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17.03.2014 - 10:00 Uhr


Alte Dame schiebt Frust

Die 0:3-Heimpleite gegen Hannover 96 drückte die Stimmung bei Hertha BSC

Die Europa-Träume in der Haupstadt sind vorerst zerplatzt. BSC-Coach Jos Luhukay gestand nach dem Spiel ein: "Wir stoßen als Aufsteiger derzeit an unsere Grenzen"

Publikumsliebling Ronny (r.) ragte heraus, stand seit vier Spielen mal wieder in der Startelf. Darüber konnte er sich jedoch nicht wirklich freuen: "Wir haben den Dreier nicht geholt"

Sinnbild für die Lage in der Haupstadt: Stürmer Adrian Ramos. "Wenn Ramos nicht trifft, haben wir ein Problem", sagte Trainer Luhukay (nicht im Bild) (© Imago)

Berlin - Noch immer kein Heimsieg 2014, endgültiger Klassenerhalt verschoben, wieder Pfiffe aus der Ostkurve: Bei Aufsteiger Hertha BSC ist nach dem 0:3 gegen Hannover 96 die Stimmung schlechter als die Lage.

Immer wieder deutete Jos Luhukay auf den Zettel mit den Spieldaten in seiner Hand, als könne er es selber nicht richtig glauben. "Diese ganzen Statistiken sagen gar nichts aus", schimpfte der Hertha-Trainer. "Wir haben 59 Prozent Zweikämpfe gewonnen, aber die entscheidenden verloren und damit das Spiel."

Luhukay hadert mit den Zahlen

Wie recht er doch hatte. Nicht nur bei den direkten Duellen sprachen die nackten Zahlen für die "Alte Dame". Auch in puncto Ballbesitz, Eckbälle und Torschüsse war Hertha die bessere Mannschaft gewesen. Aber eben nur auf dem Papier. Unter dem Strich stand: Hertha null Tore, Hannover drei.

"Wir hatten mehr klarere und bessere Chancen als Hannover", verwies Luhukay zudem auf die höhere Qualität der eigenen Torgelegenheiten. Doch während bei seinem Team erneut das Thema Chancenverwertung in den Vordergrund rückte, waren die Niedersachsen eiskalt. So kam Herthas Trainer am Ende zu der paradox klingenden Analyse, Herthas sei "die bessere Mannschaft" gewesen, Hannover aber habe "verdient gewonnen".

Europa-Träume ade

Dabei hatte für dieses Spiel eigentlich gegolten: Mit einem Dreier das eigene Punktekonto auf 39 Zähler hochschrauben und damit endgültig den Klassenerhalt sichern (seit Einführung der Drei-Punkte-Regel ist noch nie ein Bundesligist mit 39 Punkten abgestiegen). Danach hätten sich die Berliner in aller Ruhe der Realisierung der Europapokal-Träume widmen können.

Dabei werden die ohnehin eher von den Fans geträumt als von Luhukay. "Ab heute muss man nicht mehr darüber reden", sagte der Niederländer und wirkte nicht wirklich unglücklich darüber. "Wir stoßen als Aufsteiger derzeit an unsere Grenzen." Vor allem das Fehlen gleich mehrerer Schlüsselspieler auf einmal - Baumjohann, Cigerci, Ben-Hatira, Ndjeng und Abwehrchef Lustenberger -  ist momentan nicht zu kompensieren.

Pfiffe der Fans

Bei den Anhängern scheint all das bisweilen in Vergessenheit zu geraten - es waren mehr als nur vereinzelte Pfiffe nach Spielende zu hören, und das nicht zum ersten Mal. Viele Berliner hatten aber ohnehin schon das Stadion verlassen. "Ich verstehe, dass die Fans unzufrieden sind", sagte Fabian Holland und fügte an, "wir versuchen doch auch, die negative Heimserie zu brechen".

Der Rechtsverteidiger wirkte wie ein begossener Pudel. Gerade erst hatte er sich in die erste Elf gespielt. Doch gegen Hannovers schnellen Leonardo Bittencourt sah Holland vor allem beim ersten Gegentor richtig schlecht aus. "Der Trainer entscheidet über die Aufstellung und ich kann im Training nur weiter Gas geben", ließ das 23-jährige Eigengewächs keine große Hoffnung auf einen neuerlichen Platz in der Startelf erkennen.

Doch auch andere Herthaner präsentieren sich aktuell nicht in Topform. Etwa die beiden Offensivmänner Per Skjelbred und Adrian Ramos, die beide mehrfach beste Torgelegenheiten ausließen. Vor allem, das hatte Luhukay schon vor dem Spiel moniert, zeigte sich erneut: "Wenn Ramos nicht trifft, haben wir ein Problem."

Ronny ragt heraus

Nur einer ragte heraus, und das war durchaus überraschend: Publikumsliebling Ronny durfte erstmals nach vier Partien wieder von Beginn an ran - und wusste mit mehreren Zuckerpässen und gefährlichen Abschlüssen zu überzeugen. Der Brasilianer freute sich zwar über sein Startelf-Comeback, war aber dennoch unzufrieden, denn "wir haben den Dreier nicht geholt". Zumindest im Interview gibt sich der Vielgescholtene inzwischen also als Teamplayer. Auch als der 27-Jährige auf das Wiedersehen mit seinem Bruder, Ex-Herthaner Raffael, angesprochen wird, sagt Ronny nur: "Das ist nicht wichtig."

Dabei könnte es am nächsten Samstag beim Hertha-Gastspiel in Mönchengladbach zu dem Bruderduell kommen, das in der Hinrunde noch ausfiel, weil Ronny nicht zum Einsatz kam. Damals gewann die Hertha mit 1:0 durch ein Tor von Adrian Ramos.  Es wäre aus Sicht der "Alten Dame" jedenfalls nicht verkehrt, gegen die wiedererstarkten Fohlen punkten - immerhin geht es danach noch gegen die Top Vier der Liga. 

Aus Berlin berichtet Andre Anchuelo

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