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13.09.2013 - 21:31 Uhr


"Für den HSV ist alles möglich"

Otto Addo spielte für Dortmund, Mainz und Hamburg in der Bundesliga und trainiert heute die A-Jugend des HSV

Wegen mehrerer Kreuzbandrisse absolvierte Addo für den BVB in sechs Jahren nur 75 Bundesliga-Spiele, wurde mit der Borussia aber 2002 Deutscher Meister

Mit den Neuzugängen Pierre-Emerick Aubameyang (r.) und Henrikh Mkhitaryan sieht er den BVB auch nach dem Abgang von Mario Götze gut aufgestellt

Auch dem HSV um Kapitän Rafael van der Vaart traut der 38-Jährige trotz des durchwachsenen Saisonstarts einiges zu: "Es wird eine Saison, in der alles passieren kann"

Köln - Mit Borussia Dortmund wurde Otto Addo im Jahr 2002 Deutscher Meister. Beim Hamburger SV ließ er seine Karriere ausklingen. Danach wurde der frühere Bundesliga-Profi (98 Spiele und 11 Tore für Dortmund, Mainz und den HSV) Trainer. Momentan coacht er die A-Jugend des HSV. Im Interview mit bundesliga.de spricht der heute 38-Jährige über das Duell seiner beiden Ex-Vereine Dortmund und Hamburg am kommenden Samstagabend.
bundesliga.de: Herr Addo, was für eine Partie erwarten Sie am Samstagabend zwischen dem BVB und dem HSV?

Otto Addo: Ich erwarte einen offenen Schlagabtausch. Der BVB hat alle Spiele gewonnen und ist sicherlich in einer guten Form. Von den Ergebnissen lief es bis jetzt optimal. Aber auch der HSV hat zuletzt aufsteigende Form gezeigt. Ich weiß nicht, ob die Länderspielpause gerade passend kam. Aber gegen Braunschweig hat der HSV souverän gewonnen. In der Vergangenheit haben sich die Hamburger wie auch beim Schalke-Spiel gegen die vermeintlich stärkeren Gegner einfacher getan. Ich bin gespannt auf das Spiel.

bundesliga.de: In der letzten Saison war das auch bereits so, als die Hamburger den BVB zweimal geschlagen haben. Liegt Dortmund dem HSV?

Addo: Absolut. Der HSV tut sich einfacher gegen Mannschaften, die mitspielen. Dazu gehört auch Dortmund. Natürlich wird es für den HSV in Dortmund sehr schwer, weil Dortmund in seiner Mannschaft eine individuelle Klasse hat, die höher ist als beim HSV. Trotzdem ist alles möglich.

bundesliga.de: Glauben Sie, dass die Borussia den Abgang von Mario Götze durch die beiden Neuverpflichtungen Pierre-Emerick Aubameyang und Henrikh Mkhitaryan kompensieren konnte?

Addo: Aus meiner Sicht hat der BVB bei diesen Transfers ein gutes Händchen bewiesen. Sie können in die Fußstapfen von Götze treten. Das hat Mkhitaryan im letzten Spiel mit seinen beiden Toren gezeigt. Auch Aubameyang stufe ich als absolute Verstärkung der Mannschaft ein. Er ist einer der schnellsten Spieler der Bundesliga und hat einen guten Abschluss und seine Tore schon gemacht.

bundesliga.de: Trauen Sie dem BVB auch zu, in diesem Jahr um den Titel mitzuspielen?

Addo: Klar. Das hat man im Supercupspiel gegen die Bayern gesehen, als sie gegen Bayern München absolut mithalten konnten. Wenn sie gut drauf sind, können die Dortmunder jeden Gegner schlagen, auch Bayern München.

bundesliga.de: Der Hamburger SV scheint dagegen in diesem Jahr eine Art Wundertüte zu sein. Sie haben das gute Spiel auf Schalke angesprochen, gegen Braunschweig wurde überzeugend gewonnen, gegen Hoffenheim dagegen gab es eine 1:5-Klatsche. Wie ist die Stimmung in Hamburg, nachdem sie zuletzt doch sehr gereizt zu sein schien?

Addo: Nach dem letzten Sieg ist sie wieder besser. Leider ist es in Hamburg nie ruhig, es besteht ein sehr großes Medieninteresse. Ich hoffe, dass der HSV jetzt alles in den Griff kriegt, nachdem gegen Braunschweig der erste Schritt gemacht wurde.

bundesliga.de: Letztes Jahr wurde der HSV nach einer ähnlich turbulenten Saison Siebter. Jetzt lautet das Ziel internationaler Wettbewerb, obwohl nach dem Abgang von Heung Min Son der Kader nicht unbedingt besser geworden ist. Ist das aus Ihrer Sicht realistisch?

Addo: Das kann ich schwer beurteilen, ich bin ja nicht jeden Tag an der Mannschaft dran. Man sollte von Woche zu Woche schauen. In Hamburg herrscht der Anspruch, internationalen Fußball zu bieten. Aber das ist schwierig, wenn das Geld nicht so in dem Maße da ist. Es wird eine Saison, in der alles passieren kann.

bundesliga.de: Wo sehen Sie die Stärken des HSV?

Addo: Die Stärke des HSV ist das schnelle Spiel nach vorne, so wie sie es gegen Braunschweig gezeigt haben. Oder die Zweikampfstärke, die gegen Schalke zu sehen war. Sie können es richtig gut, wenn sie so dagegen halten und mit dem schnellen Spiel nach vorne Akzente setzen. Dazu brauchen sie die nötige Sicherheit und sie müssen kompakt stehen.

bundesliga.de: Sie haben für beide Clubs gespielt und sind jetzt beim HSV A-Jugend-Trainer. Wie ist Ihr Verhältnis zu den beiden Vereinen, wem drücken Sie am Samstag mehr die Daumen?

Addo: Ich habe für beide Mannschaften sehr viele Sympathien. Beide sind fest in meinem Herzen verankert. Es ist schwierig für mich. Aber in dem Fall, auch als Angestellter des HSV, wünsche ich mir einen Punkt für den HSV. Dennoch hoffe ich, dass Dortmund Meister wird.

bundesliga.de: Haben Sie noch Kontakt zu Jürgen Klopp, der einst in Mainz Ihr Trainer war?

Addo: Nicht regelmäßig. Man sieht sich aber hier und da, zuletzt beim Benefizspiel "Tag der Legenden".

bundesliga.de: Sie sind selbst aktuell Trainer der A-Jugend des HSV. Ist die Bundesliga ein Ziel von Ihnen?

Addo: Die Arbeit macht mir sehr viel Spaß. Im Fußball kann immer alles passieren. Als Trainer ist es schwierig, die Zukunft zu planen. Fakt ist, dass ich froh bin, beim HSV als A-Jugend-Trainer arbeiten zu dürfen. Ich kann mir auch vorstellen, das die nächsten 20 Jahre zu machen. Aber natürlich ist auch immer der Reiz da, das Möglichste zu erreichen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski
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