Saisonstart ist. Bis heute. Bayern-Trainer Udo Lattek kommentierte das Desaster mit gespielter Gelassenheit: "Wir nehmen uns in diesem Jahr unsere Krise früher!" Dabei war es nur der bezeichnende Anfang einer verkorksten Saison, die Lattek schon in der Winterpause das Amt kostete.

teaser-image

Bayer Uerdingen - FC Bayern 2:1 (27. August 1975)

David gegen Goliath - wohl selten passte dieser Vergleich besser als vor dieser Partie. Hier die Bayern, amtierender Europapokalsieger der Landesmeister mit sechs Weltmeistern, dort ein absoluter Bundesliga-Neuling. Auch die Tabelle ließ keine Zweifel an der Rollenverteilung. Die noch sieglosen Krefelder lagen auf Platz 17, Bayern hatte nach dem dritten Spieltag wieder die Spitze erobert. Das allererste Auftreten des Star-Ensembles in der Grotenburg lockte an diesem Mittwoch-Abend 23.000 Zuschauer an - ausverkauft. Bayer hielt von Beginn an wacker mit, aber als Gerd Müller sein obligatorisches Tor erzielte (57.), schienen die Dinge ihren erwarteten Lauf zu nehmen. Doch Irrtum: Der spätere Bundesliga-Trainer Lorenz-Günter Köstner fasste sich gleich zwei Mal ein Herz und überwand Sepp Maier binnen sieben Minuten (68., 75.) mit Distanzschüssen, Gegenspieler Rainer Zobel musste sich Kritik gefallen lassen. "Dass er gegen Köstner so unterging, war nicht vorauszusehen", sagte Bayern-Trainer Dettmar Cramer. Die Uerdinger feierten ihren Sieg mit Limonade, am Saisonende stiegen sie wieder ab. Zehn Jahre später übrigens wiederholten sie das Kunststück mit Hilfe von Bayerns Helmut Winklhofer, dessen Eigentor aus rund 30 Metern zum Tor des Monats gewählt wurde. Mehr Siege waren David Bayer gegen Goliath Bayern in der Bundesliga nicht vergönnt.

teaser-image

Hamburger SV - Eintracht Frankfurt 0:2 (19. Mai 1984)

Das sensationellste Resultat der Saison 1983/84 entschied die Meisterschaft und war auch für den Abstiegskampf bedeutsam. Der HSV träumte am 33. Spieltag noch vom Titel-Hattrick, punktgleich lag die Happel-Elf hinter dem VfB Stuttgart auf Platz 2. Beide Titelaspiranten trafen am letzten Spieltag aufeinander. Die Hamburger hofften auf einen Stuttgarter Ausrutscher in Bremen, um mit einem eigenen Sieg als Erster ins "Finale" zu gehen. Die Gedanken des noch amtierenden Europapokal-Siegers waren überall, nur nicht bei der Eintracht. Die spielte eine der schlechtesten Saisons ihrer Historie und lag auch nach dem beachtlichen 2:2 in Stuttgart auf Relegations-Platz 16. Der erste Abstieg aus der Bundesliga war eine konkrete Gefahr für die Hessen. Doch an diesem Mai-Samstag wendeten sie das Blatt. Trainer Dietrich Weise baute ausgerechnet in dieser Situation auf die Jugend und vertraute den Riesen-Talenten Thomas Berthold (19) und Ralf Falkenmayer (21), auch Verteidiger Armin Kraaz war erst 19, Mittelstürmer Harald Krämer 20, Rechtsaußen Uwe Müller 21. Die jungen Wilden entfachten eine neue Aufbruchstimmung am Main, die Mannschaft gewann Sympathien zurück. "Wir wollen auch dem HSV beweisen dass sich auch ein Fast-Absteiger mit den Großen messen kann", sagte Weise. Und er und die Eintracht hielten Wort. Ralf Falkenmayer schockte den HSV früh mit einem abgefälschten Schuss aus 22 Metern (9.), während der HSV nur Pfosten (Magath) oder Außennetz (Rolff) traf. Als Joker Jan Svensson in letzter Minute von Ditmar Jakobs im Strafraum gelegt wurde, verwandelte der überragende Falkenmayer auch den fälligen Elfmeter. Mindestens genauso ausgelassen wie die Frankfurter feierten die Stuttgarter den Eintracht-Sieg, denn er machte den VfB (2:1 in Bremen) zum Meister. "Wir haben die Frankfurter nicht unterschätzt", versicherte Ditmar Jakobs, Trainer Ernst Happel aber gab zu: "Selbst ein Unentschieden wäre glücklich gewesen." Frankfurt rettete sich zwei Wochen später mit einem 5:0 in der Relegation in Duisburg. Diesem David wollte im Mai 1984 besser keiner begegnen.

Zusammengestellt von Udo Muras


Hier geht's zu Teil 2 der Überraschungen...

Verwandte Artikel

Fan-Newsletter

Bundesliga
Service

© 2014 DFL Deutsche Fußball Liga GmbH