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10.02.2013 - 21:23 Uhr


"Ein nahezu perfektes Spiel"

Rafael van der Vaart hat gut Lachen: Nach dem 4:1-Coup bei Borussia Dortmund hat sein Hamburger SV wieder Tuchfühlung zu den internationalen Plätzen aufgenommen

Im Signal Iduna Park glänzte der Niederländer (l.) allerdings nicht nur als Torvorbereiter zum zwischenzeitlichen 3:1, sondern...

...war auch beim Platzverweis für Robert Lewandowski (l.) mittendrin statt nur dabei

Dortmund - Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich: Der Hamburger SV hat ausgerechnet beim Meister Borussia Dortmund mit 4:1 gewonnen - und das unter dem Strich durchaus verdient. Regisseur und Torvorbereiter Rafael van der Vaart zählte beim neunten Saisonsieg zu den Säulen im Team der "Rothosen". Im Interview nach Schlusspfiff analysiert der Niederländer das hitzige Spiel im Signal Iduna Park und erklärt, was den Hanseaten noch fehlt, um dauerhaft vorne mitzuspielen.
Frage: Herr van der Vaart, Sie haben nach dem Sieg in Dortmund allen Grund zum Strahlen - und das schon vor Ihrem 30. Geburtstag am Montag.

Rafael van der Vaart: Der Sieg war schon im voraus ein super Geschenk für mich! Den Deutschen Meister zu schlagen in seinem eigenen Stadion, das ist natürlich etwas ganz Besonderes. Auch für mich. Und dann noch mit 4:1 - das ist fast unglaublich. Das hat so keiner erwartet.

Frage: Aber Sie selbst hatten doch vorher so eine Idee...

van der Vaart: Ich habe vorher gesagt, dass wir 4:0 gewinnen! Aber das war eigentlich nur ein kleiner Spaß, auch wenn mein Gefühl ganz so falsch dann doch nicht war. Ich habe den Jungs vorher auch noch einmal ganz ernsthaft gesagt, dass alles möglich ist. Jede Mannschaft kann man schlagen, auch wenn Dortmund ein überragendes Team ist.

Frage: Sind Sie nicht nur mit dem Sieg, sondern auch mit der Leistung zufrieden?

van der Vaart: Ich finde, dass wir eigentlich von Anfang an die bessere Mannschaft waren. Wir haben etwas unglücklich das erste Gegentor bekommen, als wir hinten einen Fehler gemacht haben. Aber danach sind wir alle ruhig geblieben und haben direkt weitergespielt. Das haben wir dann sehr gut gemacht. Und dann sieht man, dass der HSV viel Qualität hat. Es war ein nahezu perfektes Spiel von uns.

Frage: Der HSV war - abgesehen vom Gegentor - dieses Mal von der ersten Minute an hellwach und direkt in der Partie.

van der Vaart: Wenn man auswärts in Dortmund spielt, in so einem Stadion und vor so einer Kulisse, da geht einiges fast von alleine. Dass es so ein deutlicher 4:1-Sieg geworden ist, ist schon toll. Dortmund hat eine überragende Mannschaft, aber sie waren an diesem Tag nicht in der besten Verfassung. Das haben wir genutzt.

Frage: Auch in der Hinrunde hat der HSV den BVB schon besiegen können. Sind die Dortmunder der neue Lieblingsgegner?

van der Vaart: Das kann man fast so sagen! Und der BVB ist auch ein bisschen mein persönlicher Lieblingsgegner. Ich habe nicht so oft verloren gegen die Borussia. Außerdem konnte ich im Hinspiel zwei Torvorlagen geben, jetzt eine - das passt.

Frage: Turbulent ging es zu beim Platzverweis von Robert Lewandowski - und Sie waren mittendrin.

van der Vaart: Es war ein heißes Spiel, da gehört das alles mit dazu. In meinen Augen war es ein Platzverweis, aber der Schiedsrichter wollte wohl erst keine Rote Karte gegeben. Da habe ich dann ein bisschen Theater gemacht. Ich hatte das Gefühl, dass er sonst nicht vom Platz geflogen wäre, obwohl es für mich eine klare Rote Karte war.

Frage: Sie selbst wurden trotz starker Leistung nach 63 Minuten ausgewechselt. War der Grund auch die Gefahr eines Platzverweises?

van der Vaart: Wir haben in der Halbzeit schon darüber gesprochen. Da war klar, dass ich nach meiner gelben Karte gefährdet war, die Ampelkarte zu sehen. Ich habe zudem einen Schlag auf den Oberschenkel bekommen und war etwas angeschlagen. So kam dann einiges zusammen. Nachdem wir 3:1 vorne lagen, konnten wir dann wechseln. Das war eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Frage: Der HSV hat insgesamt aggressiv gespielt, druckvoll und effizient. Woher kam die Spielfreude?

van der Vaart: Wir haben gegen Dortmund so gespielt, wie der HSV spielen muss. Aber unser Problem ist, dass wir in der einen Woche so spielen und in der nächsten Woche wieder ganz anders. Uns fehlt ein bisschen die Konstanz. Das stellen wir nicht zum ersten Mal fest. In der Rückrunde waren die ersten beiden Spiele gut, das dritte schlecht, jetzt war es richtig gut. Diese Aufs und Abs ziehen sich bislang bei uns durch die Saison.

Frage: Was kann man tun, um konstanter zu werden?

van der Vaart: Wir können diesen Sieg genießen, aber wir müssen daran arbeiten, dass wir jedes Spiel so angehen. Wir müssen in den nächsten Spielen an diese Leistung anknüpfen und genau so weitermachen. Das weiß jeder, das will auch jeder - aber manchmal ist etwas leichter gesagt als getan.

Frage: Geht der Blick beim HSV nach dem Sieg in Dortmund jetzt wieder nach oben?

van der Vaart: Der Blick geht immer nach oben. Aber das hatten wir auch schon oft, dass wir weiter nach oben geschaut haben. Und dann ging es in der Tabelle doch nicht weiter nach vorne, sondern eher wieder zurück. Aber natürlich wünschen wir uns alle, dass der HSV in der Bundesliga wieder eine gute Rolle spielt.

Aufgezeichnet von Dietmar Nolte
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