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08.03.2013 - 10:01 Uhr


"Die Abstiegsgefahr ist sehr groß"

Friedhelm Funkel glaubt, dass der FC Augsburg noch Platz 15 erreichen kann und sieht die Partie Fürth gegen Hoffenheim als Schicksalsspiel für beide Clubs

Zuletzt war Funkel beim damaligen Zweitligisten Alemannia Aachen als Trainer beschäftigt

In seiner Trainerlaufbahn ist Funkel bereits mit fünf unterschiedlichen Mannschaften von der 2. Bundesliga ins Oberhaus aufgestiegen, allerdings auch schon sieben Mal abgestiegen

München - Spannend ist er wieder geworden, der Abstiegskampf, denn der FC Augsburg spielt eine starke Rückrunde und hat bereits zwölf Punkte gesammelt. Und auch Schlusslicht Greuther Fürth punktet auf einmal. Im Gegensatz dazu wird die Situation für 1899 Hoffenheim immer bedrohlicher. Friedhelm Funkel, langjähriger Bundesliga-Trainer und durch seine Engagements bei Köln, Hertha und Frankfurt ein wahrer Experte im Kampf um den Klassenerhalt, schätzt im Interview mit bundesliga.de die Situation ein.
bundesliga.de: Herr Funkel, am Wochenende steht nicht nur das Revier-Derby im Mittelpunkt der Bundesliga, sondern auch der Abstiegskampf. Die SpVgg Greuther Fürth empfängt 1899 Hoffenheim und der FC Augsburg spielt gegen den 1. FC Nürnberg. Zuletzt hat Augsburg mit zwei Siegen für Furore gesorgt. Wie beurteilen Sie diese Erfolge der Schwaben?

Friedhelm Funkel: Man darf nicht nur diese beiden Siege der Augsburger beurteilen, sondern die gesamte Rückrunde, und dort ist die Mannschaft auf einem sehr erfolgreichen Weg. Sie ist die vierterfolgreichste Mannschaft der Rückrunde (Tabelle). Sie wirkt sehr stabil. Aus meiner Sicht hat Augsburg noch alle Möglichkeiten, den direkten Klassenerhalt zu schaffen. Dazu wäre natürlich ein Sieg am Wochenende gegen den "Club" sehr hilfreich.

bundesliga.de: Also Platz 15 halten Sie noch für realistisch?

Funkel: Absolut. Das sind nur noch sechs Punkte, beziehungsweise sieben zu Düsseldorf, das jetzt ein ganz schweres Programm hat. Ich traue den Augsburgern den direkten Klassenerhalt durchaus zu.

bundesliga.de: Woher kommt die Stärke des FC Augsburg auf einmal? In der Hinrunde lief es ja ganz anders.

Funkel: Markus Weinzierl (Trainer des FC Augsburg, Anm. d. Red.) hat sich verändert. Er ist härter geworden, lässt nicht mehr alles durchgehen, hat nicht mehr so viel Verständnis für seine Spieler. So sah es jedenfalls in der Hinserie aus. Nun greift er mehr durch. Dazu kam mit der Verpflichtung Stefan Reuters ein Vollprofi nach Augsburg, der genau weiß, wo der Hase lang läuft. Er hat sich von Anfang an zu 100 Prozent hinter den Trainer gestellt, weil er gesehen hat, dass er gut arbeitet. Er gibt ihm vielleicht auch in der ein oder anderen Situation kleine Hilfestellungen, ohne ihm reinzureden. Das passt. Sie haben die notwendigen Erfolgserlebnisse, und das ist aus meiner Sicht der Unterschied zur Hinserie.

bundesliga.de: Woran machen Sie fest, dass Markus Weinzierl nun härter durchgreift?

Funkel: Aus den Berichterstattungen, die ich bei jedem Verein ausführlich verfolge. Da hieß es bei Augsburg, dass er jetzt die eine oder andere Strafe verhängt hat, für Dinge, die in der Hinrunde nur mit einer Ermahnung bedacht wurden. Dann ist die Mannschaft durch den Sieg im ersten Rückrundenspiel bei Fortuna Düsseldorf natürlich auch selbstsicherer geworden. Und wenn man dann so eine Serie hinlegt, mit erst einer Niederlage in der Rückrunde, dann hat man mehr Selbstvertrauen und gewinnt auch mal enge Spiele.

bundesliga.de: Ganz anders als beim FC Augsburg hat sich die Rückrunde bei 1899 Hoffenheim entwickelt. Da sah es zu Rückrundenbeginn ganz gut aus. Im Interview nach dem 18. Spieltag haben Sie uns auch noch gesagt, dass Sie Hoffenheim von den drei Teams da unten am meisten zutrauen. Mittlerweile sieht es ganz anders aus für die TSG. Wie eklatant ist die Abstiegsgefahr für Hoffenheim?

