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31.10.2012 - 14:16 Uhr


Der Bayern-Konkurrent

Schalke 04 hat in der laufenden Saison bislang nur gegen den FC Bayern verloren

Die Mannschaft von Huub Stevens hat vier Zähler Rückstand auf die Münchner

Am Dienstag zogen Klaas-Jan Huntelaar und Co. ins Pokal-Achtelfinale ein

München - In 49 Jahren Bundesliga gab es schon 13 verschiedene Deutsche Meister. Neben Dauersieger FC Bayern, der die Schale bereits 21 Mal hochielt, standen auch "One-Hit-Wonder" wie Eintracht Braunschweig, 1860 München oder der 1. FC Nürnberg am Ende einer Saison ganz oben.
Mit dem FC Schalke 04 fehlt in dieser Liste ausgerechnet einer der größten deutschen Traditionsvereine - doch das könnte sich bald ändern. Denn was rund um die Veltins-Arena nur hinter vorgehaltener Hand besprochen wird, dürfte spätestens nach den vergangenen zehn Tagen klar sein: Schalke hat das Zeug, dem FC Bayern die Meisterschaft streitig zu machen. bundesliga.de nennt die Gründe, warum die "Knappen" in dieser Saison zum ersten Mal in der Bundesliga-Historie Meister werden könnten.

Rotation dank neuer Entwicklungsstufe



Die Voraussetzungen wurden bereits vor der aktuellen Spielzeit gelegt, als Sportdirektor Horst Held die richtigen Personalentscheidungen traf. Die Neuzugänge Ibrahim Afellay, Roman Neustädter und Tranquillo Barnetta erhöhten die Qualität des Kaders, während sich Spieler wie Lewis Holtby, Marco Höger oder Julian Draxler stabilisierten und größere Verantwortung übernahmen. Dadurch konnte auch der Abgang von Raul kompensiert werden.

Entsprechend zufrieden äußerte sich Schalke-Boss Clemens Tönnies zu den bisherigen Leistungen des jungen Teams: "Der Auftrag von uns an Horst Heldt war, eine leistungsfähige Mannschaft zusammenzustellen, das ist ihm hervorragend gelungen. Mein größtes Kompliment dafür. Wir haben eine Bombentruppe." Dank der neuen Entwicklungsstufe ist Trainer Huub Stevens nun sogar in die Lage, in englischen Wochen dem Kräfteverschleiß mit einer Rotation zu begegnen. In der Tabelle lässt sich die neue Stärke der "Königsblauen" schwarz auf weiß betrachten: Nachdem der FC Bayern am Sonntag zum ersten Mal in dieser Spielzeit patzte, spürt der Rekordmeister mittlerweile den Atem der Schalker. Nur noch vier Punkte beträgt der Rückstand auf den Revierclub.

Am Samstag geht es für die Elf von Stevens in den Kraichgau, wo bei 1899 Hoffenheim möglichst der nächste Dreier eingefahren werden soll. Keinesfalls unmöglich, blickt man auf den aktuellen Lauf der Schalker, die in den vergangenen zehn Tagen eine beeindruckende Serie hinlegten. Hintereinander wurden Siege bei Borussia Dortmund (2:1), beim FC Arsenal (2:0) und gegen den 1. FC Nürnberg (1:0) gefeiert, bevor im Pokal auch Zweitligist Sandhausen mit einer besseren B-Elf geschlagen wurde.

Beste Zweikampfwerte, wenige Fouls



Nur einmal in seiner Bundesliga-Geschichte hatte Schalke nach neun Spieltagen eine bessere Bilanz als aktuell (sechs Siege, zwei Remis, eine Niederlage) - und das ist bereits 41 Jahre her: In der Saison 1971/72 hatte die bis heute wohl beste Schalker Bundesliga-Mannschaft aller Zeiten (um Norbert Nigbur, Klaus Fichtel, Rolf Rüssmann, Reinhard Libuda, Klaus Fischer und die Kremers-Zwillinge) zu diesem Zeitpunkt acht Siege und eine Niederlage zu Buche stehen. Doch Meister wurden am Ende die Bayern, Schalke landete damals auf Platz 2 und tröstete sich mit dem DFB-Pokalsieg. Nicht weniger als sechs mal wurde Schalke in seiner Bundesliga-Historie Vizemeister (71/72, 76/77, 00/01, 04/05, 06/07 und 09/10) - zum ganz großen Coup reichte es bekanntlich nie.

Einiges spricht dafür, dass die "Knappen" in dieser Saison Bayerns härtester Rivale im Kampf um die Meisterschaft bleiben werden: 53,5 Prozent seiner Zweikämpfe gewann S04 bislang - das ist Ligaspitze. Vor allem in der Abwehrarbeit ist die Stevens-Elf bärenstark und gewann 63 Prozent der Defensivzweikämpfe, kein anderes Team kommt auf eine Quote von über 60 Prozent. Den Schalkern kommt dabei zu Gute, dass sie sehr fair spielen und unnötige Fouls vermeiden - 109 Fouls sind die wenigsten ligaweit.

Tönnies will sich Herzenswunsch erfüllen



Dabei steht das Team vor allem vor der Pause sehr sicher und fing sich in den ersten 45 Minuten nur ein Gegentor (am 1. Spieltag in Hannover) - kein anderes Team schaffte Vergleichbares. Außerdem ließ Schalke lediglich 26 Torschüsse nach Standards zu (nur die Bayern-Bilanz ist hier besser) und bekam nur fünf Torschüsse nach einem gegnerischen Konter, was nicht einmal der Rekordmeister toppen kann.

Doch auch in der Offensive glänzt der Tabellenzweite: Schalke gab 122 Torschüsse ab und brachte dabei 18 im Kasten unter. Im Schnitt war demnach jeder siebte Torschuss drin, das ist eine der besten Quoten der Liga. Weil sich bereits elf verschiedene Spieler in die Torschützenliste eintrugen, ist die Mannschaft zudem nur schwer auszurechnen. In der vergangenen Saison hatte noch Klaas-Jan Huntelaar die Hauptlast der Offensive zu tragen.

Tönnies äußerte kürzlich, mit der Meisterschale zum Grab seines vor 18 Jahren verstorbenen Bruders und ehemaligen Schalke-Präsidenten Bernd Tönnies zu gehen. "Es wäre für mich das Allergrößte, die Schale dorthin mitzunehmen." Nicht auszuschließen, dass er sich diesen Herzenswunsch schon im komenden Mai erfüllen kann.

Johannes Fischer
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