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27.06.2013 - 18:59 Uhr


Freiburgs Transfer-Doppelpack: Der Spanien-Schreck und das Kopfballungeheuer

Der Schweizer Nationalspieler Gelson Fernandes (M.) ist international erfahren und könnte sich zu einer wichtigen Stütze im Team des SC Freiburg entwickeln

Youngster Jullien Fernandes (l.) soll den Breisgauern vor allem mit seiner Kopfballstärke weiterhelfen, wird aber zunächst langsam an die Bundesliga herangeführt

Trainer Christian Streich ist davon überzeugt, dass beide Spieler perfekt ins Anforderungsprofil passen

München - Baustellen vorne, Baustellen hinten, Baustellen überall: Nach dem sensationellen 5. Platz in der vergangenen Saison und der damit verbundenen Qualifikation für den Europapokal steht der SC Freiburg vor einem großen Umbruch. Die zahlreichen Leistungsträger, die dem Verein den Rücken kehrten, haben eine Lücke in das Personalgefüge gerissen, die es nun zu schließen gilt. Für den Defensivbereich wurden mit Gelson Fernandes und Christopher Jullien nun zwei Spieler verpflichtet, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber dennoch etwas gemeinsam haben: Sie passen perfekt ins Anforderungsprofil der Breisgauer.
Seine große Sternstunde erlebte Fernandes am 16. Juni 2010 während der Weltmeisterschaft in Südafrika. Im Auftaktspiel der Gruppe H traf er mit der Schweizer Nationalmannschaft auf den haushohen Favoriten und amtierenden Europameister Spanien. Die Iberer dominierten das Spiel und hatten Chancen en masse, doch am Ende siegte die "Nati" mit 1:0 - der Torschütze war Gelson Fernandes. Somit ist der Neu-Freiburger für die bis heute letzte Pflichtspielniederlage der "Furia Roja" verantwortlich.

Reichlich internationale Routine



Schon früh galt der auf den Kapverden geborene Fernandes als großes Talent. Bereits mit 17 Jahren schaffte er beim FC Sion, der damals noch in der Challenge League - der zweithöchsten Schweizer Liga - spielte, den Sprung in die erste Mannschaft. 2006 holte der defensive Mittelfeldspieler mit seinem Club den nationalen Pokal, landete in der Saison darauf gleich im ersten Jahr nach dem Aufstieg auf einem tollen 3. Platz in der Super League und ist seitdem auch fester Bestandteil der Nationalmannschaft.

Mit seinen starken Leistungen machte der damals 21-Jährige mehrere europäische Top-Clubs auf sich aufmerksam, so dass er 2007 zu Manchester City wechselte. Gleich in seiner ersten Saison in der Premier League erkämpfte er sich einen Stammplatz, fiel in der darauffolgenden Spielzeit aber der großen Transferoffensive seines neureichen Arbeitgebers zum Opfer und wurde nur noch unregelmäßig eingesetzt.

Vom Shootingstar zum Wandervogel



Nach seinem Abschied von der Insel mutierte Fernandes zu einem echten Wandervogel und stand bei fünf verschiedenen Clubs in Frankreich, Italien und Portugal unter Vertrag - so richtig Fuß fassen konnte er allerdings bei keinem. Zur Rückrunde der Saison 2012/13 kehrte er dann zu seinem Heimatverein FC Sion zurück, den er nun nach nur einem halben Jahr wieder in Richtung Deutschland verlässt.

Auch wenn der Schweizer in den vergangenen Jahren seiner Form oftmals hintergelaufen ist, ist es ihm durchaus zuzutrauen, zu einer festen Größe im Freiburger Team zu avancieren. Trainer Christian Streich hat bereits gezeigt, dass er in der Lage ist, aus seinen Spielern die maximale Leistungsfähigkeit herauszuholen.

Fernandes soll in Freiburg heimisch werden



Mit seiner internationalen Erfahrung könnte Fernandes gerade im Europapokal zudem zu einer wichtigen Stütze der Freiburger werden: Neben seinen 43 Länderspielen hat er zusätzlich noch elf Einsätze in der Europa League bzw. dem UEFA Cup vorzuweisen. "Bei ihm sind die Lampen immer an. Er hat viel Erfahrung und wir wollen nun, dass Gelson längere Zeit bei uns bleibt und hier ein Stück Heimat findet", zeigte sich Streich zuversichtlich.

Mit erst 20 Jahren kann Christopher Jullien zwar noch nicht so viel Erfahrung wie sein zukünftiger Teamkollege Fernandes vorweisen, steht aufgrund seines Potenzials aber womöglich vor einer großartigen Karriere. Der Innenverteidiger wechselt vom französischen Zweitligisten und Traditionsclub AJ Auxerre an die Dreisam und kann mit seiner enormen Körpergröße von 1,95 Metern möglicherweise eine große Schwäche des Sport-Clubs beheben: Freiburg gewann 2012/13 nur 56 Prozent der defensiven Kopfballzweikämpfe - der schwächste Wert der Liga.

Lufthoheit defensiv wie offensiv



Auch in der Offensive könnte Julliens Kopfballstärke den Breisgauern zugutekommen: In 25 Spielen für Auxerre gelangen ihm immerhin zwei Tore. So viele erzielte von allen Freiburger Abwehrhünen in der abgelaufenen Spielzeit lediglich Routinier Pavel Krmas.

Aufgrund der Tatsache, dass ein Großteil der Defensivstammkräfte dem Sport-Club treu geblieben ist und Jullien wegen der U20-Weltmeisterschaft den Trainingsauftakt verpasst hat, wird es für den jungen Franzosen jedoch wohl keine einfache Angelegenheit, sich bei seinem neuen Club einen Stammplatz zu erarbeiten.

"Jullien bekommt Zeit"



Das wird von den Verantwortlichen zunächst aber auch gar nicht erwartet: Der neue Mannsoll beim selbsternannten Ausbildungsverein erst einmal behutsam aufgebaut und an die Bundesliga herangeführt werden. "Der Sprung von der zweiten französischen Liga in die Bundesliga ist natürlich groß - die Zeit dazu hat er beim SC Freiburg. Christopher Jullien ist ein hoch veranlagter und spielintelligenter Bursche, den wir seit seinem Profi-Debüt in Auxerre intensiv beobachtet haben und der gut in unser Anforderungsprofil passt", sagte Interims-Sportdirektor Klemens Hartenbach.

Der Perspektivspieler Jullien und der international erfahrene Fernandes passen damit beide bestens ins Profil der Freiburger, obgleich sie doch sehr unterschiedlich sind. Am Donnerstagabend trifft Jullien mit Frankreich bei der U20-Weltmeisterschaft in der Türkei übrigens auf Spanien: Vielleicht kann er es seinem zukünftigen Teamkameraden gleichtun und mit einem Tor den Favoriten in die Knie zwingen.

Sebastian Dirschl
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