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Bundesliga

05.02.2013 - 08:54 Uhr


Glücksgefühl mit Selbstkritik

Jürgen Klopp war in Leverkusen nicht immer zufrieden mit der Vorstellung seines BVB

In der BayArena lieferten sich Leverkusen und Borussia Dortmund eine Partie auf höchstem Niveau

Am Ende jubelte aber einmal mehr der Double-Sieger und bleibt in der Rückrunde ohne Punktverlust

Leverkusen - Viertes Spiel in Serie gewonnen, Platz 2 zurückerobert - und doch wirkten die Dortmunder nach dem 3:2-Sieg in Leverkusen eher erschöpft als begeistert. Mats Hummels brachte es nach 90 packenden Minuten auf den Punkt: "Beide Mannschaften haben enorme Leidenschaft gezeigt. Auch wenn beide nicht immer alles richtig gemacht haben."
Auch Jürgen Klopp machte mit dem Abpfiff ganz dicke Backen und atmete erst einmal kräftig durch. Der Sieg des BVB bei Bayer war ein spannendes Spektakel, ein wahres Fest für jeden Fußballfan. "Diese Partie ist einem Spitzenspiel voll gerecht geworden", urteilte der Trainer. Für ihn selbst aber war es auch eine Achterbahnfahrt der Gefühle: 2:0-Führung, Ausgleich innerhalb von vier Minuten, Siegtreffer. Das bot im Anschluss viel Raum für Lob und Tadel gleichermaßen.

Bayer zeigte Schwächen auf



Viele tolle Balleroberungen und schöne Tore bescheinigte der BVB-Coach seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit. Da agierte die Borussia gedanken- und handlungsschneller, zielgerichteter als der Gegner, zeigte einmal mehr technisch anspruchvollen Fußball und schoss durch Marco Reus und Jakub Blaszczykowski einen verdienten 2:0-Vorsprung heraus. "Allerdings waren wir nach den Balleroberungen nicht klar genug und nicht konsequent genug in unseren Offensivaktionen", kritisierte Klopp.

Was in den ersten 45 Minuten offensiv nicht perfekt funktionierte, sollte sich in der zweiten Halbzeit als deutlich größeres Problem in der Defensive erweisen. Bayer spielte schneller, konstruktiver, dynamischer - und der BVB offenbarte erstmals in der Rückrunde Schwächen in der Abwehrarbeit und verlor bisweilen den Überblick.

Nachlässig in Durchgang zwei



"Wir haben weder offensiv noch defensiv dagegengehalten, kaum noch zu unserem Spiel gefunden, haben keine Bälle gehalten und haben Leverkusen auch auf den Außenbahnen zu leicht durchkommen lassen", kritisierte Mats Hummels, der die Mannschaft erstmals in einem Bundesligaspiel als Kapitän angeführt hat. "Wir haben immer wieder Pässe in die Schnittstelle der Innenverteidiger bekommen", klagte Marcel Schmelzer. "Leverkusen hat es natürlich auch gut gemacht. Aber wir haben einfach nicht gut gestanden."

Folgerichtig kassierte der BVB nicht nur seine ersten Gegentreffer nach der Winterpause, sondern ließ auch ungewohnt viele Großchancen zu. Insgesamt 26 Torschüsse gestattete man Bayer, alleine 17 in der zweiten Halbzeit. "In dieser Phase hatten wir keinen Zugriff. Da kam von uns zu wenig, da haben wir nachgelassen", gab sich Jakub Blaszczykowski selbstkritisch. Und auch Jürgen Klopp ließ keinen Zweifel, "dass wir sicher besser verteidigen können, als wir es da gezeigt haben".

Willen, Leidenschaft und Langerak



Dass Borussias Trainer am Ende trotzdem mit einem zufriedenen Lächeln von einem "coolen Sieg" sprechen konnte, verdankten die Dortmunder zum einen Mitchell Langerak - auch eine dieser Geschichten, die das Spitzenspiel schrieb. Kurzfristig musste der Australier für Roman Weidenfeller einspringen, stand erst zum siebten Mal in einem Pflichtspiel für den BVB zwischen den Pfosten - und ging auch dank eigener Großtaten zum siebten Mal als Sieger vom Platz.

Während der Keeper selbst bescheiden blieb und lieber "die Jungs vor mir" lobte, wurde Mats Hummels deutlicher: "Mitch hat hervorragend gehalten und eine enorme Sicherheit ausgestrahlt. Es tut gut zu wissen, dass wir eine richtig gute Nummer zwei haben, auf die wir uns voll verlassen können."

Zum anderen sicherte den Dortmunder Sieg neben Langeraks Leistung eine beeindruckende Mischung aus Willen und Leidenschaft. Der BVB antwortete auf den Ausgleich schnell mit der erneuten Führung und kämpfte sich in das Spiel zurück. "Dass wir da zurückgekommen sind, war stark", lobte Jürgen Klopp, "da haben wir eine gute Moral gezeigt." Zudem bewies Robert Lewandowski einmal mehr, warum er zurzeit als vielleicht bester Stürmer Europas gilt. Seinen Gala-Tag in Leverkusen rundete er nach zwei Vorlagen mit dem 13. Saisontor ab. Erstmals in der Bundesliga traf der polnische Nationalstürmer damit in vier Spielen in Serie.

BVB da, wo er hingehört



Mit dem Sieg im Spitzenspiel hat der BVB nun zwar Platz 2 in der Tabelle zurückerobert, doch die Jagd auf Bayern München wollte auch jetzt keiner der Spieler oder Offiziellen eröffnen. Trotz des "Big Point", von dem BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sprach, hält man den Ball bei der Borussia flach. "Bayern ist ungeschlagen und steht auf Platz 1. Und das mit zwölf Punkten Vorsprung. Da müssen wir in Dortmund wirklich nicht über irgendetwas anderes als Platz 2 diskutieren", erstickte Hummels jede Debatte im Keim.

Ein bisschen Stolz aber gönnten sich die Borussen dann doch nach dem Erfolg in diesem intensiven und packenden Fight. Dass der BVB nun wieder hinter den Bayern die Liga anführt, "war auch an der Zeit", meinte Watzke. Nach den zuletzt starken Auftritten entspricht diese Platzierung durchaus dem Selbstverständnis des Deutschen Meisters, bekräftigte der BVB-Boss: "Wir hatten gerade das Gefühl, dass wir da auch hingehören!"

Aus Leverkusen berichtet Dietmar Nolte.
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