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16.01.2014 - 08:35 Uhr


Körbel: "Der Druck, punkten zu müssen, ist gefährlich"

Charly Körbel hofft, dass Eintracht Frankfurt sich mit Siegen in der Bundesliga Luft im Abstiegskampf verschafft und in den beiden Pokal-Wettbewerben für Überraschungen sorgt

Mit 602 Bundesligapartien - alle für die Hessen - ist die Eintracht-Legende auch der Rekordspieler der Bunderliga

Der heute 59-Jährige wurde im August 2013 bei der Jubiläumsfeier "50 Jahre Bundesliga" mit dem Ehrenpreis der Bundesliga ausgezeichnet

Frankfurt - Rund um Commerzbank-Arena ist es dieser Tage ruhig, noch. "Freitagnacht kommt die Mannschaft aus dem Trainingslager zurück - und dann geht die richtige Vorbereitung los", sagt Charly Körbel.

Die Eintracht-Legende, aktuell als Berater des Vorstands von Eintracht Frankfurt und Leiter der Fußballschule des Vereins tätig, freut sich auf den Rückrundenstart am 25. Januar mit dem Spiel gegen Hertha BSC. Da wird "seine" Mannschaft Revanche für das 1:6 in Berlin nehmen und den ersehnten ersten Heimsieg der Saison einfahren (Vorschau-Fakten und das Video vom Hinspiel). Der 59-Jährige beschreibt im Interview mit bundesliga.de aber auch den Druck, der auf den in der Hinrunde enttäuschenden Hessen lastet.

bundesliga.de: Herr Körbel, wie erklären Sie sich den 15. Platz, auf dem die Eintracht jetzt überwintert, im Vergleich zu Rang 6 vor einem Jahr?

Charly Körbel: Wir haben bisher eine tolle Europa-League-Saison gespielt, aber dadurch auch unglaubliches Lehrgeld bezahlt. Die Belastungen durch die Reisen und den veränderten Rhythmus haben uns das Selbstvertrauen und die Leichtigkeit für die Bundesliga genommen. Die Gegner haben sich außerdem besser auf uns eingestellt. Und in der Vorsaison hatten wir kaum Verletzte, haben fast immer mit derselben Mannschaft gespielt. Dafür fielen jetzt absolute Leistungsträger wie Alex Meier und Stefan Aigner lange aus, deren Tore haben uns extrem gefehlt. Pirmin Schwegler war viel verletzt. Kevin Trapp, der uns im letzten Jahr etliche Punkte alleine geholt hat, hält in dieser Saison "nur" normal. Alle diese Punkte ergeben ein Gesamtpaket, das uns belastet hat. Mit ein bisschen mehr Glück hätten wir sechs oder sieben Punkte mehr, ohne besser gespielt zu haben. Dann hätten wir eine ganz andere Basis für die Rückrunde.

bundesliga.de: Die Eintracht tanzt weiterhin auf drei Hochzeiten, eine Besserung ist also nicht in Sicht...

Körbel: Ich persönlich habe lieber gespielt als trainiert! So muss es den Spielern heute auch gehen, sie müssen eine absolut professionelle Einstellung zeigen. Es gibt doch nichts Besseres, als sich gegen Borussia Dortmund zeigen und ins Pokal-Halbfinale einziehen zu können. Und am Samstag danach muss ich beim BVB auch gewinnen wollen. Gegen Porto können wir eine Überraschung schaffen, wenn wir unser Potenzial abrufen. Erst auswärts, dann daheim - das ist eine gute Ausgangslage. Wir wollen doch nichts abschenken! Aber: Für solche Höchstleistungen muss man sich im Vorfeld über Siege Selbstvertrauen holen.

bundesliga.de: Was stimmt Sie zuversichtlich, damit es in der Rückrunde aufwärts geht?

Körbel: In der Winterpause müssen alle Verletzten wieder den Anschluss finden. Die Mannschaft muss sofort funktionieren, egal wie! Wenn ich unseren Kalender im Februar und März sehe... Ich bin gespannt, wie die Mannschaft das wegsteckt. Das geht nur mit dem kompletten Kader. Alle Spieler müssen sofort in Form sein. Ein Takashi Inui war zuletzt nur noch ein Schatten seiner selbst. Aber er will zur WM - das beflügelt ihn vielleicht. Und wir brauchen Aigner, Meier und Schwegler in Hochform. Die Fitness ist die absolute Grundvoraussetzung.

bundesliga.de: Der Verein und seine Fans haben in der Saison 2011/12 eine katastrophale Rückrunde mit nur acht Punkten erlebt, die im Abstieg endete...

Körbel: So etwas passiert nur einmal! (schmunzelt) Hoffe ich... Es wird bis zum Schluss eng werden. Fünf oder sechs Siege in Serie sind für uns ein Wunschdenken. Dieser Druck, dass sofort Punkte her müssen, ist gefährlich. Wahrscheinlich gewinnt auf einmal Braunschweig, Freiburg wird sich sammeln, Nürnberg wird alles versuchen. In der Rückrunde läuft einem die Zeit weg. Und wenn wir wieder viele Verletzte, wird es für uns in der Bundesliga schwer.

bundesliga.de: Trainer Armin Veh hat aber offenbar Vertrauen in seinen Kader. Den bisherigen Neuzugängen Alexander Madlung und Tobias Weis fehlt auf jeden Fall die Spielpraxis, beide sind nicht unbedingt Kandidaten für die Startelf. Können sie dem Team trotzdem helfen?

Körbel: Armin hat gesagt, dass ihm ein Spieler aus dem Ausland nichts nützt. Die brauchen immer eine Eingewöhnungszeit. Er kennt den Madlung, als Typ und mit seinen Stärken und Schwächen. Der hat eine gewisse Erfahrung und haut mal dazwischen, genau wie Weis. Sie können beide die Defensive stabilisieren. Und wenn sie nur drei, vier oder fünf Spiele machen...

bundesliga.de: Befürchten Sie, dass die Mannschaft den Ernst der Lage vielleicht nicht gleich erkennt?

Körbel: Ab dem 25. Januar herrscht Abstiegskampf pur! Das hat Armin Veh deutlich angesprochen. Alles fixiert sich auf das Berlin-Spiel. Wir haben vorher nicht Europa League gespielt, kommen aus der Winterpause - da gibt es keine Ausreden. Gegen Hertha müssen wir gewinnen!

bundesliga.de: Wie lautet also Ihr Tipp für die Partie?

Körbel: Das wird ein 2:0!

Das Gespräch führte Tim Tonner

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