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26.07.2013 - 15:21 Uhr


"Dortmund hat Qualität dazu bekommen"

Welt- und Europameister Andreas Mölller traut seinem Ex-Verein Borussia Dortmund den Gewinn des Supercups zu

Andreas Möller (r., gegen Thorsten Fink) spielte neun Jahre für Borussia Dortmund und gewann mit dem BVB unter anderem die Champions League

Mit der Nationalmannschaft holte er 1990 in Italien den WM-Titel und sechs Jahre später in England die Europameisterschaft

Brühl - Vor 24 Jahren erzielte Andreas Möller das entscheidende Tor im Supercup zwischen Borussia Dortmund und Bayern München. Damals gewann der BVB als Pokalsieger gegen den Meister FC Bayern mit 4:3. In diesem Jahr kommt es zur Neuauflage. Wieder geht die Borussia als Außenseiter in die Partie gegen den Triple-Gewinner. Und obwohl Andy Möller die Frühform der Münchener im Interview mit bundesliga.de: als "beängstigend" bezeichnet, glaubt er an seinen Sieg "seiner" Borussia.
bundesliga.de: Am Samstag treffen Borussia Dortmund und Bayern München im Supercup aufeinander. Nimmt man die Leistungen der letzten Testspiele, müssten die Bayern dann Favorit sein?

Andreas Möller: Die Bayern präsentieren sich in dieser frühen Phase der Saison bereits beängstigend gut. Die machen genau da weiter, wo sie in der letzten Saison aufgehört haben. Es ist jedem klar, dass auch in der kommenden Spielzeit die Titelvergabe nur über Bayern München geht. Die Mannschaft hat eine unglaubliche Qualität. Ich hoffe dennoch, dass es ein bisschen spannend bleibt und "mein" BVB es ein bisschen offener gestalten kann.

bundesliga.de: Wie stark ist der Kader des FC Bayern?

Möller: Der Kader der Bayern ist wieder erstklassig besetzt. Es ist ganz egal, wer spielt. Denn auch und gerade die Spieler, die vermeintlich in der zweiten Reihe stehen, wollen sich zeigen und sind doppelt motiviert. Die rennen bestimmt doppelt so viel wie die so genannten Superstars oder teuren Einkäufe und wollen unbedingt in die Mannschaft kommen.

bundesliga.de: War es in der vergangenen Saison vielleicht das größte Verdienst von Trainer Jupp Heynckes, die Stars bei Laune gehalten und dafür gesorgt zu haben, dass niemand aus der Reihe tanzte?

Möller: Genau. Bei einer Spitzenmannschaften ist es für einen Trainer immer die große Kunst, dass man alles so zusammenfügt, dass der Erfolg im Vordergrund steht und nicht das Schicksal des einzelnen Spielers. Der Erfolg des einzelnen Spielers geht nur über den Erfolg der Mannschaft. In der Vergangenheit war das auch schon so. Viele Spieler, mit denen ich zusammengespielt habe, wurden Nationalspieler, weil die Mannschaft so erfolgreich war. Gerade zu der erfolgreichen Zeit in den neunziger Jahren bei Borussia Dortmund. Das gilt auch für Underdogs. Wenn eine Überraschungsmannschaft auf einmal oben mitspielt, werden auch einige Spieler interessant. Diese Spieler werden dann auch in den Fokus gerückt. Der Trainer einer Spitzenmannschaft muss nicht nur die Spieler bei Laune zu halten, sondern auch dafür sorgen, dass jeder Spieler dem Erfolg alles unterordnet. Bei den Bayern kann neben dem Coach auch ein Mann wie Matthias Sammer dies glaubwürdig rüberbringen. Auch in Dortmund ist das auch so. Da waren Spieler wie ein Santana hinten dran. Und der macht dann in einem wichtigen Spiel wie gegen Malaga auch mal das entscheidende Tor.

bundesliga.de: Welchen Stellenwert hat der Supercup?

Möller: Der Supercup ist zwar ein offizieller Titel, die Vereine befinden sich aber trotzdem noch in der Vorbereitung. Ich glaube nicht, dass in dem Spiel schon alle Karten auf den Tisch gelegt werden. Das ist ein guter Test. Die Bayern kommen mit ihrem neuen Trainer Pep Guardiola nach Dortmund. Er hat eine unglaubliche Aura. Und er bekommt auch eine sehr starke Mannschaft. Man muss abwarten, wie schnell das alles ineinandergreift. Die Bayern haben ja schon in der letzten Saison fast perfekt gespielt. Ob man das noch einmal toppen kann? Das Ziel kann nur heißen, das Niveau zu halten. An Bayerns neuem Trainer und auch dem neuen Star Thiago sieht man, wie gut die Bundesliga aufgestellt ist und wie attraktiv sie ist.

bundesliga.de: Neben den Bayern scheint sich auch Borussia Dortmund gut verstärkt zu haben. Was halten Sie von den Neuzugängen Mkhitaryan und Aubameyang?

Möller: Henrikh Mkhitaryan ist ein Superspieler. Ich habe ihn schon seit zwei, drei Jahren im Auge. Ein fantastischer Offensivspieler. So ein Transfer war nur möglich, weil der Verein durch den Verkauf von Mario Götze sehr viel Geld eingenommen hat. Normalerweise ist es utopisch, so einen Spieler der Extraklasse zu bekommen. Auch Pierre-Emerick Aubameyang ist noch nicht so bekannt. Aber wie er sich bewegt und wie er sich gibt und die Art und Weise wie er spielt, das alles ist schon stark. Dortmund hat Götze nicht nur ersetzt, der Verein hat Qualität dazu bekommen. Das sind Pfeile. In Verbindung mit Marco Reus oder Robert Lewandowski hat die Borussia nun eine Offensivabteilung, vor der anderen Mannschaften großen Respekt haben werden. Das sind ganz tolle Spieler. Mit ihnen kann und wird meiner Meinung nach der BVB auch den Supercup gewinnen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski
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