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05.02.2013 - 09:59 Uhr


"Eine Katastrophe": Neuer Tiefpunkt auf Schalke

Geknickt: Die Schalker sind nach der Niederlage gegen Fürth enttäuscht

In der letzten Minute kassiert Timo Hildebrand (M.) den entscheidenden Treffer, der die Pleite besiegelte

Stürmer Klaas-Jan Huntelaar ist im Jahr 2013 noch ohne Tor, traf zuletzt Ende November gegen den HSV

Gelsenkirchen - Ausgerechnet die Mannschaft um die beiden Schalker Legenden Mike Büskens und Gerald Asamoah hat "Königsblau" noch tiefer in die Krise gestürzt. Während der Aufsteiger nach dem sensationellen 2:1-Erfolg wieder den Relegationsplatz ins Visier nimmt, verliert Schalke seine Saisonziele zunehmend aus den Augen.
Sportvorstand Horst Heldt machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl: "Eine Katastrophe" und "beschämend" nannte der Manager die Last-Minute-Pleite gegen das Schlusslicht der Bundesliga. Zudem sei zu befürchten, dass es im "berüchtigten" Schalker Umfeld "nun richtig ungemütlich wird".

Sieben Punkte aus den ersten drei Spielen hatte Trainer Jens Keller gefordert. Nach dem 5:4 gegen Hannover und dem 0:0 beim FC Augsburg mit vier Zählern noch im Soll, mussten sich die Gastgeber - trotz einer 1:0-Führung - in der zweiten Minute der Nachspielzeit sensationell geschlagen geben. Statt sich gegen die zuvor in der Rückrunde punkt- und torlosen Franken aus der Krise zu schießen und einen Pflichtsieg einzufahren, muss sich der ambitionierte FC Schalke nun erst einmal neu sortieren.

Champions League in weiter Ferne



"Nach so einer Niederlage brauchen wir von der Champions-League-Teilnahme nicht zu sprechen. Wir müssen nun erst einmal punkten, um solche Ziele wieder in den Mund nehmen zu können", sagte Keller nach der ersten Schlappe unter seiner Regie. Tatsächlich muss Schalke sogar um die Europa-League-Plätze bangen.

Trotz teilweise drückender Überlegenheit - 69 Prozent Ballbesitz, 25 Torschüsse gegen Fürth - gelingt es momentan nicht, den Aufwand in Punkte umzumünzen. Der erhoffte Effekt nach dem Trainerwechsel vor der Winterpause (Keller für Huub Stevens) ist augenscheinlich bislang ausgeblieben. Schalke präsentiert sich nach wie vor verunsichert und, so Kapitän Benedikt Höwedes, "bestraft sich am Ende häufig selbst". So etwas dürfe einer Champions-League-Mannschaft nicht passieren.

Bastos macht Hoffnung



Einziger Lichtblick: der Auftritt von Michel Bastos. Der 29 Jahre alte Brasilianer, erst vor wenigen Tagen von Olympique Lyon ausgeliehen, fand sich auf Anhieb gut ins Team ein und feierte mit einem Traumtor zum 1:0 einen Einstand nach Maß. Mit ihm auf dem linken Flügel und Julian Draxler in zentraler Position dürfte Schalke an Flexibilität gewinnen. Auch Neuzugang Raffael (kam aus Kiew) deutete nach seiner Einwechslung seine Qualitäten an und verpasste bei einem Pfostenschuss kurz vor Schluss nur knapp den möglichen Siegtreffer.

Die Statistiken geben allerdings weiterhin Grund zur Sorge. Keine klare spielerische Linie, lediglich ein Sieg aus den vergangenen neun Spielen, nur ein Punkt aus den Partien gegen die Abstiegskandidaten Augsburg und Fürth, dazu bereits zum fünften Mal in dieser Saison eine Führung noch aus der Hand gegeben. Torjäger Klaas-Jan Huntelaar ist seit fünf Spielen torlos und traf in den letzen 13 Partien nur zwei Mal.

Drei Auswärtsspiele in Folge: "Müssen unseren Arsch bewegen"



Und die Aufgaben werden nicht leichter. Drei Auswärtsspiele in Folge - bei den Bayern, in Mainz und bei Galatasaray Istanbul im Champions-League-Achtelfinale - stehen nun auf dem Programm. Hinzu kommt, dass während der Woche viele Spieler mit ihren Nationalmannschaften auf Länderspielreise sind und wenig Zeit bleibt, sich auf das Duell mit den Bayern vorzubereiten.

Jermaine Jones sieht darin dennoch etwas Positives: "Hier wird jetzt einiges los sein. Da könnte die Länderspielpause sogar gut sein, um die Köpfe wieder etwas frei zu bekommen." Gegen die Bayern müsse man ein anderes Gesicht zeigen, so der US-Nationalspieler, der zugleich an die schmerzhafte 0:5-Niederlage gegen den Tabellenführer im Trainingslager in Katar erinnerte. "Wir wissen, wie schnell man gegen Bayern unter die Räder kommen kann. Da müssen wir auf gut deutsch unseren Arsch bewegen."

Für den Ex-Schalker Gerald Asamoah ist es indes nur eine Frage der Zeit, bis Schalke sich aus der Krise befreit. "Sie haben so viel Qualität in der Mannschaft. Wichtig wird es sein, dass nun alle zusammenhalten. Dann kommen sie da auch wieder raus." Ein Überraschungscoup beim FC Bayern wäre dafür ein guter Anfang. Und schnell wäre es wieder richtig gemütlich auf Schalke.

Aus Gelsenkirchen berichtet Markus Hoffmann
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