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01.01.1970 - 01:00 Uhr


Abstiegs-Check SV Werder Bremen: Das "Wir-Gefühl" zählt

Die Situation ist in Bremen so prekär wie lange nicht. Erst zehn Punkte holte das Team in der Rückrunde und steckt mitten im Abstiegskampf

Dennoch vertrauen die Fans weiter auf Trainer Thomas Schhaf

Kapitän Clemens Fritz (2.v.l.): "Wir beschäftigen uns intensivst mit dieser schwierigen Situation"

Bremen - Es war ein ungewohntes Bild am Bremer Weser-Stadion. Der Parkplatz, auf dem sonst die Spieler vor dem Training ihre Nobelkarossen abstellen, war verwaist. Hatte Coach Thomas Schaaf seinen Kickern etwa einen freien Tag spendiert? Mitnichten. Viel mehr war es eine Reaktion der Profis auf die Talfahrt der vergangenen Wochen und die damit verbundene Berichterstattung. Sie parkten in der Tiefgarage des Stadions und gingen so dem Kontakt mit Fans und Journalisten aus dem Weg.
"Wir werden uns jetzt nicht verstecken und wir werden jetzt auch nicht schweigen. Aber wir haben zuletzt alle sehr viel geredet und wollten uns heute einfach nur auf das Training konzentrieren", sagte Kapitän Clemens Fritz.

Anschauungsunterricht beim FC Bayern



Schon am Abend vor dem Mittwochstraining wirkte die Mannschaft der internen Kritik, sie sei keine Einheit mehr, entgegen. Zlatko Junuzovic und Sebastian Prödl hatten bemängelt, dass der Zusammenhalt auf dem Platz nicht mehr gegeben ist.

In einem Bremer Restaurant verbrachte die geschlossene Gesellschaft einen Grillabend und nahm sich via TV Anschauungsunterricht bei der Bayern-Gala gegen Barcelona, wie erfolgreich Fußball gespielt wird. Am nächsten Tag folgte dann die Umsetzung auf dem Trainingsgelände. Hochkonzentriert ging es im Neun-gegen-neun zu Werke, wobei die derzeitigen Abwehrsorgen auch abseits der Bundesliga-Spiele nicht verborgen blieben.

Zehn Punkte stehen in der Rückrunde erst zu Buche, 30 Gegentore in 2013 sind der "Höchstwert" in der Liga und nur einmal stand in der Zeit hinten die Null. Seit neun Partien warten die "Grün-Weißen" inzwischen auf einen Dreier.

Teambuilding



Dass das nächste Auswärtsspiel beim Champions-League-Aspiranten Bayer Leverkusen stattfindet, macht die Lage nicht einfacher. "Wir beschäftigen uns intensivst mit dieser schwierigen Situation. Wir tun alles, um für Samstag gegen Leverkusen in die bestmögliche Verfassung zu kommen", erklärte Fritz.

Dazu gehörte auch eine weitere teambildende Maßnahme. Nach dem Training fuhren die Bremer in mehreren Autos aus der Tiefgarage in Richtung Feldwebel-Lilienthal-Kaserne in Delmenhorst. Auf dem Übungsplatz unterstützten sich die Profis, um möglichst schnell den Hindernis-Parcours zu bewältigen.

"Die Mannschaft ist in der Bringschuld"



Dieser abweichende Tagesablauf war weder mit dem Trainer noch dem Manager abgesprochen, fand aber dennoch Anklang. "Die Mannschaft hat eine Bringschuld. Und wenn man da jetzt eine Reaktion sieht, ist das gut. Wenn sich die Mannschaft ein bisschen abschottet und sich sagt: 'Die Zeit des Redens ist vorbei, jetzt müssen Taten folgen', dann finde ich das genau richtig. Und es ist keine Vorgabe von Thomas Schaaf oder von mir", meinte Sportchef Thomas Eichin.

Bleibt für alle Werder-Fans zu hoffen, dass sich das neue "Wir-Gefühl" schon am Samstag in Leverkusen in Punkten ausdrückt. Eine erneute Niederlage und weitere Unruhe ist vorprogrammiert.


Darum bleibt Werder erstklassig:

  • Der Wille ist da: kein Team führte mehr Zweikämpfe als Werder (6786) - Arbeit wird irgendwann belohnt.

  • Werder kann es aus eigener Kraft schaffen - dazu reichen acht Punkte aus den verbliebenen vier Spielen.

  • Bremen empfängt noch Hoffenheim im direkten Duell und muss am letzten Spieltag nach Nürnberg, dort verlor man keines der letzten fünf Gastspiele (drei Siege, zwei Remis).


Deshalb geht's zum zweiten Mal in Liga zwei:

  • Mit 32 Punkten und einer Tordifferenz von Minus 14 hat Werder Bremen die schlechteste Bilanz zu diesem Zeitpunkt einer Saison.

  • Werder ist aktuell seit neun Spielen ohne Sieg - so lange wie aktuell kein anderes Bundesliga-Team.

  • 59 Gegentore nach 30 Spieltagen sind der Höchstwert seit 33 Jahren – zuletzt hatte Bremen 79/80 zu diesem Saisonzeitpunkt mehr Gegentore auf dem Konto (76, am Saisonende waren es damals 93, bestehender Vereinsnegativrekord). Damals stieg man am Saisonende ab.


Der große Formcheck - so sieht's bei den Konkurrenten aus




Hoffenheim | Düsseldorf | Augsburg



Aus Bremen berichtet Michael Reis
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