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09.05.2013 - 20:44 Uhr


"Schaaf muss unbedingt bleiben!"

Arnd Zeigler besucht seit 1976 das Weserstadion. Seit 2001 ist der Moderator und Journalist Stadionsprecher von Werder Bremen

Auch Zeigler war von der Atmosphäre im Stadion vor dem Spiel gegen Hoffenheim überwältigt

Trotz des späten Ausgleichs wurden Sokratis, Prödl und Co. auch nach dem Schlusspfiff von den Fans gefeiert

München - Seit mittlerweile elf Spielen wartet Werder Bremen in der Bundesliga auf einen Sieg. Am 21. Spieltag gewann das Team von Trainer Thomas Schaaf mit 4:1 beim VfB Stuttgart. Damals trennten die Bremer nur drei Punkte vom internationalen Geschäft, dem erklärten Saisonziel. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz betrug komfortable zwölf Punkte. Seitdem ging es für Werder in der Tabelle kontinuierlich bergab. Trotz der sportlichen Talfahrt ist die Unterstützung der Fans für die Mannschaft ungebrochen. In Bremen gibt es keine Blockaden des Mannschaftsbusses oder laute Sprechchöre, in denen die Spieler als "Scheiß-Millionäre" beschimpft werden.
Stattdessen wurde die Mannschaft im Abstiegsduell gegen 1899 Hoffenheim schon vor der Partie lautstark unterstützt. Der Großteil der über 40.000 Zuschauer im bis auf den Gästebereich restlos ausverkauften Weserstadion war dem Aufruf "ALLEz GRÜN" gefolgt und kam in den Vereinsfarben ins Stadion. Unter dem Motto "Bremen braucht Werder, Werder braucht Bremen" hatte eine ganze Stadt mobil gemacht.

Jeder im Stadion konnte die ganz besondere Atmosphäre spüren. Viele Zuschauer sprachen von der besten Stimmung, die sie je im Weserstadion erlebt haben. Einer, der es wissen muss, ist Arnd Zeigler. Der Moderator und Journalist ist seit 2001 Stadionsprecher in Bremen. bundesliga.de hat mit dem leidenschaftlichen Werder-Fan über die Stimmung gegen Hoffenheim, Bremens Chancen im Abstiegskampf und die Besonderheiten des Vereins gesprochen.

bundesliga.de: Guten Tag Herr Zeigler. Die Fans von Werder Bremen haben am vergangenen Wochenende gegen 1899 Hoffenheim ein Zeichen gesetzt, das bundesweit ein großes Medienecho erfahren hat. Haben Sie so eine Reaktion der Zuschauer erwartet?

Arnd Zeigler: Man hat schon im Vorfeld gemerkt, dass es gegen Hoffenheim eine besondere Partie werden würde. Die ganze Woche über war dieses Spiel in Bremen das Gesprächsthema Nummer eins. Es herrschte eine angespannte, aber entschlossene Stimmung. Ich war also schon etwas vorbereitet auf die Atmosphäre am Samstag. Als ich dann aber ins Stadion kam, war ich trotzdem völlig weggeblasen von der Unterstützung der Fans. Ich gehe seit 1976 ins Weserstadion, aber so eine Stimmung habe ich noch nie erlebt. Die Zuschauer haben gegen Hoffenheim denkwürdiges geleistet.

bundesliga.de: Wie schwer fiel es Ihnen, sich bei der Gänsehautatmosphäre, die schon vor der Partie herrschte, auf ihre Arbeit als Stadionsprecher zu konzentrieren?

Arnd Zeigler: Das war überhaupt kein Problem. Diese Stimmung hat alles getragen. Auch die Spieler waren beim Warmmachen schon beeindruckt. Meine einzige Sorge war, dass sie durch die fantastische Atmosphäre vielleicht überdrehen. Das ist glücklicherweise nicht passiert.

bundesliga.de: Haben Sie eine Erklärung, warum die Fans trotz der Negativserie so geschlossen hinter der Mannschaft stehen, anstatt ihrem Frust freien Lauf zu lassen?

Arnd Zeigler: Da sind sicherlich viele Faktoren zusammengekommen. Vor dem enorm wichtigen Leverkusen-Spiel gab es die Suspendierung von Arnautovic und Elia. Ich hatte wirklich die Befürchtung, dass das Werder die ganze Saison zerschießen könnte. Dann hat die Mannschaft aber auf dem Feld die richtige Reaktion gezeigt und sich voll reingehauen. Die Fans haben das trotz der erneuten Niederlage honoriert und das Team noch lange nach dem Abpfiff gefeiert. Das war für mich ein Lehrbeispiel dafür, wie man eine Mannschaft positiv unterstützen kann. Das hat den Boden für das Hoffenheim-Spiel bereitet.

bundesliga.de: 1995/96 blieb Werder unter Aad de Mos sogar zwölf Spiele in Folge ohne Erfolgserlebnis. Damals wurde die Negativserie zuhause gegen Uerdingen gebrochen, vor gut 20.000 Zuschauern. Am kommenden Samstag gegen Frankfurt wird das Weserstadion dagegen wieder ausverkauft sein. Was hat sich in den letzten knapp 20 Jahren in Bremen verändert?

Arnd Zeigler: Man kann das nur schwer vergleichen. Als Werder 1988 Meister wurde, kamen im Schnitt auch nur 20.000 Zuschauer ins Stadion. Es war eine andere Zeit. Die Identifikation der Bremer mit Werder ist in den letzten Jahren enorm gewachsen. Der Verein ist ein ganz zentrales Element der Stadt geworden. Diese Entwicklung hängt ganz eng mit Thomas Schaaf zusammen. Was er und sein Team seit 1999 geschaffen haben, ist für mich viel wichtiger als kurzfristiger Erfolg. Thomas Schaaf verkörpert die Bremer Vereinsphilosophie. Hier sitzt eben nicht jedes Jahr ein neuer Trainer auf der Bank, der einen ganzen Stab an Mitarbeitern mitbringt. Das besondere an Werder ist die Bodenständigkeit und Kontinuität, mit der hier gearbeitet wird. Deswegen habe ich jetzt schon Horror vor dem möglichen Ende der Ära Schaaf. Er muss unbedingt Trainer bleiben.

bundesliga.de: Wird die Stimmung gegen Frankfurt wieder ähnlich gut werden wie am letzten Wochenende?

Arnd Zeigler: Ich glaube schon. Trotz des späten Ausgleichs gegen Hoffenheim war die Grundeinstellung am Samstag: "Jetzt gleich nochmal!". Das Spiel hat allen Anwesenden einfach sehr viel Spaß gemacht. Die Spieler waren begeistert und auch den Fans macht es mehr Spaß, wenn sie in einem richtigen Hexenkessel sitzen. Deswegen gehe ich davon aus, dass auch gegen Frankfurt wieder alle Emotionen entfesselt werden.

bundesliga.de: Wie optimistisch sind Sie, dass Werder den Klassenerhalt schafft?

Arnd Zeigler: Natürlich habe ich auch Angst, dass es schief gehen könnte, aber eigentlich habe ich ein gutes Gefühl. Aus meiner Sicht hat die Mannschaft die nötige Qualität, es fehlt ihr nur das eine Erfolgserlebnis. So sind die Spieler etwas blockiert. Relegation wäre natürlich auch mal spannend (lacht), aber das brauche ich nun wirklich nicht. Wir haben eine gute Mannschaft und werden die Klasse halten. Im nächsten Jahr läuft es dann hoffentlich wieder besser.

Das Gespräch führte Florian Reinecke
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