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Bundesliga

24.11.2013 - 20:24 Uhr


Aufmunterung für die Selbstkritischen

Trotz der ersten Saisonniederlage vor eigenem Publikum ernten die Profis Applaus

BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball sprach dem Team auf der Mitgliederversammlung Mut zu

Am Dienstag steht für Jakub Blaszczykowski (r., gegen Valon Behrami) und seine Kollegen das Duell mit Neapel auf dem Plan

Dortmund - Auf seinem Interview-Marathon nach dem Spiel hielt Roman Weidenfeller einen kleinen Moment inne. Sein Blick ging zum Fernseher, auf dem gerade noch einmal das Tor von Mario Götze lief. Eine Szene, die der Dortmunder Keeper mit leichtem Kopfschütteln und zugleich einem feinen Lächeln um die Mundwinkel beobachtete.
Es war die Führung für die Bayern, die vorentscheidende Szene des Spiels - und Weidenfeller machte nach der 0:3-Niederlage gar keinen Hehl daraus, dass sein Respekt vor dem Geniestreich des einstigen Mitspielers auf eine gehörige Portion Ärger über die eigenen Mitspieler traf. "Mario hat die Qualitäten und ist clever genug, so einen Ball auch in der Bundesliga einfach mal mit der Picke zu schießen. Vielleicht müssen wir den Ball auch einfach mal mit der Picke reinmachen", ließ Weidenfeller seinen Ärger heraus und brachte zugleich das Spiel des BVB auf den Punkt: Wer nicht schießt, macht kein Tor. Und wer kein Tor macht, kann nicht gewinnen.

"Müssen kaltschnäuziger werden"



Klingt einfach - ist es für die Dortmunder aber offenbar nicht. Zum wiederholten Mal zeigte die Mannschaft Probleme mit der Effektivität. In einem Spiel auf Augenhöhe hatte man gegen den Meister aus München sogar die klareren Chancen verbucht, aber daraus wieder einmal kein Kapital geschlagen. Henrikh Mkhitaryan lieferte ein Musterbeispiel für den schlechten Abschluss, als er in der 69. Minute ein Zuspiel von Großkreutz freistehend vor Neuer vertändelte, statt direkt abzuziehen oder wenigstens abzulegen. "Wir schließen die Bälle nicht einfach ab", ärgerte sich Weidenfeller zu Recht über die fehlende Zielstrebigkeit.

Sonst wurde darüber eher das Mäntelchen des Schweigens ausgebreitet, doch dieses Mal gingen neben Weidenfeller auch andere Dortmunder verbal in die Offensive und mahnten für die Zukunft eine bessere Chancenverwertung an. "Wir müssen auch mal einen machen, wenn wir was hinkriegen wollen", legte Jürgen Klopp den Finger in die Wunde. Und Sportdirektor Michael Zorc legte nach: "Auf diesem Niveau gegen Bayern oder auch in der Champions League bekommst du eben nicht unwahrscheinlich viele Chancen. Da müssen wir kaltschnäuziger werden."

Auf Knopfdruck allerdings, das gab auch Zorc zu bedenken, lässt sich das Problem kaum abstellen. Lange Zeit zum Hadern aber bleibt auch nicht. Drei Niederlagen in Serie hat Borussia Dortmund zum letzten Mal 2010 verkraften müssen, doch jetzt drängt die Zeit. Schon am Dienstag steht für den Verein eine Menge auf dem Spiel, wenn der SSC Neapel in der Champions League nach Dortmund kommt und ein Sieg für die Schwarz-Gelben nach der Hinspiel-Niederlage Pflicht ist. "Wir müssen jetzt schnell wieder zurück in die Spur finden. Bis Dienstag müssen wir den Kopf wieder frei haben", meint Jakub Blaszczykowski.

"Eine richtig geile Aktion" der Fans



Weil auch die Fans um die Wichtigkeit der nächsten Aufgabe wissen, gaben sie ihren müden Helden eine Aufmunterung gleich doppelt mit auf den Weg. Schon in der Schlussphase des Bayern-Spiels und nach dem Abpfiff hatte die Südtribüne Klasse bewiesen und die Mannschaft minutenlang mit viel Applaus gefeiert und aufgerichtet. "Eine richtig geile Aktion", urteilte nicht nur Jonas Hofmann.

Und lang anhaltenden Beifall gab es dann auch rund 16 Stunden später, als Spieler und Trainer der Mitgliederversammlung des Vereins einen Besuch abstatteten. "Nehmen sie die stehenden Ovationen der Versammlung mit als Teil des Selbstbewussteins, das wir am Dienstag gegen Neapel brauchen", rief der wiedergewählte BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball dem Team zu.

Watzke: Nicht über die Bayern definieren



Auch Jürgen Klopp hatte schon zuvor deutlich gemacht, dass trotz der 0:3-Niederlage gegen die Münchner "kein Grund besteht für Depressionen". Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke mahnte zudem am Sonntag, "dass wir aufpassen müssen, dass wir uns nicht ausschließlich über den FC Bayern definieren. Das ist zurzeit die beste Mannschaft der Welt." Er empfahl stattdessen ein gesundes Selbstvertrauen für die nächsten Aufgaben: "Borussia Dortmund ist die zweite Kraft im deutschen Fußball - nicht mehr, aber auch nicht weniger."

Den Spielern gab Watzke auf der Mitgliederversammlung dann mit einem kleinen Augenzwinkern allerdings auch noch einen netten Rat mit auf den Weg: "Der warme Applaus der Mitglieder und Fans sollte euch jetzt nicht dazu verleiten, dass nächste Spiel nicht auch mal wieder zu gewinnen."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte
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