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29.01.2013 - 10:40 Uhr


Tragisch, traurig, Molinaro

Wieder am Boden: Der VfB verliert gegen Bayern das dritte Mal in Folge

Cristian Molinaro (l.) leitet mit seinem zu kurzen Rückpass auf Keeper Sven Ulreich die 0:2-Pleite ein

Den negativen Schlusspunkt setzt Martin Harnik (l.) mit seinem Platzverweis

Stuttgart - Es gibt in Stuttgart kaum jemanden, der ihn nicht mag. Freundlich, fleißig und mittlerweile sogar fit in der deutschen Sprache ist Cristian Molinaro in Stuttgart so richtig angekommen. Deshalb war es am Sonntagabend in den Katakomben der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena auch für jeden Anwesenden irgendwie selbstverständlich, dass der italienische Außenverteidiger geduldig auf alle Fragen über die 50. Spielminute beantwortete.
Da nämlich hatte Molinaro mit einem katastrophalen Rückpass die Stuttgarter 0:2-Niederlage gegen keineswegs überragende Bayern eingeleitet. Mario Mandzukic nahm das Geschenk dankend an. Der Sieg der Münchner war fast schon eingetütet.

Rückendeckung für Molinaro



"Es tut mir sehr leid", diktierte Molinaro den Journalisten in die Blöcke - und gerade weil er in Stuttgart so beliebt ist, war auch jeder seiner Mannschaftskameraden emsig darum bemüht, ihm auf keinen Fall einen Vorwurf zu machen. "Molinaro ist ein wichtiger und erfahrener Spieler", meinte Torhüter Sven Ulreich. "Er hat schon viele gute Spiele für uns gemacht", ergänzte Youngster Raphael Holzhauser. Nur einer ließ seinen Gefühlen freien Lauf. "Sch..., habe ich gedacht", sagte Georg Niedermeier. Ein wahres Wort gelassen ausgesprochen.

In der Tat war der Rückstand in der 50. Minute bereits der "Genickbruch" für die Schwaben, wie es Trainer Bruno Labbadia später formulierte. Bis dahin hatten sie ein defensives Bollwerk errichtet, das von den Bayern, denen es lange an Ideen mangelte, nicht zu durchdringen war. Die "Zielstrebigkeit" habe in der ersten Halbzeit gefehlt, analysierte Bayern-Coach Jupp Heynckes später fachlich korrekt. Vor allem auf der linken Seite zeigte das VfB-Talent Antonio Rüdiger in seinem erst fünften Bundesliga-Spiel gegen Franck Ribery eine starke Leistung und ließ den Franzosen kaum zur Entfaltung kommen. Und auch auf rechts war von Thomas Müller lange nicht viel zu sehen.

Ulreich sieht eine "richtig gute" erste Halbzeit



Der VfB machte in der ersten Halbzeit vieles richtig und das zumindest defensiv das Beste aus seiner Außenseiterrolle. Auch deswegen waren die Spieler nicht gänzlich unzufrieden. "Die erste Hälfte war richtig gut, wir haben keinen Torschuss zugelassen", sagte Ulreich. "Da haben wir das Beste rausgeholt", meinte Torjäger Vedad Ibisevic, der über die 90 Minuten allerdings beinahe unsichtbar war. Und damit auch für das große Manko stand, mit dem der VfB derzeit zu kämpfen hat.

Torgefahr, Ideen, Kreativität, schnelle Bälle in die Spitze - das alles vermisste man bei den Stuttgartern. Einzig Martin Harnik traf vor der Pause den Innenpfosten. Nach dem 0:1-Rückstand gelang es den Schwaben aber überhaupt nicht mehr, gefährlich vor dem Tor von Manuel Neuer aufzutauchen. Man hatte nie den Eindruck, als könnte das Starensemble von der Isar noch einmal in Gefahr geraten.

Hoffnungen ruhen auf Macheda



Nach wie vor haben die Stuttgarter niemanden in ihren Reihen, der für die genialen Momente sorgt. Niemanden, der einmal ein entscheidendes Dribbling gewinnt, einen öffnenden Ball spielt, das Spiel lenkt und leitet. Gegen die Bayern durfte sich erst der Japaner Shinji Okazaki, später dann Holzhauser in dieser Rolle versuchen - von beiden war nicht viel zu sehen. Und da auch der Ungar Tamas Hajnal im Leistungsloch verharrt, bleibt zu oft nur biedere Hausmannskost.

Nicht nur wegen seines Fauxpas, auch deswegen war Molinaro am Ende des Tages ein gefragter Gesprächspartner. Denn unter der Woche hatten die Stuttgarter Molinaros Landsmann Federico Macheda verpflichtet, einen Stürmer aus der B-Mannschaft von Manchester United. Er ist so etwas wie die personifizierte Hoffnung auf spielerische Klasse im Schwabenland - gilt allerdings als noch nicht fit genug. Molinaro war da anderer Meinung: "Er kann spielen", meinte er. Spätestens da sah man wieder Hoffnung in seinen Augen.

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer
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