Funkel: Die Abstiegsgefahr ist sehr groß. Hoffenheim hat fünf Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Daran sieht man, wie man sich absetzen kann, wenn man kontinuierlich punktet, wie die Augsburger das gemacht haben. Wenn man wenig punktet, dann hat man Abstand. Und die Hoffenheimer, das haben die Verantwortlichen selbst gesagt, haben bis zum Wochenende den Ernst der Lage nicht erkannt. Es gab Probleme, wie bei dem plötzlichen Wechsel von Marvin Compper, der sich anscheinend nicht mehr motivieren konnte. Auch den nötigen Zusammenhalt, den man braucht, um in der Bundesliga gegen den Abstieg zu kämpfen, gab es innerhalb der Mannschaft wohl nicht. Die Mannschaft hat sich in einigen Spielen, speziell in Augsburg, nicht so gezeigt, wie sich das eigentlich gehört, um dort unten wegzukommen. Die Verantwortlichen haben ja gesagt, dass speziell Sascha Mölders (Porträt) den Unterschied ausgemacht hat, mit der Bereitschaft, auch mit einer Verletzung vorneweg zu marschieren. Das ist natürlich alarmierend, wenn man in solch einem Spiel, in dem es gegen einen direkten Mitkonkurrenten um sehr viel geht, diese Dinge nicht umsetzt.

bundesliga.de: Also teilen Sie die Einschätzung von Hoffenheims Manager Andreas Müller, dass es der Mannschaft an Charakter fehlt, oder zumindest gefehlt hat?

Funkel: Wenn er das schon sagt, der ja hautnah dran ist und täglich mit den Spielern und Marco Kurz spricht, dann scheint sich dieser Eindruck zu bestätigen.

bundesliga.de: Jetzt geht's mit der Partie in Fürth gegen den nächsten Konkurrenten (Vorschaufakten). Fürth hat die Chance, mit einem Sieg an Hoffenheim vorbeizuziehen, dann wäre Hoffenheim Tabellenletzter. Droht der nächste Knacks für die TSG?

Funkel: Wenn sie das Spiel verlieren, dann sehe ich für diese Mannschaft keine Rettung mehr. Wenn sie in zwei Auswärtsspielen hintereinander bei zwei Konkurrenten verlieren und der Abstand auf Augsburg auf möglicherweise acht Punkte ansteigt, dann hat diese Mannschaft keine Chance mehr, die Klasse zu halten. Das ist ein unglaublich wichtiges Spiel. Das müssen sie gewinnen. Zuletzt im Spiel gegen Bayern München gab es ja einen zarten Aufwind. Das hätte Hoffenheim nicht verlieren müssen. Mit etwas mehr Glück holen die Hoffenheimer da einen Punkt. Aber nicht nur gegen Bayern München, sondern auch gegen Greuther Fürth und alle folgenden Mannschaften muss man gut spielen. Und deshalb ist dieses Spiel gegen Fürth absolut richtungsweisend.

bundesliga.de: Wie groß ist denn die Gefahr, dass Hoffenheim in Fürth verliert? Die Spielvereinigung hat ja zuletzt gut gespielt.

Funkel: Die Gefahr ist gegeben. Die Fürther haben in den letzten beiden Spielen (gegen Leverkusen und in Hamburg, Anm. d. Red.) ordentlich gespielt und jeweils einen Punkt geholt. Irgendwann reißt auch mal jede Negativ-Serie. Und die Negativ-Serie bei Fürth ist die, dass sie noch kein Heimspiel gewonnen haben. Es ist aber auch für Fürth selbst die allerletzte Chance, noch ein klein wenig heranzukommen. Aber die letzten zwei Spiele waren nicht so schlecht, so dass diese Partie für mich völlig offen ist. Der Verlierer wird den Rückstand nicht mehr aufholen können (Tabellenrechner).

bundesliga.de: Also hätte Fürth bei einem Sieg auch noch realistische Chancen auf den Klassenerhalt?

Funkel: Ja, dann hätten die mit fünf Punkten aus den letzten drei Spielen ja einen Aufwärtstrend (Formtabelle). Das ist so eine Serie, wo man wieder Hoffnung schöpft und an sich glaubt. Der Sieger hat wirklich noch eine kleine Chance. Man weiß ja zum Beispiel nicht, was mit Düsseldorf oder Nürnberg ist.

bundesliga.de: Sie sprechen Düsseldorf und Nürnberg an, die beide 28 Punkte haben. Auch Wolfsburg steckt mit 27 Punkten noch unten drin. Sind alle drei Clubs wirklich noch abstiegsgefährdet?

Funkel: Bei Wolfsburg glaube ich das eigentlich nicht. Auf der anderen Seite muss man schon aufpassen, wenn man einmal da unten steht. Fortuna Düsseldorf hat jetzt drei ganz schwere Spiele. Da geht's zu den Bayern, nach Wolfsburg und dann kommt Leverkusen. Da kann man auch mal alle drei Spiele verlieren und ist dann wieder unten dabei. Das Schlüsselspiel für Nürnberg ist die Partie in Augsburg. Verliert Nürnberg nicht oder gewinnt vielleicht sogar, dann ist man unten raus. Wolfsburg kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, weil das die stärkste Mannschaft im Tabellenkeller ist. Aber sie haben auch vor zwei Jahren bis zum letzten Spieltag zittern müssen.

bundesliga.de: Also ist der Abstiegskampf trotz relativ großer Punktabstände noch spannend?

Funkel: Er ist spannend geworden durch die Serie von Augsburg. Und der FCA hat es selbst in der Hand, den Abstiegskampf am Wochenende noch spannender zu machen.

Das Gespräch führte Gregor Nentwig
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