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15.10.2013 - 15:21 Uhr


"Van Marwijk schaut nicht auf Namen"

Erik Meijer verfolgt interessiert das Abschneiden seiner Ex-Clubs HSV und Bayer Leverkusen (© imago)

Für die Hanseaten hat Meijer in 46 Bundesligaspielen elf Tore erzielt

Alte Bekannte: Unter dem neuen HSV-Coach Bert van Marwijk (r.) spielte Meijer in der B-Jugend beim SV Meerssen. Van Marwijks Co-Trainer Roel Coumans wuchs in Meijers Nachbarschaft auf

München - Als TV-Experte bei Sky ist Erik Meijer dem Fußball sowieso verbunden. Die Entwicklung bei seinem Ex-Verein Hamburger SV verfolgt der sympathische Niederländer aber besonders aufmerksam - und hatte dabei zuletzt eher Sorgen als Freude.
Unter Bert van Marwijk, dem neuen Trainer bei den Rothosen, spielte Meijer einst in der B-Jugend im gemeinsamen Heimatort Meerssen. "Ich kenne ihn gut und verfolge schon immer seinen Werdegang. Es ist schön zu sehen, dass der ehemalige Coach, in dessen Sportgeschäft ich sogar meine Fußballschuhe gekauft habe, so erfolgreich arbeitet", sagt Meijer, der jetzt an einen Aufschwung beim Dino glaubt.

Im bundesliga.de-Interview spricht Meijer über die neue "Holland-Connection" beim HSV sowie dessen Chancen. Außerdem lobt der frühere Stürmer die deutsche Talentförderung in den Leistungszentren und die hohe Leistungsdichte in der Bundesliga.

bundesliga.de: Herr Meijer, arbeitet Bert van Marwijk immer noch so wie damals in der Jugend in Meerssen?

Erik Meijer: Das kann man nicht vergleichen. Van Marwijk hat uns aber schon damals auf vielen Position spielen lassen. Das war seine Philosophie, dass jeder vielseitig einsetzbar sein muss. Er ist als Trainer aber unheimlich gereift. Das geht über die Stationen in Dortmund, wo er mit einem kleinen Etat zweimal auf Platz 7 gelandet ist bis zur Vize-Weltmeisterschaft mit den Niederlanden. Da hat er etwas Außergewöhnliches erreicht.

bundesliga.de: Schafft er auch mit dem HSV einen Aufschwung?

Meijer: Ich hoffe, dass er Stabilität in den Club bringt und den Profis eine klare Linie vorgibt. Für diese Prädikate steht er ja. Und wenn er es dann noch schafft, die Einzelkönner zu einer Einheit zu formen, dann ist sicherlich etwas möglich.

bundesliga.de: Dabei helfen soll sein Co-Trainer Roel Coumans. Den kennen Sie ja noch besser als van Marwijk.

Meijer: Wir sind Freunde von klein an. Wir sind in derselben Straße aufgewachsen. Ich in der Nummer 5, er in der 33. Er hat sich als Trainer kontinuierlich weiterentwickelt. Er hat die beste Ausbildung und die besten Trainerscheine, die man überhaupt machen kann. Und das in vielen Bereichen. Bert van Marwijk braucht in meinen Augen auch so einen jungen, enthusiastischen Mann, dem er vertrauen kann und der ihm viel Arbeit abnimmt, so dass er sich nur noch um den Feinschliff kümmern muss.

bundesliga.de: Und ein weiterer Landsmann, Rafael van der Vaart, ist der verlängerte Arm auf dem Platz?

Meijer: Natürlich. Van Marwijk und van der Vaart kennen sich aus der Nationalmannschaft sehr gut. Van Marwijk weiß, was Rafael drauf hat. Aber Rafael weiß auch, dass van Marwijk ihn auf die Bank setzt, wenn er nicht seine Leistung abruft. Jeder Spieler muss seine Leistung bringt. Namen spielen bei van Marwijk keine Rolle.

bundesliga.de: Ist der Kader des HSV gut genug für einen Platz unter den ersten Sechs in der Tabelle?

