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22.02.2013 - 11:50 Uhr


"Lewandowski ist noch keine absolute Granate"

Frank Mill spielte von 1981-1986 bei Borussia Mönchengladbach

Vom Niederrhein veschlug es ihn ins Ruhrgebiet: bis 1994 blieb Frank Mill bei Borussia Dortmund - hier im Duell mit Münchens Torwart Jean-Marie Pfaff

Frank Mill bestritt von 1982 - 1990 insgesamt 17 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft

Köln - Wenn Marco Reus am Sonntag erstmals als Gästespieler im Borussia-Park aufläuft, weiß Frank Mill genau, wie sich das anfühlt. Denn wie der aktuelle deutsche Fußballer des Jahres wechselte auch Mill 1986 nach erfolgreichen Jahren in Mönchengladbach zum Namensvetter nach Dortmund.
Die ganz überwiegende Anzahl seiner 387 Bundesliga-Spiele (123 Tore) absolvierte Frank Mill für die beiden Borussia-Teams. Mit Dortmund wurde er 1989 Pokalsieger. Im Interview mit bundesliga.de vergleicht der Weltmeister von 1990 seine Ex-Vereine und auch besonders deren Offensivspieler.

bundesliga.de: Herr Mill, am Sonntag treffen Ihre beiden Ex-Vereine Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund aufeinander. Wem drücken Sie heute mehr die Daumen?

Frank Mill: Ich habe bei beiden Vereinen gerne gespielt und tippe dann immer auf ein Unentschieden, um keinem weh zu tun. Gladbach war für mich eine prägende Zeit, weil ich vorher in Essen "nur" in der 2. Liga gespielt hatte. Ich hatte bei der Borussia mit Jupp Heynckes einen guten Trainer. Er hat mir einiges beigebracht. Aber auch die lange Zeit in Dortmund war ganz besonders.

bundesliga.de: Wer ist am Sonntag Favorit?

Mill: Ich denke, dass der BVB Favorit ist. Die Gladbacher haben den Heimvorteil. Es wird interessant.

bundesliga.de: Für Marco Reus wird die Rückkehr sicher ein besonderes Spiel. Mit was für einem Empfang durch die Gladbacher Fans muss er rechnen? Wie war es bei Ihnen damals?

Mill: Ich glaube, dass er mit einem herzlichen Empfang im Borussia-Park rechnen kann. Er hat dort immer seine Leistung gebracht, ist nicht im Unfrieden gegangen. Warum sollten die Leute ihn auspfeifen? Er ist ein guter Spieler und scheint auch einen anständigen Charakter zu haben. Als ich das erste Mal im Dortmunder Trikot auf dem Bökelberg auflief, wurde ich auch nicht ausgepfiffen. Die Leute haben mich gemocht.

bundesliga.de: Als ehemaliger Angreifer dürften Sie sich vor allem die Stürmer beider Mannschaften interessiert anschauen. Leider ist Dortmunds Robert Lewandowski gesperrt, der zu den begehrtesten Stürmern Europas gehört. Ist er Ihrer Meinung nach wirklich so gut, oder wird er überschätzt?

Mill: Ich glaube, dass er noch keine absolute Granate, aber schon ein sehr guter Stürmer ist. Ich habe noch keinen Spieler gesehen, der den Ball aus der Luft so gut verarbeiten kann, wie er. Wie er den Ball abschirmt, mit der Brust annimmt, egal in welcher Situation. Er hat Spielverständnis, ist immer torgefährlich. Er kann links und rechts schießen, er hat einen guten Kopfball. Lewandowski ist ein Klasse-Stürmer.

bundesliga.de: Hätten Sie gedacht, dass Mario Götze und Marco Reus auf Anhieb so gut miteinander harmonieren?

Mill: Ja. Die beiden sind natürlich hervorragende Fußballer, die auch das "Klein-klein-Spiel" beherrschen. Ob sie nun schon lange zusammenspielen oder erst seit kurzer Zeit, ist bei den beiden nicht so entscheidend. Sie fahren fußballerisch auf einer Linie, dann funktioniert das.

bundesliga.de: Wie stark schätzen Sie die Gladbacher Stürmer Luuk de Jong, Patrick Herrmann oder Mike Hanke ein?

Mill: Das sind auch gute Jungs, allerdings haben sie nicht die Qualität der Dortmunder. Das muss man schon ganz klar sagen. Wenn Herrmann allerdings noch torgefährlicher wird, kommt das aber auch bei ihm vielleicht noch. Er ist sehr schnell, muss aber noch im Abschluss besser werden.

bundesliga.de: Was trauen Sie den beiden Borussias in dieser Saison noch zu?

Mill: Ich hoffe für beide Vereine in dieser Saison das Beste. Platz 1 ist vergeben. Ich denke aber, dass Dortmund wieder in die Champions League kommt. Für die Gladbacher wünsche ich mir, dass sie es wieder in die Europa League schaffen. Sie hatten am Anfang der Saison nach den vielen Abgängen auf wichtigen Positionen ihre Schwierigkeiten. Das war keine einfache Situation. Aber man sieht trotzdem die Handschrift von Lucien Favre und seine gute Arbeit. Er hat verschiedene Änderungen vorgenommen, die funktioniert haben, und hat sich durchgesetzt.

bundesliga.de: Noch abschließend ein Satz zu Fortuna Düsseldorf, dem Verein, bei dem Sie Ihre Profikarriere 1996 beendeten. Was zeichnet die Fortuna aus?

Mill: Die spielen das, was sie können. Sie holen einige knappe Siege, auswärts mal ein 0:0 oder 1:1. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Fürs erste Jahr Bundesliga haben sie schon sehr viel erreicht. Sie werden auch mit dem Abstieg nichts mehr zu tun haben. Und Fortuna hat mit Norbert Meier auch einen Trainer, der sehr abgeklärt ist und weiß, wie es läuft.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski
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