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08.10.2013 - 08:43 Uhr


"Platz 4 ist überragend"

Jubel in Gladbach: Der Überraschungs-Coup gegen Dortmund führt Tony Jantschke, Martin Stranzl, Rouwel Brouwers und Marc-Andre ter Stegen (v.l.n.r.) und Co. auf Platz 4

Max Kruse bringt die Gladbacher mit seinem Elfmetertor gegen Dortmund in Führung und widerlegt somit die These, wonach der Gefoulte nicht selbst antreten sollte

Der überragende Gladbacher ist jedoch Keeper ter Stegen. Er pariert acht Torschüsse

Mönchengladbach - Nicht immer gewinnt im Fußball die bessere oder überlegene Mannschaft. Diese Weisheit hat Mönchengladbach im Borussen-Duell mit Dortmund eindrucksvoll bestätigt. Wie ein kleines Wunder mutete der 2:0-Erfolg der Fohlen gegen einen drückend überlegenen BVB an. Unverdient sei der Sieg gewesen, gab Trainer Lucien Favre zu. Gladbach freut sich dennoch über drei Punkte und die weiterhin weiße Weste im eigenen Stadion.
Gut eine halbe Stunde zuvor hatte sein Team den großen Favoriten aus Dortmund düpiert, doch so richtig freuen konnte sich Trainer Lucien Favre augenscheinlich nicht. Zu sehr hatte er noch an der "katastrophalen ersten Halbzeit", wie er es nannte, zu knabbern.

"So wie in der ersten Hälfte können wir nicht spielen. Es war ein Wunder, dass es zur Pause 0:0 stand", so der akribische Schweizer, der nach den ersten 45 Minuten wohl die richtigen Worte fand, um sein Team aus dem Tiefschlaf zu holen. Laut wurde er dabei nicht. Das bringe nichts, sagte er. Ruhig und sachlich habe er paar Dinge angesprochen, die es zu verbessern galt.

"So konnte es nicht weitergehen"



"Es war klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Es war nur eine Frage der Zeit, wann wir das erste Tor bekommen. Ich habe der Mannschaft gesagt, dass wir die erste Hälfte vergessen und nun endlich Fußball spielen müssen." Auch sei ihm klar gewesen, dass Dortmund dieses hohe Tempo (17:1 Torschüsse, 60 Prozent Ballbesitz) nicht über 90 Minuten halten könne.

Nach einer deutlichen Leistungssteigerung in Durchgang zwei hatten die aufopferungsvoll verteidigenden Fohlen dann das Glück auf ihrer Seite. Dortmund ließ seine Chancen liegen und die Gastgeber nutzen ihre wenigen eiskalt aus. "Wir haben zwei Tore gemacht. Das war der Unterschied", sagte Granit Xhaka kurz und trocken. So einfach ist es manchmal im Fußball.

Ter Stegen in Topform



Bedanken konnten sich die Gastgeber aber auch bei ihrem überragenden Torwart. Marc-Andre ter Stegen stand unter Dauerbeschuss, brachte die Dortmunder Angreifer jedoch mit "qualmenden Handschuhen" reihenweise zur Verzweiflung. Der 21-Jährige wehrte alle acht Schüsse auf seinen Kasten ab und hielt den Sieg somit fest.

"Was Marc kann, wissen wir alle. Heute konnte er sich mal richtig auszeichnen. Wenn die die Null steht, ist es für den Torwart und die Verteidigung besonders schön", meinte Abwehrspieler Martin Stranzl, der über 90 Minuten ob seiner vielen Rettungsaktionen wie ein "Turm in der Schlacht" wirkte. "Dass wir trotzdem gewonnen haben, kommt vor allem von unserer mannschaftlichen Geschlossenheit", gab ter Stegen das Lob ans ganze Team weiter.

"Wir sind Vierter, das ist überragend"



Wie der Sieg zustande kam, fragt am Ende der Saison ohnehin niemand mehr. Fakt ist, Gladbach hat eines der Top-Teams in Europa geschlagen und bleibt im heimischen Borussia Park eine Macht. Vier Heimspiele, vier Siege (das gab es zuletzt vor sieben Jahren unter Jupp Heynckes), 13:2 Tore - beeindruckende Zahlen.

Mit 13 Punkten können die Fohlen nun als Vierter beruhigt in die Länderspielpause gehen. In der Vorsaison standen zum gleichen Zeitpunkt 9 Punkte und Platz 13 zu Buche.

"Drei Punkte Zuhause gegen Dortmund sind ganz stark. Das war für uns wie eine kleine Revanche für den späten Ausgleich vergangene Woche in Augsburg. Jetzt sind wir Vierter. Das ist überragend", freute sich Havard Nordtveit, der in der 80. Minute in der Szene, die zum Elfmeter führte, von Mats Hummels von den Beinen geholt wurde.

"Sieg gibt Selbstvertrauen"



Am Ende konnte sich auch Trainer Favre freuen. "Mit unserer Ausbeute bin ich sehr zufrieden", um sogleich anzufügen, dass noch eine Menge Arbeit vor der Mannschaft liege.

"So ein Sieg gegen ein Top-Team muss uns Selbstvertrauen und Auftrieb geben", sagte Patrick Herrmann am Tag nach dem Überraschungscoup. Die "großen Drei" Bayern, Dortmund und Leverkusen sind bereits abgehakt. Als Nächstes geht es für Verfolger Gladbach zur Hertha nach Berlin, danach kommt Eintracht Frankfurt an den Niederrhein. Ginge es nach Martin Stranzl ("schade, dass nun Pause ist"), könne es gleich schwungvoll weitergehen. Statt mit unverdienten Wundern gerne dann wieder mit überzeugenden Leistungen und verdienten Siegen.

Aus Mönchengladbach berichtet Markus Hoffmann
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