Meijer: Wenn man alleine die Namen betrachtet, ist der Kader gut. Ich glaube aber, ganz realistisch betrachtet, dass der HSV nicht in den Kampf um die Champions-League-Teilnahme eingreifen kann. Aber sie kommen so langsam heran, auch wenn natürlich erst einmal die Punktverluste zu Saisonbeginn wettgemacht werden müssen. Der Kader ist nicht schlecht, aber van Marwijk wird personell sicherlich noch in die eine oder andere Richtung korrigieren.

bundesliga.de: Das scheint auch nötig. Denn die Bundesliga scheint so stark und attraktiv wie nie. Sind Sie auch dieser Meinung?

Meijer: Die Bundesliga ist ein Spiegelbild der Nationalmannschaft, die in den vergangenen Jahren mit ihrer attraktiven Spielweise für Aufsehen gesorgt hat. Das Entscheidende aber war, dass der deutsche Fußball vor zehn, zwölf Jahren eingesehen hat, dass man in der Ausbildung hinterherhinkt. Die Folge war die Installation und Entwicklung der Leistungszentren. Dass ein Land mit 82 Millionen Einwohnern genügend Talente findet, ist vielleicht nicht so eine grandiose Leistung. Aber man muss diese Talente auch mit den richtigen Trainern fördern. Die Bundesliga erntet nun die Früchte ihrer Arbeit und dadurch steigt das Niveau immer weiter. Da muss man der DFL und dem DFB ein großes Lob aussprechen, dass sie diesen Weg gegangen sind.

bundesliga.de: Also werden die Bundesliga-Clubs in dieser Saison in der Champions League für noch mehr Furore in Europa sorgen?

Meijer: Der FC Bayern und Borussia Dortmund haben durch die Teilnahme an der Champions League natürlich einen enormen Vorteil, weil sie durch ihren Erfolg auch ordentlich Gewinne generieren. Diese können sie wieder investieren. Da müssen die anderen Vereine ihre Arbeit doppelt gut machen. Leverkusen und Schalke laufen da in der zweiten Spur. Aber sie sind beide gut gestartet.

bundesliga.de: In der Bundesliga ist derzeit das Top-Trio etwas enteilt, aber dahinter trennen Borussia Mönchengladbach auf Rang 4 und den HSV auf Platz 15 nur fünf Zähler.

Meijer: Für mich ist das nicht überraschend. Die Leistungsdichte ist sehr groß und die ganzen Vereine nehmen sich nicht viel. Sie wollen alle möglichst weit nach oben und sich womöglich für die Europa League oder gar für die Champions League qualifizieren.

bundesliga.de: Welcher Spieler ist für Sie bislang der Spieler der Saison?

Meijer: Das ist nicht so schwierig. Das ist Stefan Kießling. Ich finde, dass er nicht den nötigen Respekt bekommt für das, was er leistet. Er ist Torschützenkönig, ist enorm wichtig für seine Mannschaft, macht immer seine Bude und ist gereift - ich wundere mich da schon ein wenig, warum er nicht permanent für die Nationalmannschaft nominiert wird.

bundesliga.de: Hätten Sie mit Ihren Fertigkeiten in der heutigen Zeit mehr Tore geschossen?

Meijer: Das weiß ich nicht. Ich bin nicht so gut ausgebildet wie die Jungs von heute. Ich bin mehr ein Mann fürs Grobe. Aber ich wusste mit meiner Basistechnik gut umzugehen. Das wichtigste, um ein Profi zu sein, das hatte ich aber: Durchsetzungsvermögen.

bundesliga.de: Was hat Ihnen bislang nicht so gut gefallen?

Meijer: Ich war ein bisschen enttäuscht, dass Freiburg nicht an die Leistungen der Vorsaison anknüpfen konnte. Dann war der schwache Saisonstart des HSV für mich natürlich nicht so toll. Und mir fehlte ein wenig die Show bei den ersten Siegen des FC Bayern unter Pep Guardiola. Das ist jetzt anders.

bundesliga.de: Allerdings. Die Bayern-Maschine kommt immer besser in Schwung. Bringt Guardiola den Rekordmeister zur Perfektion?

Meijer: Mit Guardiola mischen die Bayern auf jeden Fall das Beste aus dem spanischen mit dem Besten aus dem deutschen Fußball. Und auch wenn ich das als Holländer nur mit einem leicht verzerrten Gesicht sagen kann: Deutschland wird die kommenden Jahre international dominieren. Das ist einfach so. So weh uns Holländern das auch tut.

Das Gespräch führte Michael Reis
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