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28.12.2012 - 13:46 Uhr


Spurensuche Grotenburg-Kampfbahn

Werner Vollack blickt in die Krefelder Grotenburg, die 1986 Fußball-Geschichte erlebte

Ursprünglich war das Stadion für Leichtathletik-Wettkämpfe gebaut worden und trug den Namen Kampfbahn

Werner Vollack spielte als Torwart für Bayer Uerdingen, Eintracht Trier, Stuttgarter Kickers, FC Homburg und Schalke 04

Mit seinen hoch aufragenden Flutlichtmasten versprüht die Grotenburg auch heute noch das Flair der 80er Jahre

Krefeld - Es war ein Spiel für die Ewigkeit. Mit dem 7:3-Sieg gegen Dynamo Dresden im Viertelfinale des Europapokals der Pokalsieger wurde 1986 in Krefeld Geschichte geschrieben. Unvergessen bleibt als "Wunder von Uerdingen" eine der wohl spektakulärsten Aufholjagden aller Zeiten im deutschen Fußball. Schauplatz war die Grotenburg-Kampfbahn, von 1971 an die Heimat des FC Bayer 05 Uerdingen, der insgesamt 14 Jahre in der Bundesliga spielte.
Wenn er an die alten Zeiten denkt, kommt Werner Vollack ins Schwärmen. Sein Blick schweift über den Rasen des alt-ehrwürdigen Grotenburg-Stadions, auf dem er das größte Highlight seiner Karriere erlebt hat. "Wir waren eine verschworene Truppe, es passte einfach alles. Das Spiel gegen Dresden kann man nicht beschreiben. Es war unglaublich", fehlen dem früheren Torwart (150 Bundesliga-, 260 Zweitligaspiele) beim Treffen mit bundesliga.de auch heute noch ein wenig die Worte.

Sechs Tore in 28 Minuten



19. März 1986: Nach einem 0:2 im Hinspiel war Uerdingen beim Halbzeitstand von 1:3 praktisch ausgeschieden. "Ich erinnere mich an die Worte unseres Kapitäns Matthias Herget, dass wir uns wenigstens vernünftig verabschieden sollen". Zahlreiche Fans hatten das Stadion zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen. "Als wir aus der Kabine kamen, haben wir gesehen, dass die Tribünen leerer geworden waren", erinnert sich Vollack.

Viele Zuschauer kehrten jedoch bald wieder um, als sie auf dem Heimweg mitbekamen, dass die Tore plötzlich wie am Fließband fielen. Dresdens unerfahrener Ersatztorwart Jens Ramme, der im zweiten Durchgang den verletzten Bernd Jakubowski ersetzte, erlebte fortan ein Debakel.

Uerdingen spielte sich gegen die DDR-Pokalsieger um Matthias Sammer, Ulf Kirsten und "Dixie" Dörner in einen wahren Rausch, erzielte zwischen der 58. und 86. Minute sechs Tore und zog sensationell ins Halbfinale ein.

Halbfinale gegen Altletico Madrid



Dort war gegen Atletico Madrid Endstation. Für den FC Bayer galt es, im Rückspiel in der Grotenburg vor 26.000 Besuchern eine 0:1-Niederlage wettzumachen. Doch das nächste Wunder blieb aus. Die Spanier setzen sich mit 3:2 durch. Torwart Vollack zeigte dennoch eine starke Partie. "Ich wurde danach von der spanischen Presse El Milagro, das Wunder, genannt", erzählt er mit einem Schmunzeln.

Vollack und die Grotenburg - das ist inzwischen eine ganz besondere Beziehung. Denn der 57-Jährige kehrt täglich an den Ort seiner größten Erfolge zurück. Seit vier Jahren ist er als Angestellter des städtischen Sport- und Bäderamts gemeinsam mit seinem Kollegen Werner Zenz für die Pflege und Instandhaltung des 90.000 Quadratmeter großen Stadiongeländes zuständig.

Vom Leichtathletik- zum Fußballstadion



Der Name "Kampfbahn" geht auf die Anfänge als Leichtathletik-Stadion zurück. Nach dem Bau 1927 spielte Fußball zunächst nur eine untergeordnete Rolle. Im Laufe der Jahre veränderte die Grotenburg durch diverse Umbaumaßnahmen mehrfach ihr Gesicht. 1975 wurde die neue Haupttribüne eingeweiht. Die Kapazität stieg von 18.000 auf 22.000 Plätze. Es folgten die Errichtung der Flutlichtmasten (1976), die Aufstockung der Westkurve (1979) sowie Neubau von Nordtribüne (1986) und Stehplatz-Ostkurve.

