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Bundesliga

29.08.2013 - 16:35 Uhr


Alexis Menuge: Sechs Jahre mit Ribery

München - Franck Ribery macht Spaß! Seit der französische Wirbelwind im Sommer 2007 den Weg zum FC Bayern und in die Bundesliga gefunden hat, verzaubert er die deutschen Fans immer wieder aufs Neue. Dribblings, Zuckerpässe, Traumtore - auf dem Platz können nur wenige dem "König von Bayern" das Wasser reichen.
Einer, der Ribery seit dessen Ankunft in München begleitet, ist Alexis Menuge. Exklusiv für bundesliga.de erinnert sich der französische Journalist an Sternstunden und Tiefpunkte aus Riberys Zeit beim deutschen Rekordmeister.
"Das erste Mal, als ich Franck Ribery begegnet bin, war in Donaueschingen im Juli 2007. Dort waren die Bayern im Trainingslager und für 'l'equipe' durfte ich die ersten Schritte von 'Ch'ti Franck' in Deutschland verfolgen. Sofort zeigte er sich höflich mir gegenüber. Seine ersten zwei Jahre verliefen wie in einem Märchen. Er kam sofort mit der offensiven Spielweise der Bundesliga klar.

Seine Leistung in Bremen bei seinem erst zweiten Bundesliga-Spiel war atemberaubend. Allein entschied er die Partie durch seine Schnelligkeit, seine Dribblings und seine Kaltschnäuzigkeit. Nach dem Spiel rief er mich an, wie zuvor versprochen, und erzählte, im Bayern-Bus sitzend, wie glücklich er über seine Show war.

Bei unseren regelmäßigen Interviews stand stets der Spaß im Mittelpunkt. Er machte oft Witze oder schüttete mir immer mal wieder Salz in mein Wasserglas. Als Interview-Partner war er aber immer ernst und verhielt sich sehr professionell.
Das Highlight erlebten wir gemeinsam im Januar 2008. Er sollte in meine Münchner Wohnung kommen, um als Gast in einer Radio-Sendung aufzutreten. Gesagt, getan. Er kam mit seinem eigenen Auto, begleitet von zwei Freunden aus Marseille. Knapp zwei Stunden blieb er in meinem Wohnzimmer und nahm mit viel Spaß an der Sendung teil und beantwortete die Fragen der Hörer mit viel Geduld. Währenddessen schlief einer seiner Freunde auf meinem Sofa ein und schnarchte so laut, dass Franck einen richtigen Lachanfall bekam. Diese Szene wurde später in den Zapping-Clips gebracht und im ganzen Land berühmt.

Trotzdem merkte ich, dass Franck zwar in München zufrieden war, ihm aber etwas zum ganz großen Glück fehlte. Er sprach regelmäßig von der Sonne in Barcelona und hatte Zweifel, ob er mit den Bayern eines Tages die Champions League gewinnen könne.

Er sah München eher als eine Zwischenstation auf dem Weg nach Spanien oder England. Doch als eingefleischter Münchner versuchte ich immer wieder, ihn zu überzeugen, dass der FC Bayern das Beste für ihn sei, weil er an der Säbener Straße alles hat, was er braucht.
Im Sommer 2009 gab es Theater wegen seines frommen Wunsches, zu Real Madrid zu wechseln. Jeden Tag musste ich im französischen Radio erklären, warum Franck in München bleiben wird, während man in Frankreich sicher war, dass er zu Real geht. Mit Louis van Gaal wollte er sowieso nicht arbeiten. Er mochte die Methoden des Niederländers nicht und wollte nur noch weg.

Er musste schließlich bleiben, war während dieser Zeit aber immer wieder verletzt. Und dann kam das Jahr 2010 mit dem unrühmlichen Auftritt der Equipe Tricolore bei der WM in Südafrika, mit Irritiationen in seinem Privatleben, die an die Öffentlichkeit kamen. Als ich davon erfuhr, wusste ich sofort, dass nichts mehr so sein würde wie bisher. Weil Franck die französischen Medien dafür verantwortlich machte und ich ja für sie arbeite, würdigte er mich zwanzig Monate lang keines einzigen Blickes mehr.

Während er in seiner Heimat heftig in der Kritik stand, begriff er nun langsam, was für ein besonderer Verein der FC Bayern ist, vor allem mit der Vertragsverlängerung um fünf Jahre und dem Rekord-Gehalt.
Dass er mich mied und völlig ignorierte, bereitete mir immer wieder schlaflose Nächte. Im Herbst 2011 verbrachte ich ein langes Mittagessen mit Daniel van Buyten. Dabei erzählte ich ihm meine Geschichte mit seinem besten Freund. Der Belgier zeigte sich verwundert und versprach mir, mit Franck zu reden.

Tatsächlich überzeugte er seinen Mitspieler, wieder mit mir zu sprechen. Drei Tage später kam Franck in der Mixed-Zone der Allianz Arena auf mich zu, um ein kurzes Interview zu geben, als wäre vorher nie etwas passiert. Dabei stellte ich fest, dass er definitiv reifer und ernster geworden ist. Ich war auch froh, dass er sich mittlerweile mit seinem Club identifizierte und dass er bemerkt hatte, dass es für ihn keinen besseren Verein auf der Welt gibt. Zu dieser Zeit flog er in seiner Freizeit so gut wie nie mehr nach Frankreich, sondern genoss lieber die Lebensqualität und die Gemütlichkeit in der bayerischen Landeshauptstadt.

Mittlerweile ist unser Verhältnis wieder ganz normal geworden, im Gegenteil zum Rest der meisten französischen Kollegen. Anscheinend sind viele in Frankreich nachtragend und gönnen ihm nicht einmal, Europas Bester zu werden. In meinen Augen hat er nicht nur diese Ehrung verdient, sondern auch den Ballon d'Or, der im Januar 2014 verliehen wird und als Francks großer Traum gilt.

Ich muss gestehen, dass ich 2010 nicht geglaubt habe, dass er noch stärker zurückkommen würde. Nun bin ich mir sicher, dass er in München seine Karriere beenden wird. Denn er hat verstanden, dass er weder in Spanien noch in England so glücklich und beliebt wäre."
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Zum Autor:
Der freie Sportjournalist Alexis Menuge lebt seit Sommer 1998 in München. Bis 2002 war der Franzose für das Deutsche Sportfernsehen (DSF), den Vorläufer von Sport1, tätig. Seither ist Menuge der Deutschland-Korrespondent der französischen Sporttageszeitung "l'equipe" und der Fußball-Fachzeitschrift "France Football". Zudem arbeitet er für "l'equipe TV" und den französischen Radiosender RTL.




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