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26.02.2014 - 17:31 Uhr


Berthold: "Im Abstiegskampf ist Geduld gefragt"

Am Samstag treffen die Ex-Vereine von Thomas Berthold aufeinander. Den Frankfurtern räumt er bessere Chancen ein als den Stuttgartern

"Armin Veh ist ein sehr erfahrener Trainer, der die Sache realistisch sieht", meint Berthold, der von 1991 bis 1993 bei der Eintracht spielte, ehe er zu den Schwaben wechselte (© Imago)

Um den VfB Stuttgart, wo er sieben Jahre aktiv war, macht sich der ehemalige Verteidiger mehr Sorgen

München - Beruflich geht Weltmeister Thomas Berthold längst andere Wege. Der 49-Jährige ist im Immobilien und Baugeschäft tätig. Ohne Fußball aber geht es beim 62-maligen Nationalspieler nicht. Berthold ist als Experte bei "Sport1" und "Eurosport" tätig. Die WM 2014 in Brasilien ist ein Pflichttermin für den gebürtigen Hessen, der vor allem der Bundesliga intensiv folgt.

Am Sonntag schaut der ehemalige Verteidiger besonders genau hin: Seine Ex-Clubs Eintracht Frankfurt (1991 - 1993) und der VfB Stuttgart (1993 - 2000) treffen aufeinander (Sonntag, ab 17 Uhr im Live-Ticker). "Die Eintracht", sagt Berthold, "wird es schaffen". Über den VfB macht er sich wesentlich mehr Sorgen.

bundesliga.de: Herr Berthold, am Sonntag treffen Ihre ehemaligen Clubs aufeinander. Wie sehen Sie die Situation der Eintracht und des VfB Stuttgart?

Berthold: Ich wünschte mir, die Umstände wären besser.

bundesliga.de: Um wen von beiden machen Sie sich mehr Sorgen?

Berthold: Ohne Umschweife, um den VfB.

bundesliga.de: Warum?

Berthold: Mir fällt das Wort dramatisch ein, wenn ich die vergangenen Ergebnisse sehe. Die nackten Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Vieles wurde probiert, aber es funktioniert nicht wie gewünscht. Der Abwehrblock kämpft mit Problemen, der VfB kassiert zu viele Gegentore. Das lässt sich nicht kompensieren, vor allem, weil es vorne ebenfalls nicht rund läuft. Jetzt fällt auch Vedad Ibisevic aus.

bundesliga.de: Wie sehen Sie die Chancen des VfB im Kampf um den Klassenerhalt?

Berthold: Die Partie gegen die Eintracht ist das erste von sechs Spielen gegen direkte Konkurrenten, also das erste sehr wichtige Spiel. Der VfB steht mitten im Umbruch, der Verein will mehr junge Spieler einbauen. Da braucht es eine Weile, bis sich eine neue Hierarchie herausgebildet hat. Ich denke, man hat sich gewünscht, dass das schneller geht. Das Entscheidende ist: Die Mischung muss stimmen.

bundesliga.de: Wo liegt im Abstiegskampf das größte Problem?

Berthold: Da stehen einige Fragen im Mittelpunkt. Zum Beispiel die, wie groß die Leidensfähigkeit des Umfeldes ist und das des Clubs selbst. Bei jeder Niederlage hast du weniger Argumente, selbst, wenn du auf dem richtigen Weg bist. Irgendwann ist es auch ein mentales Problem. Fest steht, der VfB muss alle Kräfte bündeln, um da raus zu kommen.

bundesliga.de: Ihre Prognose für die Eintracht sieht optimistischer aus?

Berthold: Grundsätzlich glaube ich, der Abstiegskampf wird uns Zuschauer bis zum letzten Spieltag in Atem halten. Im Fall Eintracht glaube ich, die Mannschaft ist einen ganzen Schritt weiter und gefestigter. Armin Veh ist ein sehr erfahrener Trainer, der die Sache realistisch sieht.

bundesliga.de: Vergangene Saison war die Eintracht erfolgreicher.

Berthold: Dass das kaum zu wiederholen ist, war doch allen klar. Trotzdem hätte ich die Mannschaft nicht so weit hinten erwartet. Ich denke, das ist auch der Zusatzbelastung der Europa League geschuldet. Clubs wie die Eintracht haben nicht den Kader, um auf allen Hochzeiten zu tanzen. Das Kerngeschäft bleibt die Liga, trotz des Ziels den deutschen Fußball international gut zu vertreten. Dafür macht es die Eintracht gut. Die Stimmung ist sensationell. Mindestens so sensationell sind die Zuschauerzahlen in der Europa League. Da spüre ich eine positive Stimmung.

bundesliga.de: Davon profitieren auch der 1. FC Nürnberg und der Hamburger SV.

Berthold: Wie schnell es gehen kann, zeigen der HSV und vor allem Nürnberg, das eine großartige Rückrunde spielt bisher. Wie gesagt: Im Abstiegskampf ist Geduld gefragt, manchmal mehr als man ertragen zu können glaubt.

bundesliga.de: Was hat Sie mehr geprägt, die Zeit bei der Eintracht oder in Stuttgart?    

Berthold: In Frankfurt bin ich als Jugendspieler ausgewachsen, war B-Jugend und A-Jugend-Meister. Mit 17 habe ich bei Branco Zebec den Durchbruch geschafft. Das prägt jeden Sportler sehr, der am Anfang seiner Karriere steht. In Stuttgart war ich schon weiter. Wir hatten eine gute Mannschaft und ich habe dort sehr gerne gespielt. 1997 wurden wir DFB-Pokalsieger.

bundesliga.de: Das heißt, das Duell am Sonntag ist auch für Sie ein besonderes Spiel?

Berthold (lacht): Sehr spannend ist es auf alle Fälle, das ist bei jedem zu spüren, mit dem man darüber spricht.

Das Gespräch führte Oliver Trust 

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