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29.06.2013 - 14:23 Uhr


Adam Szalai: Mehr als nur ein Huntelaar-Backup

Im niederrheinischen Kleve kommt Adam Szalai am Freitagabend erstmals für den FC Schalke 04 zum Einsatz

Beim 1:0-Erfolg gegen die ERGO-Nationalmannschaft bleibt er zwar ohne Treffer. Seiner Beliebtheit tut das aber keinen Abbruch

In der Spielzeit 2012/2013 erzielte Szalai (l., gegen Tim Klose) 13 Treffer für den 1. FSV Mainz 05. Und das, obwohl er verletzungsbedingt im Saisonendspurt fehlte

Im Spiel gegen den SV Werder Bremen gelang dem 25 Jahre alten Ungarn (l.) nach nur 12 Sekunden das schnellste Tor der abgelaufenen Saison

Mit dem Angreifer (M., mit Andreas Ivanschitz), der bei den "Knappen" die Rückennummer 28 erhält, haben die Schalker einen Spieler verpflichtet, der das Offensivspiel variantenreicher gestalten soll

München - Als Klaas-Jan Huntelaar am 25. Spieltag der abgelaufenen Saison im Revierderby gegen Borussia Dortmund in der 54. Minute mit einem Innenbandanriss im Knie verletzt den Platz verließ, ahnten bereits viele, was sich in der Folgezeit bewahrheiten sollte: Ohne ihren Toptorjäger ging den "Knappen" in der Offensive die Durchschlagskraft verloren - die Ersatzspieler Chinedu Obasi, Teemu Pukki und Ciprian Marica konnten den "Hunter" nicht adäquat ersetzen.
Ohne die wichtigen Tore Huntelaars, der knapp eineinhalb Monate zum Zuschauen gezwungen war, war in der "Königsklasse" im Achtelfinale Endstation und auch in der Liga musste das Team bis zum letzten Spieltag um den so begehrten Champions-League-Qualifikationsplatz 4 bangen.

Um in der Saison 2013/2014 im Sturm nicht erneut gänzlich vom niederländischen Nationalspieler abhängig zu sein, haben die Verantwortlichen nun auf dem Transfermarkt zugeschlagen und mit Adam Szalai vom Ligarivalen 1. FSV Mainz 05 laut Sportvorstand Horst Heldt einen "hervorragender Stürmer, der in Mainz eine gute Torquote vorweisen konnte" verpflichtet (Meldung).

Mitspielender Stürmer und Torgarant



Mit insgesamt 21 Treffern in 79 Spielen ist die Bundesliga-Torausbeute des 25 Jahre alten Ungarn zwar bei weitem nicht so gut wie die von Huntelaar (47 Tore in 80 Einsätzen), 13 dieser Treffer erzielte er jedoch in der abgelaufenen Saison und war so erfolgreicher als sein neuer Teamkollege (zehn Tore). Der lange Ausfall des Schalkers kann hierbei nicht als Ausrede angeführt werden, denn auch Szalai laborierte im Saisonendspurt an einer Verletzung und verpasste so einige Spiele.

Zeitlich ausgedrückt überwand der Ungar 2012/2013 im Schnitt alle 185 Minuten den gegnerischen Torwart und liegt so auch in dieser Statistik vor dem "Hunter", der durchschnittlich 223 Minuten für einen Treffer benötigte. In der Chancenverwertung war Huntelaar allerdings etwas effizienter: Während der Niederländer 47 Prozent seiner Großchancen in Tore ummünzte, kam der ehemalige Mainzer "nur" auf eine Quote von 42 Prozent.

Lässt man die erzielten Treffer einmal außen vor und vergleicht die Spielweise der beiden Angreifer, fällt auf, dass sich Adam Szalai viel mehr am Spielgeschehen beteiligt, ins Kombinationsspiel seiner Mannschaft einbindet und im Pressing deutlich aktiver ist. Im Schnitt hat der Ungar, der bei den "Knappen" die Rückennummer 28 erhält, pro Partie 38 Ballkontakte, Huntelaar kommt lediglich auf deren 33. Auch bei der Anzahl der bestrittenen Zweikämpfe liegt der Neu-Schalker klar vorne: Szalais 34 direkten Duellen pro 90 Minuten stehen 20 des Niederländers gegenüber. Die weitläufige Meinung, Szalai und Huntelaar wären ähnliche Spielertypen, kann also nicht bestätigt werden.

Neue taktische Varianten möglich



Im Gegensatz zu Huntelaar ist Szalai, der bereits in der Jugend nach Deutschland wechselte und 2005 mit dem VfB Stuttgart deutscher A-Jugend Meister wurde, zudem sehr viel variabler einsetzbar. In Mainz bekleidete er unter Trainer Thomas Tuchel auch ab und an die zentrale Position im offensiven Mittelfeld oder wurde auf den Flügel beordert. Aufgrund dieser Tatsache ist es nicht auszuschließen, dass der Ungar auch bei einem Spielsystem, das nur einen Stürmer vorsieht, zu seinen Einsatzzeiten kommen könnte.

Mit Adam Szalai im Kader öffnet sich für den FC Schalke zudem wieder die taktische Möglichkeit - die auch schon in der Ära Raul das eine oder andere Mal Anwendung fand - mit zwei Stürmern zu agieren. In Mainz lief der Ungar zumeist mit einem Partner in der Sturmspitze auf und weiß somit ganz genau, wie das Spiel mit zwei Angreifern funktioniert. Um noch mehr Durchschlagskraft zu entwickeln, könnte diese Variante gerade gegen tief stehende und dicht gestaffelte Abwehrreihen sinnvoll sein.

Wenn es Szalai gelingt, sich schnell in die Schalker Mannschaft zu integrieren und seine guten Leistungen aus der Vorsaison zu bestätigen, wird er bei seinem neuen Verein - trotz der großen Konkurrenz im Offensivbereich - seine Einsatzzeit bekommen. Mit dem Ungarn haben die "Knappen" einen Spieler verpflichtet, der zum einen ihren Topstürmer im Verletzungsfall adäquat ersetzen kann und zum anderen die Offensivabteilung in der Breite gut verstärkt. Aufgrund der taktischen Möglichkeit, Huntelaar und Szalai gemeinsam stürmen zu lassen, wird das Schalker Angriffsspiel mit dem Neuzugang zudem noch variabler. Ein Spieler für die Bank ist der 25-Jährige auf keinen Fall.

Sebastian Dirschl
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