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11.04.2013 - 11:21 Uhr


Auf leisen Sohlen

Am 1. Januar 2013 übernahm Michael Wiesinger (l.) den 1. FC Nürnberg. Sein Co-Trainer ist Armin Reutershahn

Der gebürtige Oberbayer beschreibt seinen Arbeitsstil wie folgt: "Mir ist eine klare Ansprache wichtig und dass jeder Spieler ein Feedback auf seine Leistung bekommt"

Ein wirkliches Trainer-Vorbild hat der 40-Jährige nicht, doch Ottmar Hitzfeld hat ihm - nach eigener Aussage - in der Art und Weise der Mannschaftsführung imponiert

Als Spieler war Michael Wiesinger für den FC Bayern, den TSV 1860 München und den "Club" in der Bundesliga aktiv. Sein größter Erfolg war der Gewinn der Champions League 2001 mit dem FCB

Nürnberg - Michael Wiesinger wurde bei seinem Amtsantritt skeptisch beäugt. Mittlerweile sind die Zweifler verstummt: Unter der Ägide des zurückhaltenden Ex-Profis nähert sich der Club dem oberen Tabellendrittel an.
"Der unbekannte Riese aus Franken". Michael Wiesinger lacht herzlich, als er hört, mit welchen Worten eine Tageszeitung jüngst ihre Geschichte über den Trainer des 1. FC Nürnberg einleitete. Gerade, am vergangenen Sonntag, hat der "Club" den FSV Mainz 05 mit 2:1 nach Hause geschickt. Heimlich, still und leise rücken die Franken in der Tabelle immer weiter nach vorne. Doch damit nicht genug der guten Nachrichten: Seit Wiesinger das Zepter schwingt, hat der FCN 18 Punkte in elf Spielen gesammelt und belegt in der Rückrundentabelle Platz 4.

"Naja", sagt Wiesinger, "natürlich lese ich solche Schlagzeilen nicht ungerne. Aber ich bin schon zu lange im Profigeschäft, um nicht zu wissen, dass es ganz schnell anders laufen kann." Genau deshalb habe er die Skepsis, die ihm und seinem Kompagnon Armin Reutershahn anfangs entgegenschlug, nicht allzu ernst genommen. "Und deshalb kann ich auch die positiven Ausschläge einordnen."

Extralob für Esswein



Der derzeitige Erfolg seiner Mannschaft überrascht den 40-Jährigen nach eigenem Bekunden auch nicht über alle Maßen: "Wir sehen die Jungs ja jeden Tag im Training. Die Spieler sind sehr fleißig und willens, das umzusetzen, was wir ihnen auf den Weg geben." Besonders das Spiel gegen den Ball ist in den letzten Wochen besser geworden beim Club, die Abwehr steht gut, die wenigen Chancen werden zu einem hohen Prozentsatz genutzt.

Am Sonntag hatte Alexander Esswein - wie das Gros seiner Offensivkollegen - einige Mühe, in Abschlusssituation zu kommen. Dafür ackerte der Jungprofi umso energischer und verdiente sich Kilometergeld beim Anlaufen der Mainzer Verteidiger. Zum Dank bekam der Mann, der bereits Wiesingers Vorgänger Dieter Hecking die ein oder andere Sorgenfalte auf die Stirn gezaubert hatte, ein Extralob vom Trainer, der ihn bei der Pressekonferenz als einzigen Spieler herausstrich, indem er ihn namentlich erwähnte.

Wer Wiesinger kennt, weiß, dass der Mann, der öffentliches Lob und Kritik gleichermaßen sparsam dosiert, diesmal mit Bedacht eine Ausnahme gemacht hat: "Stimmt. Das war schon ein bewusstes Signal, dass wir registriert haben, welche Entwicklung Alex nimmt."

Klare Absprachen mit Assistent Reutershahn



Wiesinger, der in der Bundesliga für den FC Bayern München, 1860 und den "Club" gegen den Ball trat, nennt nur ungerne Trainer-Vorbilder. Nur so viel: Ottmar Hitzfeld habe ihm in der Art und Weise der Mannschaftsführung imponiert. Der gebürtige Oberbayer, der bei Wacker Burghausen seine ersten Schritte im Profifußball unternahm, beschreibt seinen Arbeitsstil wie folgt: "Mir ist eine klare Ansprache wichtig und dass jeder Spieler ein Feedback auf seine Leistung bekommt." Das hat auch Alexander Esswein bekommen. Nach schwachen Trainingsleistungen saß er gegen Mönchengladbach und Frankfurt auf der Tribüne. In den zurückliegenden Wochen hat er jedoch gezeigt, dass er verstanden hat, was ihm Wiesinger damit sagen wollte.

Wenn Wiesinger, auf seine Rolle als Trainer angesprochen, von "wir" redet, kommt das nicht von ungefähr. Die Aufgabenteilung mit Armin Reutershahn ist klar definiert. Nach außen spricht nur Wiesinger, der auch während des Spiels als Chef auszumachen ist. Doch Reutershahn ist weit mehr als der Hütchen-Aufsteller: Er leitet wichtige Trainingseinheiten und justiert auch mal während des Spiels nach.

Das Verhältnis, so betonen beide, sei prima. Bis Ende der Saison laufen einstweilen die Verträge von Reutershahn und Wiesinger, der nichts dagegen hätte, in der kommenden Saison weiterzumachen. Manager Bader hat bislang an seinem Vorhaben festgehalten, nicht vor Mai über die Trainerfrage zu entscheiden. In Nürnberg gibt es allerdings nicht viele Menschen, die sich vorstellen können, dass ab Juli ein anderer Trainer das sagen haben könnte, als der Mann, der lieber Fakten sprechen lässt, als sich lauthals selbst auf die Schulter zu klopfen. "Wir spüren die Rückendeckung des Vereins", sagt Wiesinger. "Das ist die Hauptsache."

Christoph Ruf
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