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25.11.2013 - 16:07 Uhr


Augsburger Bodenhaftung zahlt sich aus

Der FC Augsburg pflegt die mannschaftliche Geschlossenheit. Jan-Ingwer Callsen-Bracker (l., mit v.l.: Andre Hahn, Ragnar Klavan, Paul Verhaeg) weiß worauf es besonders ankommt: "Wichtig ist die Entwicklung der Mannschaft"

Coach Markus Weinzierl (r., beim Abklatschen mit Halil Altintop) spricht der Mannschaft einen "stetigen Reife- und Entwicklungsprozess". Seine personellen Maßnahmen haben gefruchtet. Torwart...

...Marwin Hitz löste den eigentlichen Stammkeeper Alexander Manninger (nicht im Bild) ab. Der Wechsel zwischen den Pfosten hat sich bisher voll ausgezahlt. Nicht nur in der Defensive...

...auch in der Offensive scheut sich Weinzierl nicht, gestandene Führungskräfte auf der Bank zu lassen. Zuletzt stand der 19-jährige Arek Milik (l.) für Sascha Mölders in der Startelf

Augsburg - In Augsburg wächst etwas. Das ist offensichtlich und wird von der Konkurrenz auch anerkannt. "Die Mannschaft entwickelt sich sekündlich", hatte beispielsweise Dortmunds Coach Jürgen Klopp konstatiert. Das war am ersten Spieltag dieser Saison, nach dem 4:0-Sieg der Borussen beim FCA.
In Schalke hatte die Crew um Käpitän Paul Verhaeg ebenfalls mächtig eins auf die Mütze bekommen, eine 1:4-Pleite kassiert. Doch auch aus Gelsenkirchen kehrte die Truppe mit viel Lob im Gepäck zurück, worauf man natürlich gern verzichtet hätte, wenn statt dessen die ansehnliche Leistung mit wenigstens einem Punkt belohnt worden wäre.

Weinzierl: "Ein stetiger Entwicklungsprozess"



"Wichtig ist die Entwicklung der Mannschaft", hatte sich seinerzeit Innenverteidiger Jan-Ingwer Callsen-Bracker über das deprimierende Resultat hinweggetröstet. "Und die ist absolut positiv." Ähnlich äußerte sich Markus Weinzierl am Samstag nach dem überzeugenden 2:0-Heimsieg gegen 1899 Hoffenheim. "Wer der Mannschaft schon länger zusieht", befand der Chefcoach, "erkennt in den letzten Monaten einen stetigen Reife- und Entwicklungsprozess."

Selbst die Phase, "als sie die Ergebnisse nicht immer geliefert hat", bezog der in Straubing wohnhafte Niederbayer, der vier Tage nach Heilig Abend seinen 39. Geburtstag feiert, mit ein. Woran liegt s, dass der FCA, der 2011 den Sprung in die Eliteklasse geschafft hatte, sukzessive vom belächelten zum ge- und beachteten Gegner aufgestiegen ist?

Ruhiges Fahrwasser, auch in Krisenzeiten



Bestimmt nicht am Geld. In der Budgetrangliste belegen die Schwaben den vorletzten Platz - gefolgt allein von Eintracht Braunschweig. Zu den Erfolgsgeheimnissen gehört sicher die Bodenhaftung. In Augsburg sind keine Träumer am Werk, sondern Realisten, die genau einschätzen können, wo die Grenzen liegen und was machbar ist.

Und das Feld des Machbaren wiederum wird intensiv, wird akribisch beackert. Nach dem Motto, "Brachland ist Luxus", wird jedes noch so kleine Fleckchen genutzt. Wohl auch deshalb fällt die Ernte üppiger aus, als das anderenorts unter ähnlichen Voraussetzungen der Fall sein mag.

Hinzu kommt eine erfreuliche Unaufgeregtheit - auch und gerade in Krisenzeiten. Trotz der jeweils miserablen Startphase in der vorletzten und der letzten Saison durften die Trainer - Jos Luhukay und Markus Weinzierl - weiterarbeiten. Dieses Vertrauen hat sich ausgezahlt, anderenfalls wäre der FCA nicht mehr in der Eliteklasse vertreten.

Gefestigte Basis ist der Schlüssel zum Erfolg



Harmonie und Teamgeist sind ebenfalls Pfeiler von großer Tragfähigkeit. Mit diesen Tugenden macht die Mannschaft Defizite in anderen Bereichen wett, wie die respektablen Resultate gegen spielerisch stärkere Kontrahenten zeigen (2:1 gegen VfB Stuttgart, 2:2 gegen Mönchengladbach, 2:1 gegen Mainz, 2:0 gegen Hoffenheim).

Der Trumpf Geschlossenheit sticht im Übrigen nicht nur auf dem Rasen, sondern auch außerhalb. Manager Andreas Rettig und Trainer Jos Luhukay waren ein ebenso perfekt aufeinander abgestimmtes Gespann, wie das jetzt Stefan Reuter und Markus Weinzierl sind.

Apropos Weinzierl. Der jüngste Bundesliga-Coach hat ein feines Gespür dafür, wann was zu tun ist. Gegen Mainz beispielsweise ersetzte er Keeper Alex Manninger, der 2012/13 im Abstiegskampf Heldenstatus erlangt hatte, kurzerhand durch den relativ unerfahrenen Marwin Hitz. Eine gewagte, aber erfolgreiche Maßnahme.

Nach einer Serie von fünf Spielen ohne Dreier feierte der FCA gegen den FSV einen 2:1-Sieg. Und zuletzt gegen Hoffenheim stand Arek Milik statt Publikumsliebling Sascha Mölders als Frontmann in der Startelf. Zwar blieb die 19-Jährige Leihgabe aus Leverkusen ohne Torerfolg, wusste aber dennoch zu überzeugen. Klasse sein Doppelpass mit Paul Verhaegh, der dem 2:0 durch Halil Altintop vorausgegangen war.

Auswärtsquote ist noch verbesserungswürdig



Trotz alledem gibt es noch Baustellen, wobei die größte die Abschlussschwächen bilden. Aber vielleicht zaubert Weinzierl auch da etwas aus dem Ärmel. Dem genesenen Neuzugang Raul Bobadilla jedenfalls wird nachgesagt, dass er weiß, wo das Tor steht.

Ebenfalls verbesserungswürdig ist die Auswärtsbilanz. Auf fremden Plätzen wurden nur drei der bislang 16 Punkte eingefahren. Das verheißt insofern nichts Gutes, als nun hintereinander die Reisen nach Berlin zu Hertha BSC (mit Ex-Coach Luhukay) und nach Hamburg zum HSV anstehen. Wenigstens ein Zähler muss her, soll das Ziel, die erste Halbserie mit 20 Punkten abzuschließen, realisiert werden. Ein Sieg dann im letzten Vorrundenspiel daheim gegen Schlusslicht Braunschweig - und der FCA wäre voll im Soll.

Aus Augsburg berichtet Reinhart Kruse
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