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Bundesliga

20.04.2014 - 15:04 Uhr


Skurrile Niederlage mit Zukunftspotenzial

Knackpunkt: Filip Daems (r.) scheitert mit einem Elfmeter an SC-Keeper Oliver Baumann

Bis zu dieser Szene war die Borussia klar tonanegebend und ging früh durch Patrick Herrmann (l.) in Führung

Admir Mehmedi (r.) versetzte Gladbach mit einem Doppelpack den K.o.

Freiburg - Tony Jantschke ging es nach dem Spiel nicht anders als seinen Teamkollegen: Er war restlos bedient: "Die zweite Halbzeit war vermutlich die kurioseste in meiner Bundesliga-Karriere", sagte der Gladbacher Verteidiger. "Das 1:1 ist aus dem Nichts gefallen, dann hat der Gegner plötzlich 2:1 geführt und wir waren einer weniger. Dann fragst du dich: Was ist hier eigentlich los?"

Tatsächlich kommt es nicht alle Tage vor, dass eine Mannschaft, die so überlegen ist wie es die Gladbacher im ersten Durchgang waren, ein Spiel dann letztlich so deutlich verliert, wie es der Borussia bei der 2:4-Niederlage in Freiburg passierte. "Es war am Anfang das beste Spiel, das wir hier je gemacht haben. Sonst waren wir hier immer chancenlos", haderte Jantschke. Wenige Minuten später ächzte Max Eberl: "Wer dieses Spiel gesehen hat, wird zustimmen, dass es hier nur einen Sieger geben darf", sagte Borussias Sportdirektor. "Wir müssen uns aber an die eigene Nase fassen, dass wir das Spiel nicht gewonnen haben. Wir hatten schließlich Torchancen ohne Ende."

Zumindest in den ersten 45 Minuten - dafür aber in einer Fülle, für die andere Mannschaften mehrere Spiele am Stück brauchen. Dass es zur Halbzeit nur 1:0 für die Rheinländer stand, war deshalb höchst kurios. Der SC hätte sich schließlich nicht beschweren können, wenn er mit 0:4 in Rückstand gelegen hätte (Analyse zum Spiel). Doch die Borussia schaffte es trotz allerbester Möglichkeiten nicht, mehr als den einen Treffer zu erzielen, den Patrick Herrmann bereits in der zehnten Minute beigesteuert hatte.

Platzverweis als Knackpunkt

Doch den entscheidenden Faktor sahen Spieler und Funktionäre nicht in der mangelhaften Chancenverwertung im ersten Durchgang - sondern in zwei Ereignissen aus dem zweiten: Dem von Filip Daems vergebenen Foul-Elfmeter (65.) und der Gelb-Roten Karte für Granit Xhaka (69.), die Max Eberl ärgerte: "Wenn man bereits verwarnt ist, sollte man da nicht so in den Zweikampf gehen." Gegen nur noch zehn Mann rollte die Freiburger Offensive nun allerdings umso druckvoller an - mit bekanntem Ergebnis. "Es darf uns natürlich nicht passieren, dass wir vier Tore in einer Halbzeit kassieren", ärgerte sich Daems. "Und mein Elfmeter muss natürlich rein."

Dass trotz alldem sowohl Coach Lucien Favre ("Wir haben anfangs sehr gut gespielt, ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen") als auch gegnerische Spieler wie Matthias Ginter ("die beste Halbzeit einer Mannschaft, die hier in den letzten Monaten gespielt hat") die Borussia in den höchsten Tönen lobten, war dann allerdings auch berechtigt. Ein Trost war es nicht. Zu tief saß die Enttäuschung über drei verschenkte Punkte, die der Borussia im Rennen um die internationalen Ränge noch fehlen könnten.

Spannendes Saisonfinish

Sportdirektor Eberl sah dennoch keinen Grund, in das unglücklich verlorene Spiel übermäßig viel hineinzuinterpretieren: "Man kann doch nicht nach jedem Spiel eine Tendenz in die ein oder andere Richtung ableiten." In den verbleibenden drei Runden erwartet die Borussia ein schweres Restprogramm mit Spielen gegen Schalke, Mainz und Wolfsburg, das derzeit mit vier Punkten Vorsprung Platz 4 okkupiert (Ergebnisse und Spielplan).

Dass darunter mit der Partie gegen die Rheinhessen nur ein Heimspiel ist, muss ebenfalls kein Vorteil sein: Gladbach hat bislang 33 seiner 49 Zähler vor heimischem Publikum geholt, in der Fremde tut man sich deutlich schwerer. Allerdings hat die Borussia nach wie vor sechs komfortabel Zähler Vorsprung auf Augsburg, das derzeit Platz 8 innehat (Tabelle) - und ein Spiel im Rücken, auf dem sich durchaus aufbauen lässt. So skurril das nach einer 2:4-Niederlage auch klingen mag.

Aus Freiburg berichtet Christoph Ruf

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