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22.11.2013 - 15:26 Uhr


"Könnte für Götze schwierig werden"

Thorsten Fink sieht den Vorteil im Topspiel bei den Bayern - "Der FC Bayern ist in der Breite besser bestückt als der BVB"

Fink (r., im Duell mit Dortmunds Andreas Möller) spielte in seiner Karriere für beide Vereine

Mit den Münchnern gewann der 46-Jährige die Champions League und den Weltpokal, "deshalb hängt mein Herz doch ein wenig mehr am FC Bayern. Direkt danach kommt aber Borussia Dortmund"

München - Der ehemalige HSV-Trainer Thorsten Fink begann seine aktive Karriere in der Jugend von Borussia Dortmund und feierte später große Erfolge als Mitglied der Bayern-Elf, die 2001 die Champions League und den Weltpokal gewann. Im Interview mit bundesliga.de blickt Fink auf das bevorstehende Duell der beiden Top-Clubs, spricht über die beiden Trainer Pep Guardiola und Jürgen Klopp, die Verletzungssorgen beim BVB und die erstmalige Rückkehr von Mario Götze in den Signal Iduna Park.
bundesliga.de: Herr Fink, wie geht es Ihnen zwei Monate nach der Trennung vom HSV?

Thorsten Fink: Mir geht es sehr gut. Entlassungen gehören in diesem Job nun mal dazu. Wenn es etwas Positives daran gibt, dann, dass man endlich wieder mehr Zeit für die Familie hat. Ich kümmere mich sehr viel um meine Kinder, die sich freuen, dass der Papa zuhause ist. Trotzdem bin ich aber heiß darauf, bald wieder einzusteigen. Ich fühle mich in keiner Weise ausgebrannt, sondern bin voller Elan. Und ab Januar werde ich ganz bewusst einen neuen Job suchen.

bundesliga.de: Heiß hergehen wird es am Samstag auch im Gipfeltreffen zwischen Ihren beiden Ex-Clubs, dem BVB und dem FC Bayern (ab 18 Uhr im Live-Ticker). Würde ein Münchner Sieg schon eine Vorentscheidung in Sachen Meisterschaft bedeuten?

Fink: Ein Sieg der Bayern würde der Guardiola-Elf weiteren Rückenwind geben und wäre schlecht für das Selbstvertrauen der Borussen. Das könnte tatsächlich schon eine kleine Vorentscheidung sein. Andererseits wäre selbst bei einem Münchner Sieg aber noch mehr als eine Halbserie zu spielen. Und in dieser Zeit kann viel passieren.

bundesliga.de: Pep Guardiola hier, Jürgen Klopp dort: Welcher der beiden Trainer hat in dieser Saison seine Handschrift bisher deutlicher nachgewiesen?

Fink: Bei beiden erkennt man eine deutliche Handschrift. Auch dann, wenn Pep Guardiola zum Beispiel verschiedene Systeme ausprobiert. Guardiola und Klopp sind absolute Top-Trainer, die eine eigene Philosophie vertreten. Und beide sind in den vergangenen Jahren gut damit gefahren.

bundesliga.de: Ihr ehemaliger Trainer beim FC Bayern, Ottmar Hitzfeld, bescheinigt den Münchnern in der Offensive "Weltklasse" und "ein Potenzial, das kein Verein in Europa zur Verfügung hat". Sind Robben, Mandzukic, Kroos und Götze so viel höher zu bewerten als Lewandowski, Reus, Mkhitaryan, Aubameyang und Blaszczykowski?

Fink: Robben und Co. sind hervorragende Spieler, keine Frage. Aber auch den genannten Dortmundern würde ich "Weltklasse" attestieren. Viel entscheidender könnte sein, dass die Mannschaften einen unterschiedlichen Spielstil präferieren.

bundesliga.de: Das Spiel des FC Bayern ist geprägt von Ballbesitz. Hitzfeld sieht darin ein mögliches Handicap, weil das Überraschungsmoment fehlen könnte...

Fink: Das glaube ich nicht. Ballbesitz ist ein Markenzeichen der Bayern seit Jahrzehnten. Die Münchner sind es gewohnt, geduldig zu sein und den Gegner auszuspielen. Eher schon werden die mentale Verfassung am Spieltag sowie vielleicht auch die verletzungsbedingten Ausfälle den Ausschlag geben.

bundesliga.de: Der BVB muss nach Subotic mit Hummels und Schmelzer nun noch zwei weitere Abwehrspieler ersetzen. Könnten diese Ausfälle und die Dortmunder Schwäche bei Standards für die Bayern der Schlüssel zum Sieg sein?

Fink: Sicherlich ist der FC Bayern in der Breite besser bestückt als der BVB. Wenn bei den Bayern zum Beispiel Bastian Schweinsteiger ausfällt - der übrigens der Lieblingsspieler meines Sohnes ist - lässt Pep Guardiola eben Philipp Lahm auf dessen Position spielen oder er greift auf Thiago oder Martinez zurück. Bei Dortmund dagegen wird es eng, wenn Hummels und Subotic fehlen. Dort muss man möglicherweise auf Manuel Friedrich zurückgreifen, der zuletzt keine Spielpraxis hatte. So etwas kann ich mir bei den Bayern nicht vorstellen. Deshalb liegt der Vorteil bei den Münchnern.

bundesliga.de: Wie werden Ihre Sympathien am Samstag verteilt sein?

Fink: Der FC Bayern hat mir in der Vergangenheit sehr viel gegeben. Ich habe mit diesem Verein sehr große Erfolge gefeiert, deshalb hängt mein Herz doch ein wenig mehr am FC Bayern. Direkt danach kommt aber Borussia Dortmund.

bundesliga.de: Stichwort "Sympathie": Auf die Sympathie der BVB-Fans darf Mario Götze am Samstag wohl kaum hoffen...

Fink: Obwohl Mario Götze noch ein junger Spieler ist, scheint er mental bereits sehr stark zu sein. Trotzdem könnte es ein schwieriger Tag für ihn werden. Denn der BVB hat ihm sehr viel gegeben, in Dortmund ist er groß geworden. Und das wird Mario nicht so leicht abschütteln können.

Das Gespräch führte Andreas Kötter
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