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01.01.1970 - 01:00 Uhr


So funktioniert der BVB - Teil 2: Balleroberung und Ballverlust

Ballgewinn, dann geht die Post ab: Dortmund demonstriert große Stärken im Umschaltspiel

Ballgewinn, dann geht die Post ab: Dortmund demonstriert große Stärken im Umschaltspiel

München - Im modernen Fußball prägen die Trainer ständig den Begriff des "Umschaltverhaltens". Dies bedeutet im Grunde, wie eine Mannschaft auf den Ballgewinn bzw. den Ballverlust reagiert. Diese Umschaltbewegung ist eine der großen Stärken des BVB, der besonders nach Ballgewinnen extrem schnell in die Spitze spielt und so einen in der Defensive oft ungeordneten Gegner überrascht.
Durch die blitzschnelle Reaktion nach einem gewonnen Ball, gelang es den Dortmundern in der Vergangenheit, die gegnerischen Abwehrreihen regelrecht in Grund und Boden zu spielen. bundesliga.de blickt auf die taktischen Erkenntnisse aus der Analyse des Dortmunder Spiels.

Verhalten bei Balleroberung

Blitzartiges Umschalten auf Angriff, schnelles Konter- und Umschaltspiel in den Angriff des Gegners hinein - mit diesem Verhalten bei Balleroberungen hat der BVB zuletzt in der Bundesliga und in Europa einmal mehr für Furore und Erfolge gesorgt.

Beim letzten Auswärtsspiel in Mainz war eine Balleroberung im Mittelfeld Ausgangspunkt des Siegtreffers. Sven Bender erkämpfte sich den Ball - und dann ging es schnell und schnörkellos nach vorne. Bender leitete direkt weiter auf den zentralen Offensivspieler Mario Götze, der schickte Robert Lewandowski in der Spitze steil. Und der Pole knipste das 2:1 für die Borussia.

Ähnlich sah es beim 4:1-Sieg der Dortmunder in der Champions League bei Ajax Amsterdam aus - und das nicht nur einmal. Balleroberung im Mittelfeld, Pass auf Götze, und sofort kam Tempo ins Offensivspiel. Seine Mannschaft habe "im Umschaltspiel Unglaubliches geleistet", attestierte Jürgen Klopp seinem Team nach der Partie.

Die Beispiele belegen zugleich, wie wertvoll der zuletzt gegen Düsseldorf schmerzlich vermisste Mario Götze für das BVB-Umschaltspiel ist. Als zentraler Offensivspieler ist er Dreh- und Angelpunkt bei Kontern, überzeugt mit schnellen Pässen in die Spitze oder setzt selbst zum Dribbling an, manchmal mit einem gewissen Rechtsdrang.

Zentrale Spieler für das Dortmunder Konterspiel bei Balleroberungen sind auch die technisch versierten Ilkay Gündogan und Kuba mit ihrer Spiel- und Passstärke sowie Marco Reus, der seine Stärken vor allem dann ausspielen kann, wenn er vor sich Räume hat und Tempo aufnehmen kann.

Unterstützt wird das schnelle Konterspiel des BVB zumeist von den hoch stehenden Außenverteidigern Schmelzer und Piszczek, die in Verbindung mit den Flügelstürmern für Gefahr auf den Außenbahnen sorgen.


Verhalten bei Ballverlust

Wenn es eine Mannschaft in der Bundesliga gibt, die es versteht, aus einem Ballverlust einen Vorteil zu entwickeln, dann ist es der BVB. "Gegenpressing ist kein Vorschlag, sondern Pflicht", hat Jürgen Klopp seinen Spielern dazu nach der Niederlage gegen Düsseldorf gerade erst wieder ins Stammbuch geschrieben. In dieser Partie versuchte es der Deutsche Meister über weite Strecken ohne Gegenpressing - und letztlich ohne Erfolg.

Der BVB setzt den Gegner bei Ballverlust sofort unter Druck und attackiert direkt, um den Ball zurückzuerobern. Dabei hat es die Mannschaft im Laufe der letzten Jahre immer besser verstanden, sich insgesamt so zu verschieben, dass die Passwege für den Gegner zugestellt sind und trotz des Angriffs kaum Freiräume für den Gegner entstehen. Attackiert etwa einer der drei Spieler der Offensivreihe (Reus, Blaszczykowski, Götze), rücken die beiden Sechser (Bender, Kehl oder Gündogan) direkt nach und pressen mit. Zugleich stellen sie die Räume und unmittelbaren Passwege für den Gegner zu, so dass er Überzahlbereiche nicht anspielen kann.

Alle Mannschaftsteile passen sich den Bewegungen des Gegners an und verschieben kollektiv, um in der Nähe des Balls keine Unterzahlräume entstehen zu lassen. Lewandowski als Stürmer wird in vorderster Linie zum ersten Verteidiger und attackiert nach Möglichkeit ebenso wie die Außenverteidiger mit. Ziel ist es, den ballführenden Gegner möglichst zu doppeln.

Möglich macht diese aggressive und kraftintensive Art des Gegenpressings die hohe Laufbereitschaft, die Klopp seinen Spielern eingeimpft hat und die gerade das Doppeln auf den Außenbahnen für die zentralen Spieler mit sich bringt.

Der ballführende Spieler wird unmittelbar unter Druck gesetzt, der Spielaufbau wird effektiv gestört. Fehlpässe werden provoziert und der Gegner wird zermürbt. Glaubt man Jürgen Klopp, hat ein Ballverlust in diesem Sinne für seine Mannschaft sogar etwas Positives. Er habe manchmal das Gefühl, so der Trainer, seine Spieler freuten sich, wenn sie den Ball verlieren, damit sie beim Gegenpressing und einer möglichen Balleroberung auf einen unorganisierten Gegner treffen.

Dietmar Nolte


Teil 1 der BVB-Taktikanalyse: der typische Spielzug
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