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20.12.2013 - 10:53 Uhr


"Hyypiä ist ein Menschenkenner"

Jens Nowotny bestritt 336 Bundesliga-Spiele für Bayer Leverkusen und den Karlsruher SC

Er bringt seine Philosophie ein, er führt die Mannschaft wirklich als Menschenkenner. Es passt einfach", sagt Nowotny über Bayer-Cheftrainer Sami Hyypiä

Als Tabellenzweiter sind Stefan Kießling (l.) und Co. erster Verfolger der Bayern

Köln - Ein Jahrzehnt lang, zwischen 1996 und 2006, war Jens Nowotny der herausragende Abwehrchef von Bayer 04 Leverkusen. Kaum jemand kennt den Verein so gut wie der heute 39 Jahre alte ehemalige Kapitän der Werkself.

Im Interview mit bundesliga.de zieht der 48-malige deutsche Nationalspieler eine Zwischenbilanz der in dieser Saison bisher gezeigten Leistungen der Rheinländer und der Bundesliga insgesamt.

bundesliga.de: Herr Nowotny, wie gut hat Ihnen die Mannschaft von Bayer Leverkusen in dieser Hinrunde bisher gefallen? Was zeichnet sie aus?

Jens Nowotny: Die Mannschaft ist gefestigt. Sie bringt gute Leistungen auf einem hohen Niveau. Okay, es gab den Ausrutscher in den beiden Spielen gegen Manchester United in der Champions League. Trotzdem hat sich die Mannschaft auf einem hohen Niveau gefestigt und still und heimlich auf Platz 2 vorgearbeitet.

bundesliga.de: Hatten Sie den Eindruck, dass die Mannschaft im letzten Spiel gegen Frankfurt ein bisschen müde und überspielt gewirkt hat?

Nowotny: Nein, das würde ich nicht sagen. Man hat ja immer mal im Laufe einer Saison ein Spiel dabei, in dem es nicht so läuft, obwohl man spielerisch im Spiel war und seine Chancen hatte. Dann fehlt das Glück, das man in anderen Spielen vielleicht hatte. So gegen Frankfurt oder gegen Braunschweig. In Braunschweig hat die Mannschaft zu Recht verloren, weil sie mit einer anderen Einstellung ins Spiel ging als gegen Frankfurt.

bundesliga.de: In der Hinrunde hat Bayer 04 sehr konstant gepunktet und vor allem auch in den vier Spielen gegen die aktuell Großen der Bundesliga (München, Dortmund, Mönchengladbach und Wolfsburg) zehn von zwölf Punkten geholt. In der Vergangenheit war es nicht immer so, dass die Mannschaft gegen die Topteams so stark gepunktet hat. Ist das eine neue Qualität von Leverkusen?

Nowotny: Eine neue Qualität erkenne ich nicht unbedingt darin, weil die Qualität auch vorher schon da war. Solche Spiele hängen auch von der Tagesform ab. Ich meine, dass das Konstrukt mit Sami Hyypiä als Cheftrainer funktioniert. Er bringt seine Philosophie ein, er führt die Mannschaft wirklich als Menschenkenner. Es passt einfach. Im Verein herrscht Ruhe. Auch nach dem Manchester-Spiel gab es in den folgenden drei, vier Tagen kein Theater mehr. Es wurde einmal angesprochen, danach war Ruhe. Die Mannschaft konnte sich auf die tägliche Arbeit konzentrieren.

bundesliga.de: In der Hinserie konnte die Mannschaft relativ wenig rotieren, was auch der geringen Kaderbreite geschuldet ist. Was erwarten Sie von der Mannschaft in der Rückrunde? Kann sie die Saison auf dem Niveau durchziehen?

Nowotny: Das glaube ich auf jeden Fall. Ich erwarte es zwar nicht, aber ich traue es ihr zu. Bayer 04 spielt jetzt in der Champions League gegen Paris St. Germain. Wenn die Mannschaft ausscheiden sollte, hat sie trotzdem für die Bundesliga und den deutschen Fußball in Europa etwas getan, worauf sie stolz sein kann. Die Mannschaft kann sich vom Erfolg in der Bundesliga tragen lassen. Und sollte Leverkusen ausscheiden, hat die Mannschaft weniger Belastungen. Die Konstellation ist also für Leverkusen die Beste, die sie haben kann. Obwohl Bayer 04 Zweiter in der Bundesliga ist und in der Champions League im Achtelfinale steht, bekommt der Verein die Anerkennung in Deutschland, auch in den Medien, nicht so. Dort wird immer vom Zweikampf Bayern gegen Dortmund gesprochen. 

bundesliga.de: Wie bewerten Sie die Gesamtsituation in der Bundesliga? Droht Langeweile, weil die Bayern übermächtig sind?

Nowotny: Nein. Ich bin Fan von gutem Fußball. Ich freue mich, wenn die Bayern tollen Fußball spielen, Trotzdem habe ich immer die Hoffnung im Hinterkopf, dass es vielleicht noch eine Mannschaft gibt, die sich aufbäumt, gegen die Bayern ein "Überspiel" macht und ihnen ein Schnippchen schlagen kann. Die Tabelle mag vielleicht nicht so spannend sein bei dem großen Vorsprung der Bayern, aber die einen hoffen, dass die Bayern stolpern, und die anderen ergötzen sich an ihrem tollen Fußball. 

bundesliga.de: Welche Teams haben Sie in der Bundesliga-Hinrunde positiv überrascht, welche negativ?

Nowotny: Negativ sind die Leistungen von Freiburg, auch wenn das keine negative Überraschung war. Ähnliches gilt für Eintracht Frankfurt. Beide Vereine merken, wie es ist, eine Doppelbelastung zu haben. In einem Wettbewerb spielen sie - wie die Eintracht in der Europa League - gut, im anderen nicht. Das sind die Erkenntnisse, dass es etwas Anderes ist, ob man international dabei ist oder nicht.

bundesliga.de: Und positiv?

Nowotny: Die Bayern sind für mich auch die positive Überraschung der Saison. Dass es so extrem gut läuft, kommt für mich schon überraschend. Sie hatten schon eine tolle Mannschaft, und alle haben sich gefragt, was da noch kommen soll. Und plötzlich spielen die Münchner solche Partien wie in Bremen, bei der ich den Eindruck hatte, sie hätten ein Trainingsspiel absolviert. Und selbst das ist schon hochgegriffen, weil sie im Training mehr zur Sache gehen. 

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski

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