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29.03.2014 - 21:03 Uhr


1899 knackt den Bayern-Code

Respekt: Pep Guardiola (r.) gratuliert Markus Gisdol zum Punktgewinn

Hoffenheim gelingt in der laufenden Saison als erstes Team, den Bayern einen Punkt in der Allianz Arena abzuknöpfen

Roberto Firmino (2.v.l.) erzielt mit einem Flachschuss ins rechte Eck den Endstand zum 3:3

München - Markus Gisdol musste sich vorkommen, wie ein Lehrer, dessen Schüler den Unterrichtsstoff in Einser-Manier herunterbeten. Oder wie ein Forscher, der seine Theorien einem Härtetest unterzieht und sich am Ende vollumfänglich bestätigt sieht. "Wir wollten austesten, wie weit wir mit unserem Pressing kommen und es auch extrem spielen", sagte der Hoffenheimer Cheftrainer nach dem 3:3 beim FC Bayern München. "Ich bin sehr, sehr zufrieden, wie wir das gemacht haben" (Trainerstimmen).

Die Worte Gisdols waren keinesfalls übertrieben - denn seine Schützlinge hatten zumindest an diesem Tag nicht weniger als den berüchtigten Bayern-Code geknackt. In Zahlen las sich der Auftritt der Kraichgauer so: 20 zu elf Torschüsse, 272 zu 232 Sprints, 121 zu 115 gelaufene Kilometer zu Gunsten der Gäste aus Hoffenheim (Analyse). Wer das Spiel nicht gesehen hatte, musste glauben, die beiden Teams seien bei der Datenerfassung vertauscht worden: "Großes Kompliment an Hoffenheim", zollte Bayern-Trainer Pep Guardiola dem Gegner seinen höchsten Respekt, den sich dieser mit seiner couragierten Spielweise verdiente.

"Über allem stand heute der Mut"

Vom Anpfiff weg setzte die TSG den vorzeitigen Meister mit seiner gesamten Offensive schon frühzeitig unter Druck, dass dieser ungewohnte Schwächen im Spielaufbau offenbarte. Erst, als Claudio Pizarro (31.)  den Führungstreffer von Anthony Modeste ausglich und die Münchner bis zur 40. Minute zwei weitere Treffer nachlegten, bot sich das gewohnte Bild in der Allianz Arena. 

Dass der krasse Außenseiter nicht mit gesenkten Köpfen in die Halbzeitpause schlich, lag am Kunstschuss von Sejad Salihovic, der einen Freistoß aus 25 Metern in den linken Winkel zirkelte. Der Anschlusstreffer hatte offenbar euphorisierende Wirkung auf die Gisdol-Schützlinge, die nach dem Seitenwechsel groß aufspielten. "Über allem stand bei uns heute der Mut", sagte Sportdirektor Alexander Rosen, dem der Stolz förmlich ins Gesicht geschrieben stand. "Wir haben den FC Bayern teilweise in deren Strafraum angelaufen. Wie wir vom 1:3 zurückgekommen sind, ist schon etwas Besonderes." 

Hoffenheim schreibt Geschichte

Um das Bemerkenswerte des Hoffenheimer Auftritts hervorzuheben, lohnt ein weiterer Blick in die Statistik: 20 Torschüsse einer gegnerischen Mannschaft hatte es in der Allianz Arena zuvor noch nie gegeben. Das letzte Team, das dies bei den Bayern geschafft hatte, war Hannover am 8. Februar 2004 - damals noch im alterwürdigen Olympiastadion (Topdaten zum Spiel). Dass die Münchner in der laufenden Saison drei Gegentore noch nicht schlucken mussten, bedarf angesichts der bajuwarischen Dominanz fast keiner Erwähnung.

Die extrem kräftezehrende Taktik der Gäste, den ballführenden gegnerischen Spieler so früh wie möglich anzulaufen, spiegelt sich ebenfalls in den Leistungsdaten wider: Hoffenheims Abwehrkette stand durchschnittlich 36,9 Meter vor der eigenen Torauslinie - so hoch verteidigte gegen den FC Bayern bislang nur der VfL Wolfsburg (7. Spieltag: 39,7 Meter; 0:1-Niederlage).

"Es fühlt sich wie ein Sieg an"

So zwang 1899 den FC Bayern in insgesamt 229 Zweikämpfe, während der Schnitt des Rekordmeisters in dieser Saison bei 192 Zweikämpfen liegt. Auch die 18 Fouls, die das Gisdol-Team beging, sprechen für das aggressive, aber keinesfalls unfaire Spiel der Badener (nur drei Teams foulten die Bayern in der laufenden Saison öfter).  

"Ein Punkt gegen eine so starke Mannschaft wie die Bayern fühlt sich wie ein Sieg an", sagte Kevin Volland gegenüber bundesliga.de und nahm den Punkt als Sahnehäubchen einer gelungenen Woche. Sieben Zähler holte Hoffenheim zuletzt in Leverkusen, gegen Hannover und in München. "Wir können nach dieser englischen Woche stolz auf unsere Leistung sein", freute sich der U-21-Nationalstürmer. Stolz durfte vor allem auch Markus Gisdol sein, nachdem er als erster Trainer in dieser Saison den Bayern-Code knackte. Stolz auf sich und seine Musterschüler.

Aus München berichtet Johannes Fischer

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