Als letzte Maßnahme wurde 1990 oberhalb der Osttribüne eine Anzeigetafel installiert. Das Fassungsvermögen des seitdem reinen Fußballstadions beträgt 34.500 Zuschauer. Nach dem Verschwinden der Laufbahn wurde der bis heute geläufige Name "Kampfbahn" offiziell durch "Stadion" ersetzt.

Große Erfolge in den 80er Jahren



Die "Fahrstuhlmannschaft" Bayer Uerdingen feierte in der Grotenburg 1975, 1979, 1983, 1992 und 1994 jeweils den Aufstieg in die Bundesliga. Die erfolgreichste Zeit hatte der Verein in den 80er Jahren. "Mit dem Aufstieg in der Relegation gegen Schalke 1983 ging es los. Erst wurden wir belächelt, dann wurden wir im ersten Bundesliga-Jahr Zehnter", beschreibt Werner Vollack den Beginn der Uerdinger Erfolgsstory, die mit dem DFB-Pokalsieg 1985 (2:1 gegen Bayern) ihre Fortsetzung nahm.

Die Saison 1985/86 beendete Bayer als Rückrunden-Meister sensationell auf Platz 3 hinter dem FC Bayern und Werder Bremen. Im Uefa-Pokal erreichten die Krefelder nach Siegen gegen Carl-Zeiss Jena und Widzew Lodz das Achtelfinale und schieden dort gegen den FC Barcelona aus. Das Hinspiel (0:2) war das letzte Europapokalspiel in der Grotenburg. Das Rückspiel im Camp Nou gegen das Team um Gary Lineker und Mark Hughes ging ebenfalls mit 0:2 verloren.

Letztes Highlight gegen Bayern



Selten war die Grotenburg bis auf den letzen Platz gefüllt. "Für die Leistung, die wir in den 80ern gebracht haben, hatten wir eigentlich immer zu wenig Zuschauer", sagt Vollack, der dies darauf zurückführt, dass Krefeld einfach keine fußballverrückte Stadt sei.

Letztmals voll war das Stadion am 12. Spieltag der Saison 1994/95 gegen Bayern München. 34.500 Fans bejubelten in der 89. Minute den 1:1-Ausgleich durch Stefan Paßlack, der Oliver Kahn mit der Schulter überwand. Berichten zufolge trat der Bayern-Keeper danach vor Wut eine Kabinentür ein. In dieser Saison gelang dem FC Bayer zum letzen Mal der Klassenerhalt in der Bundesliga. Es folgte die Abnabelung von der Bayer AG, die Umbenennung in KFC Uerdingen 05 und 1996 der fünfte Abstieg.

Viele bekannte Spieler



Im DFB-Pokal sorgte Uerdingen 2001 als Regionalligist nochmal für Furore. Mit Cottbus und Bremen schaltete der KFC zwei Bundesligisten aus, ehe er am 1. FC Köln im Elfmeterschießen scheiterte.

Bis in die 6. Liga (mit Ailton) ging es für den KFC danach runter. Aktuell steht der Verein als souveräner Tabellenführer der Oberliga Niederrhein allerdings wieder vor der Rückkehr in die Regionalliga (4. Liga).

Viele bekannte Namen haben einst das Uerdinger Trikot in der Grotenburg getragen. Spieler wie Matthias Herget, die Funkel-Brüder Friedhelm und Wolfgang, Siggi Held, Lorenz-Günther Köstner, Stephane Chapuisat, Stefan Kuntz, Oliver Bierhoff, Brian Laudrup und Marcel Witeczek hatten hier zeitweise ihre sportliche Heimat.

"Kulturgut" erhalten



Inzwischen ist die Grotenburg ein wenig in die Jahre gekommen. Im Vergleich mit den modernen Arenen nicht mehr zeitgemäß, dafür mit dem Charme der 80er Jahre und für einen möglichen künftigen Viertligisten ein stattliches Stadion.

Werner Vollack, der seine Karriere 1989 beim FC Schalke (als Nummer eins vor Jens Lehmann) beendete, wird das "Kulturgut", wie er sagt, weiterhin gerne in Schuss zu halten. "El Milagro" und die Stätte des "Wunders von Uerdingen" - wenn das nicht wunderbar passt.

Markus Hoffmann


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