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07.02.2013 - 18:05 Uhr


Somen Tchoyi: Augsburgs Wundertüte

Somen Tchoyi soll dem FCA zum Klassenerhalt verhelfen. Zuletzt spielte der 1,90 Meter große Afrikaner bei West Bromwich Albion in der Premier League

Bei Red Bull Salzburg spielte der heute 29 Jahre alte Offensivakteur (r.) von 2008 bis 2010

Tchoyi (r.) spielte bislang 15 Mal für das Nationalteam Kameruns

München - Die Transferzeit trieb mal wieder die verrücktesten Blüten. Hauptdarsteller war dieses Mal Somen Tchoyi. Dieser sollte Jahn Regensburgs "Königstransfer" im Kampf um den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga werden. "Der Kameruner wäre die ideale Ergänzung für unseren Sturm gewesen", trauerte SSV-Manager Franz Gerber dem Transfer hinterher. Denn: Tchoyis Berater spielten ein doppeltes Spiel und der Transfer zum Jahn platzte. Einer verhandelte mit Regensburg, der andere mit Augsburg, wo der 29 Jahre alte Profi schlussendlich bis zum Saisonende unterschrieb.
"Mit seinem Berater war alles geregelt. Wir haben ihm ein Flugticket bezahlt und ein Visum organisiert. Gestern wollten wir Tchoyi vom Flughafen abholen, aber wir warteten vergebens", schilderte Gerber. Damit erwies sich der Kameruner einmal mehr als Wundertüte - schon bevor er zum ersten Mal in Deutschland gegen den Ball getreten hat.

Neue Chance



"Ich habe Franz Gerber bei meinen beiden Kindern versprochen, dass wir davon nichts wussten. Wären wir informiert gewesen, hätten wir Tchoyi niemals verpflichtet", sagte FCA-Coach Markus Weinzierl. So aber steht Somen Tchoyi nach eine halben Jahr Vereinslosigkeit zumindest bis zum Saisonende auf der Augsburger Gehaltsliste. Zuletzt spielte der Offensivallrounder - er kann auf beiden Außenbahnen und als Mittelstürmer eingesetzt werden - in der Premier League für West Bromwich Albion. Für den Premier-League-Club absolvierte er 41 Spiele und erzielte dabei sieben Treffer. Tchoyis Vertrag wurde im Sommer 2012 aber nicht verlängert. Danach absolvierte er erfolglose Probetrainings bei Birmingham City und den Wolverhampton Wanderers.

"Ich freue mich, dass der Wechsel zum FC Augsburg geklappt hat. Ich möchte diese Chance nutzen und der Mannschaft so schnell wie möglich helfen, damit wir das Ziel Klassenerhalt schaffen", sagte Augsburg neue Nummer 22 nach der Vertragsunterzeichnung. Seine neuen Arbeitgeber wollen Gelduld mit dem Kameruner haben. "Wir wissen, dass Somen Tchoyi jetzt keinen Spielrhythmus hat, sind aber aufgrund seiner individuellen Qualität überzeugt, dass er schon in der Rückrunde der Saison eine wichtige Alternative in der Offensive werden kann", sagte Geschäftsführer Sport Stefan Reuter.

Internationaler Durchbruch in Salzburg



Der 1,90-Meter-Hüne, geboren in der ehemaligen kamerunischen Hauptstadt Douala, spielt seit 2005 in Europa. Seine ersten Sporen verdiente sich der Afrikaner in der norwegischen Tippeligaen, wo er als Teamkollege des heutigen Frankfurters Olivier Occean für Odd Grenland auflief. Danach ging's weiter zu Stabaek. Über die fußballerischen Qualitäten des antrittsstarken, robusten Tchoyi gab es schon damals keinen Zweifel. 2007 wurde er Fußballer des Jahres, ein Jahr später verließ er Norwegen nach 79 Spiele, in denen er neun Tore erzielte in Richtung Salzburg. Sein erster Coach bei den Österreichern fällte dann auch gleich ein interessantes Urteil über den 15-maligen Nationalspieler. "Als Mensch ist er ein richtiger Typ, aber auch sehr schwierig", sagte der Niederländer Co Adriaanse über Tchoyi, der in Salzburg durch einen von ihm verursachten Autounfall unter Alkoholeinfluss und anschließender Fahrerflucht in die Schlagzeilen geriet.

Adriaanse-Nachfolger Huub Stevens konnte den Afrikaner ebenfalls nicht dauerhaft auf Linie bringen. "Tchoyi konnte in wichtigen Spielen schon etwas Außergewöhnliches leisten. Aber Somen war doch auch eine Wundertüte. Danach hat er sieben Mal schlecht gespielt", sagte der ehemalige Red-Bull-Salzburg-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer über den Kameruner.

Beiersdorfer verkaufte die "Wundertüte" im Sommer 2010 nach zwei Meistertiteln auf die "Insel", nachdem sich Tchoyi in der Saison zuvor in der Europa-League-Gruppenphase ins internationale Rampenlicht dribbelte. Findet Tchoyi zu dieser Form zurück, wird er in Augsburg möglicherweise von der Wundertüte zum "Königstransfer".

Christoph Gailer
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