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13.03.2014 - 16:12 Uhr


Bayers Baustellen

Hängende Köpfe: Die Bayer-Profis verspielten in den letzten Wochen Platz 2 und zittern nun um die Champions-League-Teilnahme

Erklärungsbedarf: Stefan Kießling (l.) steht in der schweren Zeit ohne Tor den Fans Rede und Antwort

Leverkusens Coach Sami Hyypiä hat im Moment kaum Grund für einen fröhlicheren Gesichtsausdruck

Keeper Bernd Leno ist einer der wenigen Bayer-Akteure, der seine Topform ins Jahr 2014 gerettet hat

München - Der Auftritt in Paris war ein Schritt nach vorne. Bayer Leverkusen verabschiedete sich zwar mit einer knappen 1:2-Niederlage aus der Champions League, zeigte sich aber deutlich verbessert im Vergleich zur 0:4-Hinspielniederlage gegen Paris Saint-Germain. Dennoch: Die Königsklasse ist Geschichte, nun gilt es in der Liga die Kurve zu kriegen, um auch die erneute Teilnahme in der kommenden Saison zu sichern.

"Wir spüren natürlich den Druck von hinten. Wir müssen dringend anfangen, wieder zu punkten. Dafür müssen wir hart arbeiten", sagte Bayer-Keeper Bernd Leno nach dem 1:1 in Hannover. 

Und diese Arbeit erschwerte sich in den vergangenen Wochen durch eigene Schwächen und Unzulänglichkeiten zunehmend. Dadurch droht die Werkself jetzt, in den wichtigen Wochen der Saison, die gute Ausgangsposition aus der Hinrunde zu verspielen und aus den direkten Champions-League-Plätzen herauszufallen.

Die Gründe für die Bayer-Ergebnis-Krise sind einerseits offensichtlich, andererseits hausgemacht. bundesliga.de erklärt, warum es bei Stefan Kießling und Co. nicht mehr so rosig läuft, wie noch über weite Strecken der Hinserie.

Schwächen im Spielaufbau

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Muss Leverkusen selbst das Spiel machen, hat es Probleme. Dieser Umstand hat Bayer 04 in dieser Saison schon einige Punkte gekostet. Besonders gegen Teams aus der unteren Tabellenregion tut sich die Truppe von Coach Sami Hyypiä schwer. Mittlerweile haben sich die Gegner auf das schnelle Umschalten der Rheinländer eingestellt und überlassen im Wissen um die spielerische Schwäche nun von vornherein Bayer den Spielaufbau. Somit sind die Konter-Experten Sidney Sam, Heung-Min Son oder Gonzalo Castro ihrer größten Stärke beraubt: dem Verschärfen des Tempos nach Ballgewinnen.

In der Hinrunde hatte Leverkusen durchschnittlich 49 Prozent Ballbesitz, mittlerweile sind es 55 Prozent - Topwert hinter Bayern. Aber: Noch wirkt die junge Bayer-Elf nicht gut genug, um diesen Ballbesitz in Kreativität und Torgefahr umzumünzen. Bei der Champions-League-Pleite gegen Paris im Achtelfinalhinspiel waren zudem gewisse technische Defizite auszumachen. Im engmaschigen Mittelfeld der Franzosen gingen so reihenweise Bälle verloren und die Niederlage nahm ihren Lauf.

Kießling als Torjäger außer Dienst

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Angreifer Stefan Kießling erlebt gerade das, was ein Torjäger immer durchmacht, wenn es in seiner Mannschaft nicht (mehr) läuft: Seine Tore bleiben aus. Anfang Februar traf er beim 2:1 gegen den VfB Stuttgart zum zehnten und bislang letzten Mal in der laufenden Saison. "Bei ihm fehlt das Glücksgefühl", erklärte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler. Und der muss es als ehemaliger Weltklasse-Torjäger am besten wissen.

Die aktuelle Phase zeigt jedoch einmal mehr, wie sehr Leverkusen von Form und Toren des 1,91-Meter-Angreifer Kießling abhängig ist. Einen gleichwertigen Ersatz gibt es nicht. Eren Derdiyok zeigte in Paris eine engagierte Leistung, steht allerdings weiterhin nur bei einem Saisontor in der Bundesliga. Somit bleibt die Verantwortung wohl weiterhin alleine an Kießling, der in Paris 90 Minuten auf der Bank saß, hängen. Als Endverwerter im Bayer-Spiel ist er aber nicht zuletzt auf seine Nebenleute angewiesen. Und auch die schwächeln.

Konterstärke ist wie weggefegt

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Namentlich sind es in erster Linie Sidney Sam und Heung-Min Son. In der Hinrunde lief das Duo den gegnerischen Abwehrreihen - besonders in Kontersituationen - regelrecht davon. Gleich 13 Mal resultierte aus schnellen Gegenangriffen ein Bayer-Treffer. Ein Spitzenwert! Nur Dortmund ist in dieser Kategorie noch besser. Doch wie gesagt: Die Gegner haben sich längst darauf eingestellt.

Auch Sidney Sam läuft seiner Form der Hinrunde hinterher, machte mit seinem Kopfballtor in Paris aber immerhin einen Schritt in die richtige Richtung. Nachdem ihn Coach Hyypiä gegen seinen zukünftigen Arbeitgeber Schalke aus dem Kader nahm (Hyypiä: "In England gibt es die Regel, dass ein ausgeliehener Spieler nicht gegen seinen eigenen Verein spielen darf. Diese Regel finde ich selber sehr wichtig"), lief zuletzt auch beim Deutsch-Nigerianer wenig zusammen. Dass ausgerechnet Sams neuer Club Schalke seit der Winterpause einen Neun-Punkte-Rückstand auf Leverkusen aufholte, verleiht dem Saison-Endspurt zusätzlich eine pikante Note.

Die rechte Außenbahn schwächelt

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Vorne läuft es nicht und von hinten kommt zu wenig Druck. So kann man die aktuelle Lage bei Bayer zusammenfassen. Besonders die rechte Abwehrseite um Roberto Hilbert und den Italiener Giulio Donati offenbart die eine oder andere Schwäche. Sebastian Boenisch hat als Linksverteidiger immerhin schon vier Tore vorbereitet, die beiden Rechtsverteidiger hingegen noch kein einziges.

In dieser Statistik macht sich die aktuelle Lücke zu Liga-Spitzenreiter Bayern München bemerkbar. Die Herren Rafinha und Philipp Lahm (als Rechtsverteidiger) haben bereits elf Treffer vorbereitet. Man darf aber davon ausgehen, dass diese Probleme bei der Werkself erkannt wurden. Mit Andres Guardado kam bereits im Winter ein neuer Linksverteidiger aus Valencia an den Rhein, für den Sommer ist der Transfer des brasilianischen Außenverteidiger-Talents Wendell bereits in trockenen Tüchern. Ob und in welchem internationalen Wettbewerb der 20-Jährige dann mit Bayer spielt, wird davon abhängen, wie schnell Leverkusen die Fehler abstellen und die Mängel beheben kann.

Christoph Gailer

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