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18.01.2013 - 12:17 Uhr


"Die Spieler sind Sauhunde"

Klaus Toppmöller trainierte Eintracht Frankfurt, den VfL Bochum, Bayer Leverkusen und den Hamburger SV in der Bundesliga

Dabei wurde der 61-Jährige (l., hier mit Uwe Bein) sowohl mit der Eintracht als auch mit...

...der "Werkself" Herbstmeister - zum Titel hat es am Saisonende aber dennoch nicht gereicht

Köln - Das Spitzenspiel des 18. Spieltags steigt in der BayArena. Bayer Leverkusen empfängt Eintracht Frankfurt, der Tabellenzweite spielt gegen den Vierten. Mit beiden Vereinen wurde Klaus Toppmöller als Trainer Herbstmeister. Zum Titel reichte es jedoch beide Male nicht ganz. Im Interview mit bundesliga.de analysiert der 61-Jährige die beiden Kontrahenten.
bundesliga.de: Wenn Ihnen jemand vor der Saison gesagt hätte, das Spitzenspiel des Zweiten gegen den Vierten laute Bayer Leverkusen gegen Eintracht Frankfurt, hätten Sie das für möglich gehalten?

Klaus Toppmöller: Eigentlich nicht. Mir war zwar klar, dass Leverkusen oben mitspielen würde. Aber Frankfurt ist schon eine Überraschung. Sie spielen als Aufsteiger einen wirklich sehr guten Fußball und stehen nun oben. Es hat mich schon überrascht, dass sie mit den Großen der Bundesliga mithalten können.

bundesliga.de: Was imponiert Ihnen besonders?

Toppmöller: Die Eintracht spielt von hinten heraus guten Fußball. Früher wurde nur der Ball nach vorne gebolzt, wo dann der liebe Gott helfen sollte. Stattdessen spielen sie einen sauberen Ball mit Zug zum Tor. Und sie haben gute Spieler in der Mannschaft. Rode und Jung sind längst bekannt, das sind richtig gute Jungs, die nicht umsonst überall im Blickpunkt stehen.

bundesliga.de: Auch bei den Neueinkäufen hat die Eintracht bei Spielern wie Inui ein gutes Näschen bewiesen.

Toppmöller: Der Japaner hat schon in Bochum überzeugt. Viele Vereine waren hinter ihm her. Er hat sich wahrscheinlich in erster Linie für die Eintracht entschieden, weil er dort die ganze Saison durchspielen kann. Die Japaner bringen eine richtig gute Einstellung mit. Das wissen wir nicht erst seit Kagawa. Wenn sie dann noch kicken können, sind das Granaten.

bundesliga.de: Dazu kommt, dass Alexander Meier viele Tore schießt. Ist er derzeit so stark wie nie zuvor?

Toppmöller: Ja. Er hat viel dazu gelernt. Er war schon in Hamburg mein Spieler. Er ist ein sehr guter Fußballer, er spielt intelligent und trifft die richtigen Entscheidungen vor dem Torwart. Mal lupft er den Ball, mal schiebt er, mal schießt er fest. Er spielt in diesem Jahr überragend. Wenn man seine Tore abziehen würde, stünde die Eintracht wahrscheinlich nicht so gut da.

bundesliga.de: Wie bewerten Sie die Arbeit von Trainer Armin Veh?

Toppmöller: Ich habe von Anfang an gesagt, dass er ein guter Trainer ist. Ich kann mich noch daran erinnern, als er Trainer in Rostock und noch etwas unsicher war. Da habe ich ihm gesagt: "Du packst das." Ich habe seine Karriere verfolgt, erst als Spieler in Mönchengladbach. Er war ein feiner Fußballer. Jetzt ist er ein gestandener Trainer, der vor allen Dingen Fußball spielen lässt.

bundesliga.de: In Leverkusen findet ein bisschen das Kontrastprogramm statt mit einem Trainerteam, das von vielen kritisch beäugt wurde. Es scheint aber zu funktionieren.

Toppmöller: Es geht alles. Wenn ich einen Messi in der Mannschaft habe, kann ich auch mit Barcelona Meister werden. Verstehen Sie? Leverkusen hat ja von der personellen Besetzung her eine gute Mannschaft. Sie haben Lars Bender, einen der besten defensiven Mittelfeldspieler Deutschlands. Simon Rolfes, Stefan Kießling und wie sie alle heißen. Welche Mannschaft in der Bundesliga ist denn besser besetzt, wenn wir einmal die Bayern und Dortmund außen vor lassen? Direkt dahinter müsste Leverkusen kommen. Die drei werden am Ende auch mit Sicherheit vorne landen.

bundesliga.de: Aber Robin Dutt, der Vorgänger des Duos Sami Hyypiä/Sascha Lewandowski hat es nicht hinbekommen. So einfach ist es also nicht, ein Starensemble bei Laune zu halten.

Toppmöller: Das ist ja die Kunst. Die Spieler sind ja im Prinzip Sauhunde. In einer Woche erkennen die, ob das einer ist oder nicht. Das weiß ich als ehemaliger Bundesliga-Spieler ja aus eigener Erfahrung.

bundesliga.de: Würden Sie als Bundestrainer einen Stefan Kießling zur Nationalmannschaft einladen?

Toppmöller: Sicher. Wer die meisten Tore in der Bundesliga erzielt und immer trifft, muss einfach zumindest im Kader dabei sein. So viel besser können die anderen nicht sein. Er macht auch mal in einem entscheidenden Moment ein Tor, das ein anderer nicht macht.

bundesliga.de: Was für eine Partie erwarten Sie am Samstag?

Toppmöller: Ich gehe von einer eindeutigen Angelegenheit für Leverkusen aus. Bayer ist für mich Favorit. Sie werden gewinnen, ich tippe auf ein 3:1.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski
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