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31.10.2013 - 13:06 Uhr


"Ribery ist ein würdiger Nachfolger"

Holger Hieronymus hielt lange den Rekord der längsten Serie ohne Niederlage. 38 Mal in Folge blieb der ehemalige Hamburger unbesiegt

Mit dem Hamburger SV gewann Hieronymus (l.) zwei Mal die Deutsche Meisterschaft und wurde Europapokalsieger der Landesmeister (© Imago)

Franck Ribery (r.) gewann mit dem FC Bayern gegen Hertha BSC und blieb damit zum 39. Mal ungeschlagen. Die Bayern visieren schon den nächsten HSV-Rekord an

München - Der Rekord von Holger Hieronymus hatte lange Zeit Bestand. 38 Spiele in Folge blieb der ehemalige HSV-Akteur ungeschlagen. Am 10. Spieltag nun setzte Franck Ribery eine neue Bestmarke. Der Franzose siegte mit seinen Bayern gegen Hertha BSC und blieb zum 39. Mal in Serie ohne Niederlage.
Für den ehemaligen Nationalspieler, der mit dem Hamburger SV zwei Meisterschaften und erlebte und sogar Europapokalsieger der Landesmeister wurde, ist Ribery ein würdiger Nachfolger. Im Interview mit bundesliga.de spricht der Hamburger über Ribery, die Bayern und seinen HSV.

bundesliga.de: Herr Hieronymus, haben Sie es schon verkraftet, dass Sie Ihren Ewig-Rekord an Franck Ribery verloren haben?

Holger Hieronymus: Die körperlichen Schmerzen lassen nur langsam nach. Bei der Verabschiedung von Wolfgang Holzhäuser (ehem. Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, Anm. d. Red.) vor wenigen Tagen ist das ganze wieder aufgekommen. Da habe ich mit alten Weggefährten drüber geflachst. Auch Karl Hopfner (Vize-Präsident des FC Bayern München, Anm. d. Red.) war dabei. Ich habe ihm gesagt, er solle Franck Ribery Grüße ausrichten, und dass er für das Gesamtpaket den Rekord nun auch noch 30 Jahre halten müsse. Aber Spaß beiseite. Franck Ribery ist in meinen Augen ein absolut würdiger Nachfolger.

bundesliga.de: Können Sie sich noch gut an die Spielzeiten 1981/82 und 1982/83 erinnern?

Hieronymus: An die Zeit erinnere ich mich sogar noch sehr gut. Zwar nicht an jedes Spiel im Detail. Aber für den Hamburger SV und somit auch für mich war es eine sehr markante, weil erfolgreiche Zeit.

bundesliga.de: Fühlten Ihre Teamkollegen und Sie sich damals unschlagbar?

Hieronymus: Unschlagbar ist der falsche Ausdruck. Denn es gab auch Spiele, die auf der Kippe standen, die wir dann aber zu unseren Gunsten entschieden haben. Im Pokal und in Freundschaftsspielen haben wir dafür das ein oder andere Mal den Kürzeren gezogen.

bundesliga.de: Hatten Sie die Serie nie im Kopf?

Hieronymus: Uns Beteiligten ist gar nicht so klar geworden, was wir da erreicht haben. Für uns war es nichts besonderes, für die Außenstehenden schon. Uns waren die Titel wichtiger. Irgendwann wurde uns jedoch bewusst, dass wir übergreifend ja eine gesamte Saison ungeschlagen bleiben können. Das war dann schon ein Ziel.

bundesliga.de: Der FC Bayern wandelt gerade auf den Spuren des HSV. Ist die Situation mit damals vergleichbar?

Hieronymus: Das denke ich schon. Wir waren auch sehr dominant, es gab aber dennoch Konkurrenten - wie zum Beispiel auch den FC Bayern - die uns das Leben schwer gemacht haben. Ein Unterschied war vielleicht, dass wir gegen Teams vom Tabellenende etwas leichter gewinnen konnten. Denn heute kann theoretisch jeder jeden schlagen. Das war früher etwas anders, da gab es schon eine größere Lücke.

bundesliga.de: Wenn es bei den Bayern mal nicht so gut läuft, reißen Einzelkönner wie Ribery oder Arjen Robben das Ruder immer noch herum. Welche Vorzüge hatte der HSV?

Hieronymus: Wir hatten auch eine reihe Ausnahmespieler: Mit Uli Stein den zu der Zeit wohl weltbesten Torhüter, mit Manfred Kaltz einen Weltklasse-Außenverteidiger, mit Felix Magath einen der besten Mittelfeldspieler und mit Horst Hrubesch einen der besten Stürmer. Was uns aber vor allem ausgezeichnet hat, war eine große mannschaftliche Geschlossenheit. Taktisch haben wir ebenfalls auf einem sehr hohen Niveau agiert. Mit dem Trainerwechsel zu Ernst Happel haben wir dann den letzten Schliff bekommen.

bundesliga.de: Aber dennoch kam irgendwann das Ende der Serie. Und das ausgerechnet gegen den Erzrivalen Werder Bremen.

Hieronymus: Die Spiele gegen Werder standen immer unter einem besonderen Stern. Es war aber klar, dass die Serie irgendwann reißen würde und dann sicherlich auch gegen eine Spitzenmannschaft. Und die war Werder Bremen. Das Ergebnis ging in Ordnung. Am Ende sind wir ja dennoch Deutscher Meister geworden.

bundesliga.de: Bayern steht in Hoffenheim davor, den Rekord des HSV einzustellen. Meinen Sie, dass das Druck auf die Münchner ausüben könnte?

Hieronymus: Den Bayern geht es sicherlich wie uns früher. Wir hätten auch eine Niederlage in Kauf genommen, wenn wir dafür die Meisterschaft schon sicher gehabt hätten. Denn schließlich ist so ein Titel für die Ewigkeit und über einen Rekord spricht man jetzt mal drüber - in der kommenden Zeit fürs erste lange nicht mehr.

bundesliga.de: Wäre der Hamburger SV vielleicht bald mal wieder so ein Kandidat?

Hieronymus: Ich lehne mich wohl nicht aus dem Fenster, wenn ich sage, dass der HSV derzeit von so einer Serie sehr weit entfernt ist. Das meine ich mit allem Respekt. Denn momentan befinden sich die Hamburger mit Bert van Marwijk auf einem sehr guten Weg. In der Situation war so ein erfahrener Trainer die richtige Entscheidung. Und man kann schon deutlich seine Handschrift erkennen. Die Mannschaft findet sich gerade neu. Ich schaue positiv in die HSV-Zukunft.

bundesliga.de: Noch einmal zurück zu Ribery. Glauben Sie, dass er bei der Wahl zum Weltfußballer des Jahres gewinnen wird?

Hieronymus: Er hat mit all den Titeln und vor allem mit der Wahl zu Europas Fußballer des Jahres ordentlich vorgelegt. Da müssen alle anderen Spieler erst einmal hinterherkommen. Das ist eigentlich nicht zu toppen. Für mich fühlt es sich schon jetzt so an, als ob Ribery der Weltfußballer ist.

bundesliga.de: Und knacken die Bayern den HSV-Rekord?

Hieronymus: Ich zähle natürlich auf Hoffenheim (lacht). Aber ich glaube eher, dass die Bayern nicht nur den Rekord brechen, sondern ihn auch noch um einiges in die Höhe schrauben werden.

Das Gespräch führte Michael Reis
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