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10.09.2013 - 12:28 Uhr


Comeback eines Gütesiegels

Hoffenheims Zukunft: Niklas Süle, Stefan Thesker, Kevin Akpoguma, Jeremy Toljan (v.l.n.r./ © imago)

Bernhard Peters ist seit 2006 Direktor für Sport und Nachwuchsförderung bei 1899 Hoffenheim (© imago)

1899-Talent Niklas Süle (l.) gab am Ende der vergangenen Saison sein Debüt in der Profimannschaft

Hoffenheims Trainer Markus Gisdol will vermehrt auf die eigene Jugend setzen

München - Die Bezeichnung "Made in Germany" steht in den Augen vieler Käufer immer noch als Gütesiegel. Schon in Zeiten des Wirtschaftswunders galt es als ein Qualitätsmerkmal und mutierte fortan zum Exportschlager. Doch während viele deutsche Produkte im Ausland bis zur heutigen Zeit reißenden Absatz finden, flaute das Interesse an deutschen Fußballern zum Ende des vergangenen Jahrhunderts vorübergehend ab.
Nach der gewonnenen WM 1990 berauschte sich Fußball-Deutschland an sich selbst, blickte nicht mehr nach links und rechts und verschlief taktische Entwicklungen. Erst mit der Einführung der Leistungszentren 2003 schaffte man den Umschwung - und zehn Jahre später ist der deutsche Fußball wieder in aller Munde.

"Jetzt kann man die Ernte einfahren"



Einer, der die Entwicklung in die richtigen Bahnen begleitet hat, ist Bernhard Peters. Für den früheren Hockey-Bundestrainer, der seit 2006 bei der TSG 1899 Hoffenheim Direktor für Sport und Nachwuchsförderung ist, kommt der Aufschwung keineswegs überraschend. "Ich glaube, so eine Entwicklung ist logisch, weil man die Zentren strukturiert und gut aufgestellt hat. Sowohl seitens der DFL, als auch in Verbindung mit den Vereinen und dem DFB", sagt Peters gegenüber bundesliga.de. "Jetzt kann man damit beginnen, die Ernte einzufahren".

Die Ernte - damit meint Peters beispielsweise das deutsche Champions-League-Finale, die Erfolge der Nationalmannschaft und die blühende Bundesliga mit Spielern, die in der vergangenen Dekade immer jünger und besser wurden. Die Einführung der "Local-Player-Regelung" forcierte den Trend, dabei zunehmend auf deutsche Talente zu setzen. Seit der Saison 2008/09 wurden sämtliche Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga dazu verpflichtet, mindestens vier vereinsintern und vier vom Verband ausgebildete Spieler im Kader nachzuweisen.

Bosman-Urteil beschleunigt den Abschwung



"Das ist ein sehr gutes Werkzeug, um die Übergänge zwischen Nachwuchsarbeit und Profibereich gut hinzubekommen", sagt Peters. "Das sind intelligente Ansätze, worum uns andere Länder beneiden." Vor allem unter dem Gesichtspunkt der Identifikation seien intern ausgebildete Profis wichtig, wie Peters aus eigener Erfahrung weiß. "Gerade für ein junges Unternehmen ist das ein Identität stiftendes Wertemerkmal, was nicht zu unterschätzen ist. Die Fans lieben die Spieler, die sich auch mittelfristig an ihren Verein binden und sich in der Folge auch stärker mit ihm identifizieren."

Kontraproduktiv erwies sich 1995 das so genannte Bosman -Urteil, durch das die Vereine keine Ablösesummen bei auslaufenden Verträgen mehr kassierten. In Folge dessen setzen die Clubs vermehrt auf ausländische Profis: Während in der Saison 1995/96 der Anteil an deutschen Profis noch bei über 80 Prozent lag, reduzierte er sich in der Bundesliga acht Jahre später auf nur noch 50 Prozent. Mit der Einführung der Nachwuchs-Leistungszentren stieg der Anteil wieder sukzessive an und liegt in der aktuellen Spielzeit bei 64 Prozent in der Bundesliga und 72 Prozent in der 2. Bundesliga (siehe nachfolgende Grafik).
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