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09.05.2013 - 19:28 Uhr


Treskows Meisterwerk: Die Geschichte der Meisterschale

Das Objekt der Begierde für alle Fußballer in Deutschland: Die Meisterschale

Und hier kommt sie her: Unweit der ehemaligen Werkschulen wurde ein Platz nach der 1992 verstorbenen Schöpferin der Schale, Elisabeth Treskow, benannt

Die Goldschmiede Slabohm und Mertens beantragten dies - aus Bewunderung für Treskows Werk

Der FC Bayern bekommt als Meister erneut einen Platz auf der Schale: Ein Klick führt zur Bildergalerie der Gravur

Inniger Kuss: So herzte BVB-Kapitän Sebastian Kehl die Schale im letzten Jahr

Im Jahr davor war es Roman Weidenfeller (M.), der das begehrte Stück als erster hieven durfte. In diesem Jahr ist wohl Philipp Lahm der Glückliche

München - "Wenn du die Meisterschale überreicht bekommst, dann bist du Meister." Dieses Zitat stammt von keinem Geringeren als Deutschlands Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer. Und er muss es wissen, schließlich ist er als Spieler fünf Mal Deutscher Meister geworden. Als Kapitän des FC Bayern München reckte er von 1972 bis 1974 drei Mal in Folge die Meisterschale als erster in die Höhe.
Am Samstag wird Bayerns aktueller Spielführer Philipp Lahm die Schale in Empfang nehmen. Es ist der Höhepunkt jeder Bundesliga-Saison und der Lohn für starke Leistungen und harte Arbeit. Doch auch wenn auf der Schale alle deutschen Meister seit 1903 eingraviert sind, gab es eine Zeit, in der deutsche Meistermannschaften nicht mit der legendären "Salatschüssel" ihre Ehrenrunden drehten.

Erste Meister-Trophäe ging im Krieg verloren



Der VfB Leipzig bekam 1903 als erster Deutscher Fußballmeister die Victoria überreicht, eine bronzene Statue, mit der alle Meister bis einschließlich 1944 geehrt wurden. In den Wirren des zweiten Weltkrieges ging der Wanderpokal verloren. Der 1. FC Nürnberg musste die erste Deutsche Meisterschaft der Nachkriegsjahre 1948 ohne Pokal feiern. Um zu verhindern, dass der Deutsche Meister 1949 ebenfalls mit leeren Händen auf dem Siegerpodest steht, wurde die renommierte Goldschmiedin Elisabeth Treskow mit der Anfertigung eines Ehrentellers beauftragt.

Die gebürtige Bochumerin leitete seit 1948 die Gold- und Silberschmiedeklasse der Kölner Werkschulen. Sie entwarf das charakteristische Design der Meisterschale und fertigte sie mit ihren Schülern an. Die ursprüngliche Schale hatte einen Durchmesser von 50 Zentimetern. Treskow und ihre Schüler verarbeiteten 5,5 Kilogramm Sterlingsilber sowie 16 Turmaline mit insgesamt 175 Karat.

Zu viele Meister: 1981 kommt ein Ring dazu



Um Platz für weitere Meister zu garantieren, wurde die Schale 1981 um einen äußeren Ring erweitert. Heute wiegt die Meistertrophäe elf Kilogramm und hat einen Durchmesser von 59 Zentimetern. Der DFB beziffert den Wert der wahrscheinlich teuersten Salatschüssel der Welt auf 25.000 Euro. Treskows Kreation ist aus dem deutschen Fußball nicht mehr wegzudenken und steht - das bezeugt auch Beckenbauers Zitat - synonym für die deutsche Meisterschaft. Eine Titelfeier ohne Schale? Undenkbar!

Treskows Einstellung zu ihrer Kunst machte sie zur perfekten Schöpferin der Meistertrophäe des deutschen Fußballs, denn für sie war, wie das folgende Zitat belegt, Erfolg immer mit harter Arbeit verbunden: "Meine Versuche, zu warten bis die Musen mich küssten, sind immer fehlgeschlagen. Ich glaube, sie küssen lieber die, denen der Schweiß heißen Bemühens die Stirn feuchtet, als jene, die ihre Ankunft untätig schwärmend erwarten." Dieses "heiße Bemühen" hatten alle Deutschen Meister seit 1949 gemeinsam. Zum Lohn gab es zwar keine Musen-Küsse, dafür aber die Meisterschale.

In Köln ist ein Platz nach Treskow benannt



In Köln ist heute ein Platz unweit der ehemaligen Werkschulen nach der 1992 im Alter von 94 Jahren verstorbenen Elisabeth Treskow benannt. Eines der wenigen Häuser unter dieser Adresse ist eine Goldschmiede. Das ist kein Zufall: Die Goldschmiede Slabohm und Mertens beantragten die Vergabe von Treskows Namen für diesen Platz im Jahr 2006. Sie bewundern ihre Arbeit noch heute. Auch wegen dieser Salatschüssel, die sie 1949 mit ihren Studenten anfertigte.

Florian Reinecke
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