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17.02.2013 - 19:34 Uhr


Stürmerlos glücklich

Ilkay Gündogan (l.) verhalf dem BVB gegen Frankfurt durch seine große Übersicht zu offensiven Freiheiten

Die Freude über den hart erarbeiteten und schön erspielten Sieg bei den Dortmundern war nach der Partie riesig

"Das war schon eine herausragende Leistung von ihm", sagte BVB-Sportdirektor Zorc über die Leistung von Marco Reus

Dortmund - Ilkay Gündogan hatte es nach dem Abpfiff eilig, vom Platz zu kommen. Schnell runter - und dann nichts wie raus aus den Schuhen. Dass der gestauchte Zeh immer noch Schmerzen bereitet, hatte man dem Mittelfeldlenker in den 90 Minuten zuvor allerdings nicht ansatzweise angemerkt. Neben Marco Reus mit seinem Dreierpack und seinem kongenialen Offensivpartner Mario Götze mit zwei Vorlagen war Gündogan einer der Erfolgsgaranten beim souveränen 3:0-Erfolg des BVB über Eintracht Frankfurt.
Dass die Dortmunder sich eindrucksvoll für die 1:4-Heimpleite der Vorwoche rehabilitierten und dieses Mal sogar in Unterzahl dominant auftraten, war auch der Rückkehr des Nationalspielers zu verdanken. "Bis Freitagnachmittag habe ich gar nicht gedacht, dass er überhaupt reicht für mich", gestand "Illy" nach der Partie.

"Was Gündogan und Bender gelaufen sind, ist unfassbar"



Im Mittelfeld ständig präsent und aufmerksam in der Defensive, legte Ilkay Gündogan gemeinsam mit Sven Bender die Basis für eine siegreiche Partie, in der die Eintracht durch das Zentrum kaum einmal gefährlich wurde. Gerade nach dem Platzverweis bedeutete dies einen erheblichen Aufwand. "Was Gündogan da zusammen mit Bender im zentralen Mittelfeld gelaufen ist, das ist unfassbar", lobte Sportdirektor Michael Zorc.

Dazu setzte Gündogan die Offensivspieler immer wieder mit guter Übersicht und noch besser getimten Pässen ein. Seine Zuspiele waren es, die Mario Götze zum ersten und dritten Tor durch Marco Reus weiter verarbeiten konnte. Jürgen Klopp lobte die Treffer wahlweise als "sensationell herausgespielt" oder "überragend herausgespielt".

In Unterzahl ein klares Torchancenplus



Der Trainer hatte seiner Mannschaft gegen die spielstarken und offensiv ausgerichteten Hessen wieder hohes Tempo und ein aggressives Pressing verordnet - und das zeigte Wirkung. Der BVB machte schon tief in der Frankfurter Hälfte Druck und wurde mit dem frühen Doppelpack zur 2:0-Führung nach zehn Minuten belohnt.

Zwei Treffer, die der Mannschaft dann auch in Unterzahl anders als noch gegen Wolfsburg und Hamburg die nötige Sicherheit gaben, weiterhin souverän aufzutreten und nicht wieder in Hektik zu verfallen. In den ersten 20 Minuten nach der Pause verbuchte der BVB in Unterzahl 6:0-Torschüsse gegen ratlose Frankfurter. "Sonst hat uns in diesen Situationen immer die nötige Ruhe gefehlt, aber das war dieses Mal komplett anders. Wir standen defensiv sehr sicher. Zugleich haben wir nach vorne immer wieder gute Aktionen gesetzt", analysierte Marco Reus.

Der Nationalspieler selbst konnte sich nach seinem Dreierpack vor Lob kaum retten "Wir wissen ja, was er kann. Aber das war absolute Extraklasse", strahlte Michael Zorc. Zum siebten Mal erzielte Reus für den BVB in dieser Saison die 1:0-Führung, rannte mit 11,6 Kilometern mehr als der laufstärkste Frankfurter, brillierte als abschlussstarker Vollstrecker und schraubte seine Bilanz auf elf Tore in dieser Spielzeit. Zusammen mit Bayerns Thomas Müller ist er der torgefährlichste Mittelfeldspieler der Bundesliga.

Dortmund beweist sich selbst, wie es gehen kann



Zugleich stellte der 23-Jährige zusammen mit Götze unter Beweis, wie im Dortmunder Spiel eine Zukunft ohne den umworbenen Robert Lewandowski aussehen könnte. Ohne den gesperrten Polen und ohne den schon nach einer halben Stunde vom Platz gestellten Julian Schieber sorgten auch die beiden wahrlich nicht sonderlich groß gewachsenen, aber wendigen, trickreichen und schnellen Offensivspieler immer wieder für brandgefährliche Aktionen.

Eine spielende Spitze a la Messi als Alternative für die Zukunft - und vor allem als Modell für die nächste Partie in Mönchengladbach. Dass auch die Mitspieler des Zauberduos vollstes Vertrauen in diese Variante haben, machte Neven Subotic schon einmal deutlich: "Wir haben offensiv ganz viel Qualität, da könnten wir gut so ähnlich spielen wie Spanien oder der FC Barcelona."

Subotic selbst lieferte nach langer Verletzung bei seinem ersten Pflichtspiel in diesem Jahr eine grundsolide Leistung ab. An seiner Seite fand auch Mats Hummels nach dem katastrophalen Auftritt gegen den HSV zurück zu alter Stärke und erwies sich mit seiner Vorlage zum zweiten Tor auch wieder als der erhofft kreative Kopf der Abwehr.

Julian Schieber muss getröstet werden



Viele Gewinner also in Dortmund - und doch gab es einen tief enttäuschten Verlierer. Julian Schieber hatte sich als Lewandowski-Ersatz so viel vorgenommen für seinen zweiten Startelf-Einsatz der Saison. Doch nach acht Ballkontakten, drei Pässen und einem gewonnenen Zweikampf war nach 31 Minuten Schluss - dank zweier Fouls, die Schiedsrichter Felix Brych innerhalb von vier Minuten zwei Mal mit Gelb und damit mit einem Platzverweis bedachte.

Somit mussten Gündogan und Co. nach einem somit nur fast perfekten Abend auch noch Aufbauarbeit für den Mitspieler leisten, der zumindest mit ansehen durfte, wie wunderbar das Kollektiv des BVB auch in Unterzahl funktionieren kann.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte
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