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19.11.2012 - 18:18 Uhr


"Teilweise waren wir zu mutlos"

Kapitän Mergim Mavraj hat bislang keine Bundesliga-Minute der SpVgg Greuther Fürth verpasst

Der zwischenzeitliche Ausgleichstreffer von Zoltan Stieber (l. gegen Jakub Blaszczykowski) reichte nicht, um Zählbares aus Dortmund mitzunehmen

In der zweiten Halbzeit konnten die Fürther kaum mehr Torgefahr erzeugen, sodass andere die Kameraobjektive auf sich zogen. "Wir haben nicht konsequent nach vorne gespielt", bemängelt Mavraj

Dortmund - Für die Spielvereinigung Greuther Fürth gab es bei Borussia Dortmund nichts zu holen - was auch an der eigenen Spielweise lag, meint Mergim Mavraj. Nach der 1:3-Niederlage und dem zehnten Spiel in Serie ohne Sieg spricht Mavraj im bundesliga.de-Interview Klartext. Ein Gespräch mit Fürths Innenverteidiger über Nachlässigkeit und Konsequenz, Mut und Selbstvertrauen und das Derby gegen den 1. FC Nürnberg am kommenden Wochenende.
bundesliga.de: Herr Mavraj, die Niederlage beim BVB war ziemlich eindeutig. Haben Sie es auch so empfunden?

Mergim Mavraj: Es war ein verdienter Sieg des BVB. Man hat gesehen, warum die Dortmunder seit zwei Jahren zu Recht so weit oben stehen und Woche für Woche fabelhafte Leistungen abliefern. Es ist sehr schwer, ihre Angriffe zu verteidigen. Und sie nutzen jeden Fehler gnadenlos aus. Wir wussten, dass wir uns für dieses Spiel nicht zu hohe Ziele stecken durften. Aber wir wollten versuchen, hinten so lange wie möglich die Null stehen zu lassen.

bundesliga.de: Was allerdings nicht ganz geklappt hat.

Mavraj: Stimmt, das ist sehr zeitig in die Hose gegangen. Es war natürlich auf der anderen Seite sehr gut, dass wir schnell den Ausgleich geschafft haben. Aber danach haben wir dieses Unentschieden einfach nicht konsequent verteidigt. Wir haben die nächsten beiden Toren zu leicht und zu nachlässig kassiert. Und dann wird es in so einem Stadion gegen so eine Mannschaft enorm schwer.

bundesliga.de: Hätte der schnelle Ausgleich der Mannschaft nicht mehr Sicherheit geben müssen? Warum sind die weiteren Tore relativ leicht gefallen?

Mavraj: Das zieht sich wie ein roter Faden durch unsere letzten Spiele. Wir bekommen zu schnell und zu einfach Gegentore. Da müssen wir uns an die eigene Nase fassen. Diese Gegentore sind unser eigenes Verschulden.

bundesliga.de: Nach dem 1:3-Rückstand zur Pause war das Spiel quasi entschieden.

Mavraj: Wir hatten in der zweiten Halbzeit die eine oder andere Ballstafette mehr. Aber so, wie wir in der ersten Halbzeit nicht konsequent verteidigt haben, haben wir in der zweiten Hälfte nicht konsequent nach vorne gespielt. Teilweise waren wir zu mutlos.

bundesliga.de: Fürth wartet jetzt seit zehn Spielen auf einen Sieg. Zehrt das langsam an den Nerven?

Mavraj: Natürlich ist es nie gut, wenn man über einen so langen Zeitraum nicht gewinnt. Ein Erfolgserlebnis würde uns sicher sehr gut tun. Auf der anderen Seite durften wir die drei Unentschieden aus den letzten Spielen durchaus auch als Erfolg verbuchen. Und auch bei der Heimniederlage gegen Gladbach haben wir in Unterzahl ein gutes Spiel abgeliefert, uns aber leider nicht belohnt. Es wäre einfach schön für die Mannschaft, wenn wir uns jetzt schleunigst auch einmal belohnen für den Aufwand, den wir betreiben. Aber es war vor der Saison auch jedem klar, dass die Bundesliga für uns kein Selbstläufer wird. Wir müssen in Situationen wie diesen ruhig bleiben und akribisch weiterarbeiten, um den Bock umzustoßen. Dann werden wir auch wieder belohnt werden. Davon bin ich fest überzeugt.

bundesliga.de: Fürth hat nach Hoffenheim die zweitmeisten Gegentreffer in der Bundesliga kassiert. Muss das primäre Ziel jetzt sein, dass die Defensive besser funktioniert und auch die Null mal steht?

Mavraj: Die Null ist ganz wichtig für eine Mannschaft. Das gibt Sicherheit. Je länger wir kein Gegentor hinnehmen müssen, desto mehr Selbstvertrauen baut die Mannschaft auf. Wenn du früh wie gegen Frankfurt oder jetzt gegen Dortmund ein Gegentor kassierst, erscheint es immer wie eine Mammutaufgabe, wieder zurückzukommen. Vor allem, wenn man weiß, was für Gegner auf der anderen Seite stehen. Für uns als Team wäre es wirklich einmal ganz wichtig, die Null ganz lange zu halten, das Spiel offen zu gestalten und dann die Chancen nach vorne zu suchen. Denn diese Chancen haben wir ja auch in jedem Spiel!

bundesliga.de: Haben Sie Sorge, dass der Abstand zu den Nicht-Abstiegsplätzen sonst langsam schon besorgniserregend werden könnte?

Mavraj: Sorge ist nie ein guter Ratgeber. Die Bundesliga war von Beginn an eine riesige Herausforderung für uns und das wird sie auch bleiben bis zum letzten Spieltag. Wir versuchen Woche für Woche, uns dort durchzubeißen und unten herauszukämpfen. Wie die Situation in drei, vier Wochen aussieht, wissen wir alle nicht.

bundesliga.de: Zum nächsten Spiel kommt der 1. FC Nürnberg nach Fürth. Ein Derby genau zum richtigen Zeitpunkt, um ein Zeichen zu setzen?

Mavraj: Das wird bestimmt ein klasse Spiel! Ein Derby kommt immer zur rechten Zeit und ist immer herzlich willkommen. Natürlich bietet dieses Derby für uns die Chance, sehr viel gutzumachen. Und vielleicht diesen Bock umzustoßen, über den wir vorhin gesprochen haben.

bundesliga.de: Nürnberg hat gerade erst mit dem Unentschieden gegen die Bayern für Aufsehen gesorgt und Selbstvertrauen getankt - schlecht für Fürth?

Mavraj: In einem Derby hast du immer eine Chance, selbst bei einem Derby zwischen zwei Vereinen aus unterschiedlichen Ligen. In so einem Spiel gewinnt immer die Mannschaft mit dem größeren Herzen und dem größeren Willen. Dann werden dir auch spielerische Defizite verziehen, wenn du engagiert an einem Strang ziehst. Und so können wir auch gegen Nürnberg gewinnen - ganz klar.

bundesliga.de: Sehen Sie den Gegner spielerisch generell auf Augenhöhe mit Fürth?

Mavraj: Es wird in diesem Spiel auch nicht darum gehen, einen Schönheitspreis zu gewinnen. In diesem Spiel geht es um drei Punkte. Um neues Selbstvertrauen. Und darum, in der Region wieder ein bisschen Morgenluft zu schnuppern.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte
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