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22.11.2013 - 09:17 Uhr


"Wir dürfen die Lage nicht schönreden"

Tranquillo Barnetta hat sich in Frankfurt wieder einen Stammplatz erkämpft - es läuft beim Schweizer

Mit seiner Nationalelf spielte er unter der Woche gegen Südkorea, zurück in Frankfurt liegt der Fokus auf einer besonderen Partie

Der 28-Jährige ist vom FC Schalke an die Hessen ausgeliehen, am Samstag trifft er mit der Eintracht auf seinen Ex-Verein

München - Während die meisten Frankfurter Teamkollegen während der Länderspielpause etwas durchschnaufen konnten, flog Tranquillo Barnetta um die halbe Welt. Der Mittelfeldspieler der Eintracht spielte mit der Schweiz in Südkorea (1:2) und spricht nach seiner Rückkehr nach Frankfurt bei bundesliga.de über das wichtige Heimspiel gegen seinen Ex-Verein Schalke 04.
bundesliga.de: Herr Barnetta, sind Sie gut von Ihrer Länderspielreise heimgekommen?

Tranquillo Barnetta: Ja. Die Reise war mit dem langen Flug und der Zeitumstellung eine ziemliche Belastung. Ich bin froh, dass ich - wenn auch etwas müde - wieder gesund zurückgekommen bin.

bundesliga.de: Welche Eindrücke haben Sie in Korea gesammelt?

Barnetta: Es war eine Belastungsprobe für uns, die wir anfangs trotz der nicht optimalen Vorbereitung auf das Spiel ganz gut hinbekommen haben. Am Ende des Spiels hat man aber gemerkt, dass uns die Kraft ein bisschen verließ. Wir haben dann leider verloren. Am Samstag haben wir noch etwas von der Stadt gesehen und den Kaiserpalast angeguckt. Es war ganz nett, dass wir nicht direkt zurück mussten.

bundesliga.de: Die Reise dürfte eine willkommene Abwechslung vom derzeit etwas tristen Bundesliga-Alltag bei der Eintracht gewesen sein. Jetzt kommt am Samstag Schalke 04 nach Frankfurt, der Verein, von dem Sie an die Hessen ausgeliehen sind. Ist es ein besonderes Spiel für Sie?

Barnetta: Für uns als Mannschaft ist es enorm wichtig, dass wir in diesem Spiel punkten, weil wir in den letzten Wochen nicht die Punkte sammeln konnten, die wir gerne geholt hätten. Und für mich ist es sicher auch etwas Besonderes, weil ich noch alle Schalker Spieler kenne und mit ihnen die Vorbereitung gemacht habe. Ich verfolge auch das Geschehen auf Schalke. Aber für uns geht es um wahnsinnig viel. Wir müssen hochkonzentriert an die Sache herangehen. Wir müssen den Kampf annehmen, die Wege gehen. Dann werden wir auch unsere Möglichkeiten bekommen.

bundesliga.de: Die Knappen haben den Turnaround geschafft und auch schwächere Spiele gewonnen. Das fehlt der Eintracht momentan noch.

Barnetta: Genau. Schalke hat nicht immer überzeugend gewonnen. Aber es spricht für die Mannschaft, dass sie oft nach Rückständen zurückgekommen ist und das Spiel noch gedreht hat. Deshalb müssen wir wachsam sein. Uns würde ein Spiel gut tun, in dem wir mal die schlechtere Mannschaft sind und das Ding dann gewinnen. Wir waren in der bisherigen Saison oftmals nicht die schlechtere, wenn nicht sogar die bessere Mannschaft, und haben dann aber keine Punkte mitgenommen.

bundesliga.de: Wie wohl fühlen Sie sich persönlich in Frankfurt?

Barnetta: Sehr wohl. Es war für mich die richtige Entscheidung, zur Eintracht zu wechseln. Ich kann wieder spielen und der Mannschaft helfen. Das hat mir nach der schwierigen Phase auf Schalke gut getan. Ich habe jetzt wieder Fuß gefasst.

bundesliga.de: Wenn Sie die Lage der Eintracht analysieren. Wo sehen Sie die Ursachen für das bislang nicht befriedigende Abschneiden der Mannschaft?

Barnetta: In der Bundesliga liegen alle Mannschaften nah beieinander. Wir haben einen guten Kader und ein gutes Potenzial. Das haben wir oft genug auch in dieser Saison schon gezeigt. Nur leider konnten wir es oft nicht über die 90 Minuten durchhalten. Manchmal fehlte uns ein bisschen das Glück, einen Sieg einzufahren. Im letzten Jahr war das noch etwas anders, als die Eintracht auch Spiele gewonnen hat, die sie nicht unbedingt hätte gewinnen müssen. Das fehlt. Und wenn man dann einmal in so einer Spirale drin ist, wird es schwer. Wir müssen als Mannschaft weiter konzentriert arbeiten.

bundesliga.de: Die Eintracht steht immer noch auf Platz 15 und damit über dem Strich. Wie prekär schätzen Sie die Situation dennoch ein?

Barnetta: Wir haben uns natürlich mehr vorgestellt. Trotzdem wussten alle auch schon vor der Saison, dass es auch mit den zusätzlichen Spielen in der Europa League schwierig werden könnte. Es kommt also nicht völlig unerwartet, dass wir noch nicht ganz so viele Punkte auf dem Konto haben. Man darf die Lage nicht schönreden. Wir sollten jetzt nicht zu sehr auf die Tabelle gucken, weil alle Teams noch nahe beieinander sind. Unerfreulich ist für uns die Punktzahl. An der müssen wir arbeiten.

bundesliga.de: Und auch an der Heimbilanz. Die Eintracht hat noch kein Heimspiel gewonnen.

Barnetta: Wir haben in der Europa League schon tolle Heimspiele absolviert. Das wollen wir auch auf die Bundesliga übertragen. Wir haben tolle Fans, die total hinter uns stehen. Deshalb ist es wichtig, dass wir ihnen mit einem Heimsieg etwas zurückgeben können.

bundesliga.de: Wo sehen Sie Ansätze für eine Verbesserung?

Barnetta: Uns macht das Spiel mit dem Ball stark. Das müssen wir fortsetzen. Außerdem ist uns allen aufgefallen, dass wir in der Schlussphase viele Gegentore kriegen. Es ist wichtig, dass die ganze Mannschaft über die volle Distanz bereit ist, gegen den Ball zu verteidigen. Wenn das alle machen, wird uns das nicht mehr passieren.

bundesliga.de: Die Fans des VfL Bochum haben in den letzten Jahren öfter gesungen: "Wir steigen auf, wir steigen ab und zwischendurch Europacup." Das sollte in Frankfurt besser nicht das Motto werden oder?

Barnetta: Nein, sicher nicht. Das glaube ich auch nicht. Wir genießen die Europa League. Das hat sich die Mannschaft im letzten Jahr erarbeitet. Wir haben schon tolle Spiele erlebt. Das wollen wir auch weiterhin genießen. Die Bundesliga ist ein anderes Geschäft. Wir müssen wieder in die Spur kommen und solche Leistungen abrufen, wie wir das meistens in der Europa League getan haben.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski
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