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07.05.2013 - 10:35 Uhr


Rivalen des Rasens: Dortmund und Bayern piksen sich warm

Sie piksen sich schon etwas, bevor es richtig rund geht: Bayern mit Rafinha (Nr. 13) und Dortmund, hier Kuba

Nach Rafinhas (2.v.l) Roter Karte wegen eines Ellenbogenschlags eskalierte die Situation beim FCB-Gastspiel in Dortmund. Borussias Coach Jürgen Klopp (2.v.r.) verabschiedete den Brasilianer auf seine Art

Das wollte Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer (M.) natürlich nicht auf sich beruhen lassen und geigte wiederum Klopp (h.) die Meinung

Die beiden Alphatiere der Clubs lassen es krachen. Ein Vorgeschmack auf Wembley?

Auch er pikste die Bayern, aber auf schöne Art: Kevin Großkreutz traf sehenswert zum 1:0. Hier geht es zur Wahl des "Tor des Spieltags"

Und auch diese beiden hatten sich lieb: Felipe Santana (l.) vom BVB und Thomas Müller aus München

Zumindest Müller (l.) und Klopp kamen nach der Partie wieder runter und flachsten. Noch ist ja Zeit bis Wembley!

Dortmund - "Ich war nicht auf der Suche nach neuen Freunden." Ein einfacher Satz, von Jürgen Klopp gelassen ausgesprochen, in dem doch die ganze Wahrheit steckte. Was der Dortmunder Trainer nach dem 1:1 gegen den FC Bayern zu seinem Disput mit FCB-Sportdirektor Matthias Sammer in der 63. Minute sagte, hätte an diesem Tag fast jeder der Protagonisten so unterschreiben können.
Vorstände, Trainerstab, Spieler und natürlich die Fans - sie alle leben in diesen Tagen vielleicht intensiver denn je zuvor die Rivalität zwischen den Top-Clubs Dortmund und Bayern. Und sorgen damit für ein echtes Spektakel, das die Lust auf Fußball zusätzlich anheizt. Und seither ist auch dem Letzten klar: Hier stehen sich nicht nur die beiden besten deutschen Vereinsmannschaften gegenüber. Hier geht es längst um mehr - erst recht drei Wochen vor dem Finale in Wembley.

Großkreutz: Seht her, wir können es noch



Während die Anhänger beider Vereine ihre gegenseitige Abneigung beim Spiel in Dortmund verbal und plakativ deutlich zum Ausdruck brachten, wirkte es auf dem grünen Rasen zunächst fast ruhig. Und doch kündigte sich die Explosion der Emotionen irgendwie schon an. Bereits nach zehn Minuten gab es einen Ansatz von Rudelbildung, als sich Anatoliy Tymoshchuk seine Gelbe Karte verdiente. Dafür bejubelte Kevin Großkreutz zwar still, aber doch mit einem herausfordernden Blick zur Bayern-Kurve seinen Treffer gegen Manuel Neuer. Ganz nach dem Motto: Seht her, wir können Euch immer noch Paroli bieten. So wie schon in den fünf Bundesligaspielen zuvor, in denen den Bayern gegen den BVB kein Sieg gelungen war.

Neuer diskutierte mit Lewandowksi, Lewandowski mit Boateng, Rafinha mit Schmelzer - irgendwie hatten sich alle etwas zu sagen. Auch neben dem Rasen, wo sich Sammer auf der Bayern-Bank bereits in der ersten Halbzeit lautstark zu Wort gemeldet hatte. Später diskutierten Santana und Müller im Millimeterabstand sicher nicht die Lage der Liga, Schieber zog gegen Neuer durch - "da war richtig Pfeffer drin", meinte Klopp über den aggressiven Fight, in dem die Zweikämpfe teilweise bis zum Rande der Legalität geführt wurden. Oder im Fall von Rafinhas Ellbogencheck auch mal darüber hinaus.

"Die Härte war ein Vorgeschmack auf Wembley"



"Dieses Spiel wird nie ein Freundschaftsspiel sein”, legte sich Neuer nach der Partie fest. Zum jetzigen Zeitpunkt wohl noch weniger als je zuvor. Es geht einmal mehr um die Vormachtstellung im deutschen Fußball, es geht um Prestige und um Sympathien - und natürlich geht es auch um Titel. So wie am 25. Mai in Wembley, wenn sich beide Mannschaften im Endspiel der Champions League in London wieder gegenüberstehen und um die Krone Europas in Form eins großen, silbernen Henkelpottes streiten.
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"Die Härte war ein Vorgeschmack auf Wembley", glaubt somit auch Dortmunds Torhüter Roman Weidenfeller, der seinen Vertrag am Montag bis 2016 verlängerte. Nach dem intensiven Vorspiel ist anzunehmen, dass sich die beiden Großen der Bundesliga auch auf europäischem Rasen nichts schenken werden. Denn die Sticheleien nehmen bereits weiter ihren Lauf. "Wir haben die Bayern in letzten Jahren mächtig geärgert", merkte Borussias Kapitän Sebastian Kehl an: "Und in diesem Jahr spielen sie zwar eine überragende Saison, aber die Sympathien in der Champions League liegen doch wieder mehr auf der Seite von Borussia Dortmund" (Nachbericht: BVB mit Plan und breiter Brust).

Heynckes bleibt ruhig, Rummenigge nicht



Den Konter fuhr nach dem Gipfeltreffen Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der die Münchner Sieglos-Serie gegen den BVB in der Bundesliga ignorierte und lieber süffisant eine andere Statistik zum Besten gab: "Dortmund scheint sich schwer zu tun, gegen Bayern zu gewinnen. Das war schon das vierte Spiel in Folge ohne Sieg für die Dortmunder”, meinte er mit Verweis auf Supercup, DFB-Pokal und die beiden letzten Liga-Partien (Nachbericht: Ein gefühlter Bayern-Sieg).

Statistik hin oder her - einer wollte sich partout weder während des Spiels noch nach der Partie der Abteilung Attacke anschließen. Jupp Heynckes blieb ganz gelassen. Selbst den Zwist zwischen Sammer und Klopp unmittelbar neben seiner Trainerbank verfolgte Bayerns Coach mit stoischer Ruhe, besprach lieber demonstrativ mit seinem Co-Trainer taktische Aspekte. "Ich habe gar nicht alles gesehen. Dinge, die am Rande passieren, schaue ich mir gar nicht an", bemerkte Heynckes mit der Abgeklärtheit des großen weisen Mannes. Und nahm Jürgen Klopp zum Abschied herzlich in den Arm.

Heynckes' Spieler übrigens kamen nach den 90 hitzigen Minuten auf dem Rasen nicht mehr in der Verlegenheit, sich auch außerhalb des Platzes noch im direkten Duell mit den Dortmundern messen zu müssen. Der Flieger wartete, die Bayern hatten es eilig. Und waren schon längst weg, als die Borussen die Kabine verließen.

Aber man wird sich ja noch früh genug wiedersehen. Am 25. Mai. In Wembley.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte
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