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Bundesliga

27.04.2014 - 20:40 Uhr


Darüber spricht die Liga: Glaube versetzt Berge

München - In Rom haben sich am Sonntag fast eine Million Menschen versammelt, um die Heiligsprechung der Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. zu feiern. Und auch die Gläubigen der Bundesliga-Gemeinde haben sich an diesem Wochenende noch einmal eingeschworen - mit Brandreden, Wunderheilern, Flüchen und Fußballgöttern. Darüber spricht die Liga am 32. Spieltag.

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Der Bischof von Bayern

Beim FC Bayern München ist Thomas Müller (Foto: © Imago) nicht nur für Flanken und Tore verantwortlich, sondern auch für klare Worte. Nach dem mühsamen 5:2 über Werder Bremen (Nachbericht) hatte der ehemalige Messdiener deshalb gleich schon wieder das wichtige Rückspiel gegen Real Madrid im Blick und holte die versammelten Pressevertreter mit einer hochemotionalen Predigt ins Boot: "Für uns zählt der Dienstag. Bis dahin brauchen wir volle Unterstützung: von allen, auch rundherum um den Verein, auch von den Medien, von der Presse. Wir sind alle Deutsche. Wenn wir es am Dienstag nicht schaffen sollten, dann könnt ihr uns von mir aus zerlegen. Aber vorher brauchen wir Unterstützung", appellierte der Nationalspieler an ganz Fußballdeutschland. Teamkollege Thiago kann derweil auf ein eigenes kleines Wunder hoffen. Denn nach einem Syndesmoseriss war die Saison für den Spanier eigentlich bereits beendet. Jetzt ist der 23-Jährige aber doch schneller als gedacht ins Lauftraining zurückgekehrt (Meldung) - sein Einsatz in den Endspielen um den Pokal und die Champions League scheint damit wieder möglich.

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Ora et labora

Der Hamburger SV hat in dieser Woche eigentlich alles versucht, um im Kampf um den Klassenerhalt endlich auch mal wieder auswärts zu punkten. "Ich bete jeden Tag für unsere Rettung", verkündete Mittelfeld-Messias Hakan Calhanoglu. Doppelt genäht hält aber bekanntlich besser. Und so hat Trainer Mirko Slomka sein Team noch um einen weiteren Betreuer erweitert - einen metaphysischen Geistheiler und Bioenergetiker. Das benötigte Allheilmittel gegen Abstiegssorgen hat der Fachmann jedoch nicht gleich mitgebracht, nach dem 1:3 beim FC Augsburg (Spielbericht) ist die Angst größer denn je. Gelesen ist die Messe hingegen aus Sicht des SC Freiburg, der am Sonntagabend noch Grund zum Feiern hatte. Schließlich bedeutete die angesprochene 19. Saisonpleite der Rothosen in der SGL arena für die Mannschaft von Chefcoach Christian Streich bereits zwei Spieltage vor Schluss die Rettung. Dass man die Partie des Rivalen ganz entspannt gemeinsam vor dem TV verfolgen würde, darüber waren sich die Profis des Tabellenzwölften dabei von vornherein einig. Und das allein schon aus praktischen Motiven: "Es wäre komisch, wenn wir alle alleine daheim vorm Fernseher sitzen und uns dann ne Rundmail mit 'Herzlichen Glückwunsch' schreiben würden", befand Kapitän Julian Schuster nach dem eigenen 2:2 beim VfL Wolfsburg mit einem Schmunzeln.

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Die Hoffnung stirbt zuletzt

Man darf den Glauben an die Wende zum Guten nie aufgeben. Ein Musterbeispiel dafür ist Eintracht Braunschweig. Die Niedersachsen stehen mittlerweile bereits seit 20 Spieltagen ununterbrochen am Tabellenende, haben bei Hertha BSC am Samstag die dritte 0:2-Niederlage in Serie kassiert (Spielbericht) - und wollen dennoch weiter kämpfen: "Wir machen trotzdem weiter, weil wir an diese Dinge glauben, die es im Fußball gibt und die manchmal nicht erklärbar sind", sagte Trainer Torsten Lieberknecht, der mit seinen Löwen nach wie vor nur zwei Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz hat. Den hat der 1. FC Nürnberg eigentlich ebenfalls noch im Visier. Trotz der Trennung von Chefcoach Gertjan Verbeek war die beinahe biblische Niederlagenserie des "Clubs" aber auch beim 1. FSV Mainz 05 nicht aufzuhalten (Topdaten). Nachfolger Roger Prinzen hatte bloß drei Tage, um das Team auf die wichtige Partie bei den Rheinhessen vorzubereiten. Um Wasser in Wein zu verwandeln, war das wohl zu wenig. "Es war klar, dass Prinzen kein Wundertrainer ist, der nur mit den Fingern schnippt und wir gewinnen dann in Mainz", analysierte Schlussmann Raphael Schäfer die immer aussichtsloser wirkende Situation.

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Der Fußballgott ist mit den Tüchtigen

Fast wäre Eintracht Frankfurts Keeper Kevin Trapp am Samstag vom Glauben abgefallen. Denn beim 0:0 der Hessen bei 1899 Hoffenheim verschuldete der Schlussmann erst unglücklich einen Strafstoß, um diesen Fehler dann im direkten Duell mit Roberto Firmino bärenstark wieder wettzumachen. Dabei hatte sich der 23-Jährige im Vorfeld noch auf einen ganz anderen Schützen eingestellt: "Auf der Busfahrt ins Stadion habe ich mir alle Elfer von Sejad Salihovic angeschaut", gestand die Nummer 1 der SGE, die nun stolze sieben von 13 Elfmetern gegen sich gehalten hat (Topdaten). Dass statt des gefürchteten Bosniers ein Brasilianer verschossen hat, wertete er im Nachhinein als Nachweis göttlichen Beistands: "Vielleicht gibt es ja doch einen Fußballgott." Und wenn dem so sein sollte, dann scheint gewissenhafte Vorbereitung ein gutes Mittel zu sein, um ihn für sich zu gewinnen...

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Wiederauferstehung am Rhein

Obwohl Ostern nun schon einige Tage vorbei ist, hält sich der Glaube an die Wiederauferstehung in Teilen des Rheinlands weiter hartnäckig. Bei Bayer Leverkusen zum Beispiel. Immerhin ist die Werkself am Samstag auch im dritten Spiel unter Interimscoach Sascha Lewandowski ungeschlagen geblieben - doch damit nicht genug: Beim 2:2 gegen Borussia Dortmund (Spielbericht) gelang auch spielerisch wieder deutlich mehr als noch vor drei Wochen. "Ich war am Anfang selber verwundert, wie wir hier aufgetreten sind. Wie sich die Mannschaft in den letzten zwei Wochen geändert hat, ist schon unglaublich. Wir waren wirklich tot", staunte Keeper Bernd Leno (Foto: © Imago). Allein Außenverteidiger Roberto Hilbert war immer noch im Tal der Tränen. "Auf mir liegt ein Fluch. Es tut mir leid", beklagte sich der 29-Jährige, der zuvor bereits zum fünften Mal in dieser Saison einen Strafstoß verschuldet hatte - das gab es zuletzt vor 20 Jahren.

Stefan Missy

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